Sind unsere „Sommer wie damals“ endgültig Geschichte?

Pressekonferenz zum Thema „Tennisballgroße Hagelkörner, Tornados an Österreichs Grenze, millionenschwere Überflutungsschäden –Sind unsere „Sommer wie damals“ endgültig Geschichte?Präsentation der Klima-Sommerbilanz 2021“

Ein gefühlt sehr wechselhafter und vor allem in den letzten beiden Wochen kühler Sommer geht zu Ende. Nach meteorologischer Zeitrechnung beginnt der Sommer am 1. Juni und endet am 31. August. Während im Süden Europas neue Hitzerekorde vermeldet wurden und gewaltige und zerstörerische Waldbrände gewütet haben, wurde Mitteleuropa von heftigen Unwettern und gigantischen Überflutungen heimgesucht. In Österreich blieben neue Temperaturrekorde heuer aus, allerdings wurden an einigen Orten neue Niederschlagsrekorde gebrochen.

Der in Österreich eher durchwachsene Sommer mit doch auch sehr großen Niederschlägen und langen Tiefdruckeinflussphasen ist aber unter den zehn wärmsten Sommern der 255-jährigen Messgeschichte. „Der Blick auf die klimatischen Verhältnisse der letzten Monate zeigt die Klimakatastrophe in seinen vielen Facetten. Vielen wird jetzt bewusst, mit welcher Wucht uns die Auswirkungen der Klimakrise treffen. Von der Klimaforschung wissen wir, dass die Unwetterereignisse an Häufigkeit und Heftigkeit zunehmen werden und uns brutale Hitzewellen erwarten werden. Jetzt solltefür alle Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgerklar sein, was der Auftrag der nächsten Jahre ist“, so Klima-Landesrat Stefan Kaineder.

Die vor wenigen Wochen vorgestellte Hitzestudie für Oberösterreich zeigt aber auch klar auf, dass es je nach Reduktion des CO2-Ausstoßes in den kommenden Jahren verschiedene Szenarien geben wird. Am Beispiel der Hitzetage in Linz ergibt sich eine Bandbreite von durchschnittlich rund 20 Hitzetagen pro Jahr bei Erreichen der Pariser Klimaziele oder in einem möglichen Extremszenario bis zu über 70 Hitzetage in Linz und dem Zentralraum Oberösterreichs. Außerdem sagen uns die Klimaforscher/innen, dass auch in Oberösterreich und Österreich die Temperaturrekorde in den kommenden Jahren purzeln werden.

Die Klimaforschung kommt zum Schluss, dass eineAnpassung an den Klimawandel nur gelingen kann, wenn durch die Einhaltung der Ziele des Pariser Übereinkommens eine extreme Heißzeit vermieden werden kann.„Entscheidend ist, dass bereits in diesem Jahrzehnt die Treibhausgasemissionen maßgeblich reduziert werden. Außerdem werden wir unsere Betonwüsten in den Städten zu Grünoasen machen müssen, um die fatalsten Folgen einer Überhitzung abzufedern“, so Klima-Landesrat Stefan Kaineder.

Der Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung Hans Joachim Schellnhuber, der auch Hauptreferent am heurigen oberösterreichischen Klimagipfel war, schätzt die Lage wie folgt ein, wenn keine Trendumkehr einsetzt: „Ich sage Ihnen, dass wir unsere Kinder in einenglobalen Schulbus hineinschieben, der mit 98 Prozent Wahrscheinlichkeit verunglückt.“

„Dieser Sommer war eine eindrucksvolle Warnung an uns. Die Leute sagen mir, dass sie überrascht sind, wieschnell die Veränderung nun eingesetzt hat und mit welcher Wucht,die Klimakriseihre Zähne jetzt auch in Oberösterreich zeigt.Es ist unsere historische Aufgabe, jetzt mutig und entschlossen alles zu unternehmen, um unseren Kindern und Enkelkindern einenlebenswerten Planeten zu übergeben.Die Natur und Gesellschaft sind mit rasch fortschreitenden klimatischen Änderungen konfrontiert, die wir bei allen Handlungen mitberücksichtigen müssen“, so Klima-Landesrat Stefan Kaineder weiter.

Der Sommer 2021 in Oberösterreich im klimatologischen Überblick–Mag. Alexander Ohms

„Auf einen deutlich zu kalten Frühling folgte ein sehr durchwachsener und eher kurzer Sommer. Auffälligkeiten ergaben sich weniger bei der Lufttemperatur mit einer leicht positiven Abweichung,als bei der Niederschlagsmenge. „Vor allem in der Nordhälfte des Landes fiel deutlich mehr Regen als üblich. Ungewöhnlich viele Schadenereignisse traten aufgrund der Unwetterhäufigkeit und –heftigkeit ein“, fasst der Klimaexperte der ZAMG den Sommer 2021 zusammen.

er klimatologische Sommer (Juni, Juli und August) dieses Jahres verlief in Oberösterreich etwas wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010 (siehe Abbildung mit den Temperaturabweichungen des bisherigen Sommers). Die höchste Temperatur wurde am 6. Juli in Weyer mit 34,6 Grad gemessen. Gleichzeitig war es im Großteil des Landes zu nass, wobei vor allem in den in den letzten Jahren öfter von Trockenheit geplagten Regionen im Mühlviertel und im Zentralraum deutlich mehr Regen als in einem durchschnittlichen Sommer gefallen ist (siehe Abbildung mit den Abweichungen der Niederschlagssumme des bisherigen Sommers).

©Land OÖ

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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