Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ und PROGES mit neuem Angebot: Jugendgruppen „Corona-Connection“ bieten psychische Hilfe und geben Halt

Verminderte Sozialkontakte, der Wegfall von alltäglichen Strukturen, familiäre Konflikte – die Corona-Krise trifft junge Menschen besonders hart. Wie mehrere Studien belegen, weisen mehr als die Hälfte der Jugendlichen psychische Beeinträchtigungen wie Ängste, Zwänge oder Essstörungen bis hin zu depressiven Verstimmungen auf. Überdies besteht die erhöhte Gefahr, dass sich eine bereits vorhandene psychische Erkrankung oder eine leichte Vulnerabilität für eine spätere Erkrankung verstärkt. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Beratungen der Kinder- und Jugendanwaltschaft des Landes / KiJA OÖ wider:

Mutter, alleinerziehend, Verkäuferin – Tochter 12 Jahre: „Ich habe wirklich versucht, meine Tochter neben meiner Arbeit beim Homeschooling zu unterstützen und sie immer seelisch aufzubauen. Aber sie ist immer so traurig, hat kaum mehr Kontakt zu Freundinnen und Freunden und Angst rauszugehen. Sie weint auch viel, oft ohne Grund mitten am Tag. Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll, es gibt keinen freien Therapieplatz für sie!“

Mädchen, Schülerin, 16 Jahre: Meine Eltern haben während Corona immer viel Stress gehabt. Mein Papa hat seine Arbeit verloren. Meine Mama ist schon länger krank, hatte immer Angst sich anzustecken. Es hat viel Streit gegeben zuhause. Ich war eigentlich immer eine gute Schülerin, aber im Homeschooling bin ich nicht gut mitgekommen, habe mich sehr verschlechtert. Ich habe stark abgenommen, kann nichts essen, weil mir schnell schlecht wird. Meine Eltern machen sich Sorgen, aber ich weiß nicht, wo ich Hilfe bekomme.“

„Kinder und Jugendliche haben das Recht auf Gesundheit, insbesondere auch auf psychische Gesundheit. Die aktuellen Gegebenheiten in unserem Land werden dieser Verpflichtung allerdings nicht gerecht, so mangelt es an niederschwelligen und kostenfreien Angeboten für junge Menschen, von Therapieplätzen bis hin zu rascher und nachhaltiger psychosozialer Unterstützung“, so die oberösterreichische Kinder- und Jugendanwältin Christine Winkler-Kirchberger.

Einen wichtigen Baustein im Bereich der psychosozialen Hilfen bildet daher das neue therapeutische Pilotprojekt „Corona-Connection“ für Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren, eine Kooperation von PROGES und der KiJA OÖ.

„In Linz und Wels finden jeweils acht bis zehn Jugendliche Unterstützung im Gruppen-Setting, professionell begleitet von jeweils zwei Psychotherapeutinnen bzw. Psychotherapeuten. Ziel ist eine rasche Vermittlung von Behandlung und Unterstützung. Bei Bedarf sind zusätzliche Einzel-Stützgespräche möglich“, wie PROGES-Geschäftsführerin Doris Polzer erläutert.

Gemäß dem Motto „Zusammen ist man weniger allein mit Problemen“ soll die Gruppe alle 14 Tage Kontakt, Austausch, Anregung und Entlastung ermöglichen. Hier können existentielle Fragen rund um Identität, Zukunft, Familie, Stress, Schule, Corona und vieles mehr gemeinsam besprochen werden. Durch positive analoge Beziehungserfahrungen soll auch dem sozialen Rückzug entgegengewirkt werden.

In Österreich gibt es noch wenig Erfahrung mit psychotherapeutischen Gruppenangeboten für Jugendliche, das Pilotprojekt wird daher evaluiert und soll bei Bedarf erweitert werden.

Foto:
KiJA OÖ/Nadja Meister

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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