WKOÖ: Transformation zur Treibhausneutralität funktioniert nur mit der Industrie

Für Oberösterreichs Industrie stellt der Weg in Richtung Klimaneutralität ein sehr herausforderndes Transformationsprojekt dar.

Die EU hat sich mit dem European Green Deal zum Ziel gesetzt, bis spätestens 2050 klimaneutral zu sein. Österreich möchte hier noch einmal zehn Jahre vorangehen und bis 2040 Klimaneutralität erreichen. „Für Oberösterreichs Industrie, die ein Grundpfeiler des Wohlstands im Land sowie Garant für hochwertige Arbeitsplätze ist, stellt der Weg in Richtung Klimaneutralität ein sehr herausforderndes Transformationsprojekt dar. Die Transformation wird gelingen, sie darf jedoch nicht ausschließlich auf Kosten der energieintensiven heimischen Industrie gehen“, erklärt dazu Ernst Spitzbart, Energiesprecher der Sparte Industrie der WKOÖ.

Spitzbart verweist auf ein Bündel von geplanten Maßnahmen und resultierenden Kosten für die Oö. Industrie. „Auf europäischer und nationaler Ebene stehen umfassende Veränderungen in der Energie- und Klimapolitik bevor. Der Green Deal der EU, das ,Fit for 55-Paket‘, der Ausbau der erneuerbaren Energien, weitere Verschärfungen und der drohende Entfall der freien Zuteilung im EU-Emissionshandel bei Einführung eines CO2-Grenzausgleichs sowie die nach wie vor fehlende Strompreiskompensation verursachen jährliche Mehrkosten von rund zwei Milliarden Euro“, rechnet Spitzbart vor. „Wenn wir die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Industriebetriebe unterstützen und erhalten wollen, brauche es auch in Österreich einen Belastungsstopp bei Energie- und Klimakosten, eine sofortige Umsetzung der in den meisten EU-Mitgliedsstaaten bereits umgesetzten Strompreiskompensation, hohe Investitionssicherheit und innovative Förderprogramme zur raschen Entwicklung und Implementierung CO2-armer Technologien“, so Spitzbart.

Die Konsequenzen im Energiebereich sind sehr weitreichend, da es um einen kompletten Umbau der etablierten technischen, rechtlichen und ökonomischen Systeme von Energieerzeugung, Transport, Speicherung, Verteilung und Verbrauch geht. Dabei stellt der geplante Ausbau erneuerbarer Energien, im Wesentlichen durch Windkraft- und PV-Anlagen, vor allem die bestehende Strominfrastruktur vor massive Herausforderungen. „Das bestehende Energiesystem ist nicht in der Lage, den neuen Anforderungen gerecht zu werden und der notwendige, parallel erfolgende Ausbau verursacht hohe Kosten. Von vorrangiger Bedeutung muss daher eine zu jedem Zeitpunkt für alle Unternehmen zu kompetitiven Kosten gesicherte Energieversorgung sein“, fordert Spitzbart und verweist auf die notwendige Gesamtbetrachtung des Energiesystems und einer Kombination von erneuerbarem Strom und erneuerbarem Gas.

Das Ziel der Klimaneutralität wird für wichtige Bereiche der Industrie auch Perspektiven auf neue Märkte und Absatzchancen eröffnen. Denn mit steigendem Klimabewusstsein wachse der globale Bedarf an Innovationen, Technologien und Lösungen, die diese Transformation ermöglichen. Oberösterreichische Unternehmen seien in vielen dieser Bereiche bereits gut etabliert. „Damit Klimaschutz aber zum wirklichen Wachstumsmotor wird, braucht es eine aktive, planbare und investitionsfreundliche Energie- und Klimapolitik. Und dies unter Einbindung der Unternehmen“, sagt der Energiesprecher. Konkret fordert Spitzbart von der heimischen Politik unter anderem die Sicherstellung eines ausreichenden Angebots an erneuerbaren Energien, die Sicherung international wettbewerbsfähiger Strom- und Gasgesamtkosten für die Industrie, die Umsetzung der Strompreiskompensation (Kompensation indirekter CO2-Kosten), die Sicherstellung innovativer Finanzierungen und Anreize für Neuanlagen sowie die zielgerichtete Förderung von Innovation, Forschung und Entwicklung im Energiebereich.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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