Leserbrief von Mag. Barbara Kern zum Kraftwerksbau: Schwimmt Goiserns Naherholungsgebiet die Traun hinunter?

Unsere Landschaft, unsere Flächen sind unser Lebensraum und unsere Lebensgrundlage. Es herrscht nun schon seit einiger Zeit Goldgräberstimmung, auch in Goisern. Die Talsohle wird zusehends ausgeplündert, versiegelt, verbraucht, übernutzt, und verkapitalisiert, als gäbe es kein Morgen.

Nun hängt ein weiteres, ein drittes Kraftwerk wie ein Damoklesschwert über dem Tal. Und weil natürlich jeder vernünftig denkende Mensch sofort die naheliegende Frage stellt, warum 2 km unterhalb eines, soeben errichteten Kraftwerks, noch eines gebaut werden soll, hat man sich vorsorglich Ausreden ausgedacht.
Ausrede 1: Hochwasserschutz. Da kann doch keiner etwas dagegen haben!? Obwohl: seit wann ist eigentlich die Energie AG für den Hochwasserschutz zuständig? Komisch. Eigentlich hat der Gewässerbezirk Gmunden für Goisern längst ein fertiges Hochwasserschutzkonzept auf dem Tisch liegen, das sich optisch wesentlich besser in die Talschaft einfügt.  Hätte man da nicht bereits mit den Baumaßnahmen beginnen müssen? Das wurde scheinbar verhindert, von wem wohl?

Ausrede 2: Wer ja zur Energiewende sagt, muss bedingungslos JA zur Wasserkraft sagen? Nein, wir korrigieren: wer ja zur Energiewende sagt, muss nicht automatisch ja zur Gewinnmaximierung der Energiekonzerne und zu einer gesellschafts- und ökologisch fragwürdigen Bauweise sagen. Stattdessen wären zeitgemäße alternative Konzepte (Verbesserung der Kreislaufwirtschaft, …), Dezentralisierung der Stromproduktion, Hebung von Stromeinsparungspotenziale, d.h. beispielsweise das Stopfen der vielen Löcher, die das „Energiefass“ hat, erforderlich. 

Eines muss hier klar gesagt werden: den Energiekonzernen geht es nicht vorrangig um die Energiewende, sondern um die Sicherung der eigenen Ressourcen, genauer gesagt um Gewinnsteigerung. Man will in den lukrativen Geschäftszweig der Wasserstoffproduktion einsteigen, der übrigens einen exorbitant hohen Stromverbrauch hat. Nicht für die Energiewende, sondern für die Gewinnsteigerung der Energiekonzerne sollen unser Naherholungsgebiet (das zu Fuß, also klimaneutral, erreichbar ist), das letzte bisschen Fließgewässer und das letzte erhaltene Stück des historischen Traunreiterweges geopfert werden. Wem schadet man, wen belastet man damit am meisten? Natürlich den Menschen, die nicht das Geld und die Möglichkeit haben, mit dem Auto zum Spazieren gehen zu fahren. Nicht zu vergessen dem Tourismus.

Die Energie AG schreibt selbst, dass in Oberösterreich bei der Wasserkraft ein Ausbaugrad von über 90% erreicht ist. D.h. unsere Gewässer sind bereits zu über 90% verbaut und genutzt. Dem stimmen wir zu! In Goisern gibt es bereits ZWEI Kraftwerke – im Siedlungsraum. Wir haben also unseren Beitrag geleistet. Und wir wiederholen: es ist nicht die Aufgabe von Goisern, die Gewinnmaximierung der Energiekonzerne zu gewährleisten. Denn deren Gewinn geht auf unsere Kosten: mindestens 2 Jahre Bauzeit, mindestens 2 Jahre massive Lärm- und Luftverschmutzung, CO2-Ausstoß (nicht zuletzt durch einen der Klimakiller schlechthin: Beton) durch schwere Gerätschaften, Baufahrzeuge und massive Erdbewegungen. Von Natur, Ökologie oder einer unumkehrbaren Verschandelung der gesamten Talschaft reden wir hier gar nicht.  Der Unmut steigt. Im Wahljahr.

Barbara Kern, Bad Goisern

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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