Hohe Preise für Agrarwaren, Verpackungen und Logistik fordern Lebensmittelindustrie

Wetterkapriolen mit Dürre, Hagelunwettern und Starkregen sowie die anhaltenden Störungen in den weltweiten Logistikketten als Folge der Corona-Pandemie haben zu historischen Höchststän-den bei Kosten für Agrarwaren wie Getreide, Früchte oder Pflanzenöle geführt. Eine Situation, die auch für die oö. Lebensmittelindustrie, die ihre besonderen Stärken im Bereich Getränke, Fleisch, Obst- und Gemüseveredelung sowie im Bereich Backwaren hat, nicht ohne Folgen ist. „Wir sehen uns als Lebensmittelproduzenten auf der Beschaffungsseite mit massiven Preissteigerungen, vom Rohstoff und der Verpackung bis hin zur Logistik, konfrontiert“, sagt Gerald Hackl , Vorsitzender der Fachvertretung der Nahrungs- und Genussmitelindustrie (Titelbild).

Diese Marktentwicklung zeigt auch deutlich der Food Price Index (FFPI), der kürzlich seinen Höchststand erreichte und im Juli 2021 um rund 30 Prozent höher als im Vergleich zum Vorjahr lag. Dieser Index für Agrar-Rohstoffe wird von der Landwirtschaftsorganisation der WHO, der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations), regelmäßig auf ihrer Website veröffentlicht. Zusätzlich führen der Trend zu Glas und die Lage bei Aluminium zu Preissteigerungen bei Verpackungsglas, Blechdeckeln und Konservendosen. In der Schifffahrt haben die Frachtkosten um bis zu 300 Prozent zugelegt. Beim Straßentransport fehlen zum Teil Fahrzeuge und Fahrer. Die Holzknappheit führt etwa dazu, dass Transport-Paletten doppelt so teuer sind wie zuletzt.

„Wie die Situation in der Zukunft aussieht, wird aus heutiger Sicht überwiegend von den weiteren Preisentwicklungen in den Bereichen Agrarwaren, Verpackung und Logistik abhängen. Die oö. Lebensmittelindustrie hat gerade in jüngster Vergangenheit gezeigt, wie wichtig sie für die Ver-sorgungssicherheit ist. Damit dies auch in Zukunft sicher gestellt ist, braucht es aber entsprechende wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit für unsere Branche“, so Hackl.
„Erfolgreiche Agrarpolitik darf sich aber nicht nur national orientieren, sondern muss den Blick auch auf die globalen Zusammenhänge richten. Dies zeigt sich sowohl bei den internationalen Rohstoffpreisen, aber auch bei den EU-Handelsabkommen und dem für Oberösterreich wichtigen Export. Wie wichtig ein funktionierender Binnenmarkt und die Nutzung aller Exportmöglichkeiten sind, hat uns gerade die Pandemie gezeigt. Denn das schafft Arbeitsplätze und Wertschöpfung im eigenen Land und das sollte auch unseren politisch Verantwortlichen wichtig sein“, betont Hackl.

Stellenwert der Lebensmittelindustrie in Oberösterreich
Die oö. Lebensmittelindustrie ist die viertgrößte Industriebranche in Oberösterreich. Sie sichert im Interesse der Konsumenten tagtäglich die Versorgung mit qualitativ hochwertigen und leistbaren Lebensmitteln. Die 109 Unternehmen mit ihren rund 6000 Beschäftigten erwirtschaften jährlich rund 2,5 Mrd. Euro abgesetzte Produktion und stellen rund ein Viertel des österreichischen Produktionswertes dar. Der Exportanteil beträgt knapp 50 Prozent. Im Bundesländervergleich liegt Oberösterreich auf Platz 2 hinter Niederösterreich. Die bedeutendsten Bereiche sind Getränke, Fleisch, Obst- und Gemüseveredelung sowie Backwaren.  

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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