LR Hiegelsberger: Wenn unterm Strich nichts übrig bleibt – Hohe Dünge- und Futtermittelpreise bringen landwirtschaftliche Einkommen unter Druck

Die Erlössituation in der Landwirtschaft ist sehr stark von internationalen Märkten abhängig. Dies betrifft einerseits die Produktpreise für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse – Getreide und eingeschränkt auch Milch sind internationale Handelsgüter, anderseits aber auch die notwendigen Betriebs- und Futtermittel wie Dünger und Soja bzw. Sojaschrot. Hier zeichnet sich gerade ein internationales Preishoch ab, das auch die heimischen Bauerneinkommen unter Druck bringt. Die Ursachen dieser Kostenexplosion sind die seit den Lock Downs noch nicht völlig wiederhergestellten Lieferketten und die weltweite Rohstoffknappheit. „Die herrschende Hochkonjunktur lässt in fast allen Branchen die Preise steigen. Höhere Preise für Vorprodukte und Rohstoffe können von den meisten Unternehmen durch höhere Verkaufspreise kompensiert werden. Das gilt für die Landwirtschaft nur in eingeschränktem Ausmaß. Trotz historisch hoher Preise für Betriebsmittel wie die notwendigen Pflanzennährstoffe steigen die Erlöse für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse nicht. Unterm Strich verringert das die Einkommen unserer bäuerlichen Betriebe und erhöht den Druck Richtung Betriebsvergrößerung“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Globale Preisrally bei Betriebsmitteln

Am Weltmarkt erreichten die Preise für Phosphordünger den höchsten Stand seit 13 Jahren, bei den wichtigsten Stickstoffdüngern ist ein 9-Jahreshoch erreicht. Gründe dafür sind hohe Getreidepreise in der abgelaufenen Saison, hohe Energiepreise und die durch Corona unterbrochenen und immer noch nicht ganz wiederhergestellten Logistikketten zwischen China und dem Rest der Welt. Da diese Nährstoffe trotz der hohen Preise in derselben Menge auf den heimischen Flächen gebraucht werden, sind die bäuerlichen Betriebe mit hohen Kosten konfrontiert. Ebenso verhält es sich bei Sojaschrot – auch hier stehen die Notierungen auf einem vergleichsweise hohen Niveau und haben im letzten Jahr um gut die Hälfte zugelegt. Betriebliche Investitionen wie bauliche Maßnahmen sowie die Energiekosten sind für die Betriebe aktuell ebenfalls eine größere Belastung.

Fairness in der gesamten Wertschöpfungskette gefordert

In dieser Situation appelliert Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger an Fairness in der gesamten Wertschöpfungskette: „Die Menschen im Land schätzen die hohe Qualität der heimischen Lebensmittelerzeugung und möchten die bäuerliche Struktur mit eher kleinen Betriebsgrößen erhalten. Die bäuerlichen Familienbetriebe prägen unser Land und werden in der Werbung auch gerne als Botschafter verwendet. Entscheidend ist dann aber, was abseits der Werbebotschaften in den Preisverhandlungen passiert. Die heimischen Produkte mit Konkurrenz aus dem Ausland unter Druck zu bringen und damit unsere heimischen Familienbetriebe auf eine Stufe zu stellen mit Großbetrieben aus dem Ausland ist kein fairer Umgang und schadet langfristig den gesamten Agrarsektor bis hin zum Lebensmittelhandel. Die hohen Betriebsmittelpreise müssen daher auch in den Produktpreisen Niederschlag finden.“

Finanzielle Stabilität der Betriebe entscheidend für nachhaltige Landwirtschaft

Wenn im Zuge der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) neue klima- und umweltpolitische Anforderungen an die bäuerlichen Betriebe gestellt werden, so muss auch ein finanzieller Ausgleich dafür sicher gestellt sein. Eine stärkere ökologische Ausrichtung der GAP resultiert bei den Bäuerinnen und Bauern in erhöhten Produktionskosten im Zusammenhang mit Artenvielfalt, Gewässerschutz und Tierwohl. Die Umsetzung dieser gesamtgesellschaftlichen Anliegen muss seitens der öffentlichen Hand im Sinne von Gemeinwohlleistungen aber auch von Seiten des Marktes entsprechend abgegolten werden.

LR Max Hiegelsberger fordert Fairness für die landwirtschaftlichen Familienbetriebe
Bildquelle: Hermann Wakolbinger

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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