Holzbau hat noch viel Luft nach oben

Private Bauherr/innen, Genossenschaften, Kommunen, Bauträger und die Öffentlichkeit für den Werkstoff Holz zu sensibilisieren sowie den vielfältigen Nutzen von Bauen mit Holz und die neuen Anwendungsmöglichkeiten des Holzbaus näherzubringen, ist Ziel der laufenden Imagekampagne des Agrarressorts des Landes OÖ und der oö. Holzbauinnung. „Wir wollen dabei aufzeigen, dass der uralte Bau– und Werkstoff Holz nicht nur ein unverzichtbarer Faktor in einer modernen Gesellschaft, sondern sogar ein Schlüsselelement zur Bewältigung der Herausforderungen der Zukunft ist“, sind Hiegelsberger und Frauscher überzeugt.

In den letzten Jahren ist Bauen mit Holz aus Gründen der Nachhaltigkeit, des Klimaschutzes oder der CO2-Neutralität verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. „Das wollen wir mit der Kampagne aufgreifen und intensivieren sowie auf die neuen Anwendungsmöglichkeiten und die zahlreichen Vorteile von Bauen mit Holz hinweisen“, gibt Frauscher die Zielrichtung vor. Draußen auf dem Land oder im landwirtschaftlichen Bereich liegt der Holzbau schon verhältnismäßig gut. Der Anteil von Holzbauten an der Gesamtzahl der Bauvorhaben liegt in OÖ bei rund 42 Prozent, er soll in den nächsten fünf Jahren auf 45 Prozent klettern.

Damit das gelingt, muss man beim klassischen Eigenheim genauso ansetzen wie bei städtischen Immobilien. Die notwendige thermische Sanierung kann in einem Zug gleich auch für einen Umbau samt Aufstockung genutzt werden. „Hier steckt noch deutlich mehr Potenzial drin“, ist Frauscher überzeugt: „Das geringe Gewicht und der hohe Vorfertigungsgrad von Holz sind hier nur zwei überzeugende Vorteile.“

Städtische Gebäudeaufstockung mit Holz: Beispielfotos Linz, Mozartstraße 23, Fa. Weisshaidinger, Fotos: WK OÖ

Die vielen Vorteile der Gebäudeaufstockung mit Holz

„Wer zurzeit aufmerksam durch Stadt und Land fährt, sieht, dass Holz am Bau angekommen ist auch bei Gebäudeaufstockungen im städtischen Bereich“, so Frauscher. Als Vorzüge nennt er:

  • Wohnraumschaffung ohne die Zusatzkosten für Infrastruktur und Aufschließung (Strom, Wasser, Kanal, Internet etc), weil das alles schon in der Regel vorhanden ist.
  • Aufstocken vermeidet zusätzliche Bodenversiegelung — ein ganz besonders wichtiger Pluspunkt.
  •  Ressourcenschonender und sinnvoller Einsatz von Holzriegelbau- Elementen und Massivholzelementen.
  • Statisches Argument: Geringes Gewicht von Holz erfordert keine

teuren Umbauten oder Verstärkungen im bestehenden Gebäude.

  • Hoher Vorfertigungsgrad beschleunigt Bauzeit.
  •  Holz lässt sich zudem mit anderen Baustoffen (Beton, Glas, Stahl) perfekt kombinieren (Holz-Hybrid-Bau). Positive Effekte auf Klima, Wasser und CO2 Bilanz Darüber hinaus besticht der Baustoff Holz durch eine lange Reihe von Vorteilen. Neben seinen haptischen und physiologischen Effekten auf den Menschen und seiner vielfältigen Einsetzbarkeit sind das vor allem seine Wirkungen auf Ressourcenverbrauch, Klimaschutz, Nachhaltigkeit und CO2-Speicherung. „Dieser ökologische Fußabdruck von Holz bzw. unserem Wald muss noch mehr in die Köpfe der Entscheidungsträger“, betont Frauscher. Beispielhaft einige Fakten:
  • Österreichs Holzvorrat wächst pro Jahr um 4 Mio. Kubikmeter und die Waldfläche steigt pro Jahr um rund 3.400 Hektar oder 4.700 Fußballfelder.
  • Pro Sekunde wächst 1 Kubikmeter Holz nach, was jeden Tag den Holzzuwachs ergibt, den man für 2.100 neue Einfamilienhäuser benötigen würde.
  • 1 Kubikmeter Holz bindet 1 Tonne CO2 und das langfristig, weil Holzprodukte langlebig sind und das klimaschädliche Kohlendioxid so lange gebunden bleibt. Daneben wird über die Photosynthese das lebenswichtige „Abfallprodukt“ Sauerstoff erzeugt.
  • 1 durchschnittliches Einfamilienhaus aus Holz bindet rund 40 Tonnen CO2, was dem durchschnittlichen CO2-Ausstoß eines PKW in 26 Jahren entspricht.
  • Holzprodukte sind Kreislaufprodukte: Nach einer ersten Nutzung können sie in anderer Form weiterverwendet werden und schonen so Ressourcen.
  •  Neben dem CO2-Speicher übernimmt der Wald noch die wichtigen Funktionen als Schutz- bzw. Bannwald, als Trinkwasserspeicher und als „natürliche Kühl- und Klimaanlage“.

„Holz ist ein moderner Baustoff, der neben den ökologischen Vorzügen der Wiederverwendbarkeit, der Nachhaltigkeit, der Ressourcenschonung, der Klimaneutralität und der langfristigen CO2-Speicherung auch eine Reihe ökonomischer und technischer Vorteile in sich vereint“, fassen Hiegelsberger und Frauscher zusammen. Sie sind überzeugt, dass „Holz eine Schlüsselrolle nicht nur bei den ökologischen, sondern auch bei den baulichen und architektonischen Herausforderungen der Zukunft spielen wird“.

Wirtschafts- und Regionalfaktor Wald, Holz, Bauen mit Holz

„Holz ist der Baustoff vor Ort und wächst ständig nach. Von den Baumschulen über die Bäuerinnen und Bauern als Waldeigentümer bis zu den Sägen und Holzbaufirmen: Wir haben die gesamte Wertschöpfungskette im Land. Die im Holzsektor tätigen Unternehmen sind wichtige Arbeitgeber und Fundamente unserer wirtschaftlich gesunden, ländlichen Regionen. Bei Bauten mit Holz verbleibt somit praktisch die gesamte Wertschöpfung in der Region“, bekräftigt Agrar- Landesrat Hiegelsberger. Die heimischen Wälder sind die Grundlage einer sehr langen Wertschöpfungskette. Knapp 43.000 Betriebe – vom Waldbauer über Sägeindustrie, Tischler, Holz- und Baustoffhandel bis Holzbauunternehmen, ohne Papier- und Papperzeuger bzw. -verarbeiter – gibt es alleine in unserem Bundesland in diesem Sektor. Diese beschäftigen kumuliert über 64.100 Menschen.

Der gewerbliche Holzbau in OÖ: 422 Unternehmen beschäftigen rund 2.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind 332 Lehrlinge (266 Zimmerei, 60 Zimmereitechnik, 6 Doppellehren Zimmerei & Hochbau).

Fotos: Land OÖ/Tina Gerstmair bzw. WK OÖ

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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