AKOÖ: Arbeitserprobungen führen Unternehmen und Arbeits- bzw. Fachkräfte zusammen

Jede zweite Arbeitserprobung endet mit einem festen Dienstverhältnis.

Trotz der in letzter Zeit stark gestiegenen Arbeitslosigkeit erweist sich die Suche nach geeigneten Fach- und Arbeitskräften für die heimischen Unternehmen nach wie vor als äußerst schwierig. Insbesondere Hilfskräfte werden händeringend benötigt, damit Unternehmen der Nachfrage gerecht werden können und keine Aufträge aufgrund fehlenden Personals abgelehnt werden müssen.

Die WKOÖ sieht hier dringenden Handlungsbedarf und verweist auf das AMS-Instrument „Arbeitserprobung“. Im Rahmen dessen können Unternehmen Arbeitssuchende für eine Woche in ihren Betrieb eingliedern und so die potenziell neuen Arbeitskräfte besser kennenlernen. Am Ende gibt es nur Gewinner: Arbeitslose, die wieder einen Job haben, und Betriebe, die geeignete Fachkräfte in ihrem Unternehmen beschäftigen und somit den akuten Bedarf decken können. Für die Ausweitung der Arbeitserprobungen spricht auch, dass jeder zweite Arbeitssuchende danach vom Unternehmen einen unbefristeten Dienstvertrag erhält.

Eines von vielen erfolgreichen Beispielen ist die Arbeitserprobung bei der Firma AGU in Traun, die sich auf die Verlegung von Fliesen und Natursteinen spezialisiert hat. Der erfolgreiche Unternehmer und Steinmetzmeister Andreas Unger wandte sich auf der Suche nach Hilfskräften an das regionale AMS und vereinbarte mit Milorad Slavulj einen Termin für eine Arbeitserprobung, die schlussendlich im März in ein festes Dienstverhältnis mündete. Unger lobt das Programm: „Wir sind bis in den September hinein ausgelastet, dafür braucht es natürlich auch gute Arbeitskräfte. Im Rahmen der Arbeitserprobung konnte ich Milorad besser kennenlernen und erkannte sofort, dass er perfekt zum Unternehmen passt.“ Milorad Slavulj zeigt sich dankbar: „Ich bin überglücklich, nach intensiver Jobsuche nun eine Arbeit gefunden zu haben. Mit 57 Jahren ist es auf dem Arbeitsmarkt sehr schwierig, trotz der vielen Jahre Arbeitserfahrung, die ich mitbringe.“

WKO-Bezirksstellenobmann Jürgen Kapeller betont die Win-Win-Situation: „Arbeitssuchende, vor allem auch Menschen, die vielleicht schon länger eine fixe Stelle suchen, erhalten eine Chance, ihre persönliche und fachliche Eignung unter Beweis zu stellen. Unternehmerinnen und Unternehmer wiederum haben den Vorteil, ohne Risiko und Kostenaufwand ihre potenziell künftige Arbeitskraft in aller Ruhe kennenzulernen.“

Genauso beurteilt die Lage die AMS-Geschäftsstellenleiterin in Traun, Michaela Billinger, und fügt hinzu: „Mit Bewerbungsunterlagen oder in einem Vorstellgespräch kann nicht annähernd abgebildet werden, was sich mit einer kurzen Arbeitserprobung feststellen lässt. Die Abwicklung dieser Förderung ist rasch und unkompliziert. Die arbeitslosen Personen sind während der Arbeitserprobung über das AMS versichert, dem Unternehmen entstehen keine zusätzlichen Kosten.“

Die WKOÖ fordert daher, die Möglichkeiten zur Arbeitserprobung durch folgende Maßnahmen auszuweiten: 

  • Die mögliche Dauer eine Arbeitserprobung soll generell bis zu 4 Wochen ausgeweitet werden. Nur über diesen Zeitraum ist – zumindest für bestimmte Tätigkeiten – eine seriöse Beurteilung des Arbeitssuchenden bzw. des Betriebs möglich.
     
  • Vom AMS und dem Betrieb sollten sinnvoll erachtete Arbeitserprobungen zukünftig zumindest für Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte verpflichtend sein. Schließlich sind in Zeiten wie diesen alle Möglichkeiten zu nutzen, Arbeitslosen ohne Perspektive über eine reguläre Beschäftigung wieder Chancen für ein selbstbestimmtes Leben zu eröffnen.
     
  • Eine gesetzliche Verankerung der Einbeziehung des Probanden in die Sozialversicherung reduziert die Bürokratie und ermöglicht die Durchführung zusätzlicher Arbeitserprobungen. Verwaltungstechnisch sind nämlich Arbeitserprobungen als „Förderfall“ ein nicht unbeträchtlicher Aufwand.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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