AKOÖ: Plakate des Landes transportieren ein fragwürdiges Familien- und Frauenbild

Auf großflächigen Textplakaten lässt derzeit das Land Oberösterreich einen 14-jährigen Schüler sagen: Wenn Mama nicht vor dem Computer arbeitet, hilft sie mir, meine Aufgaben zu machen. Eigentlich macht sie das ganz gut. Nur in Mathe soll ich lieber die Lehrerin fragen. „Das Zitat stammt wohl nicht von einem Jugendlichen, sondern wurde von den Werbetextern/-innen des Landes erfunden, um ein bestimmtes Frauenbild zu transportieren. Dieses Frauenbild ist voller Vorurteile. „Berufstätige Frauen, die in der Krise aufgrund der geschlossenen Schulen und reduzierten Kinderbetreuung enormen Belastungen ausgesetzt waren, werden hier verunglimpft“, ärgert sich der oberösterreichische AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Für die politischen Entscheidungsträger/-innen in Oberösterreich scheint es selbstverständlich zu sein, dass berufstätige Mütter auch noch für die Lernbetreuung der Kinder zuständig sind. Der Vater kommt im ganzen Text nicht einmal vor. Und am Ende wird noch das uralte Klischee bedient, dass die meisten Frauen nichts von Mathematik verstehen. Denn „eigentlich“ macht die Mama das mit der Lernbetreuung ganz gut, sagt der Sohn. Nur in Mathematik scheint sie eine Schwäche zu haben. Diese wird ihr aber gönnerhaft nachgesehen, denn – wie weiter auf dem Plakat zu lesen ist – „Keine Familie ist perfekt, aber von unschätzbarem Wert“.

Dass der Sohn in Mathe eine Lehrerin hat, macht die hier transportierten Vorurteile gegenüber Frauen nicht besser. Durch solche Stereotype und Klischees werden Aktivitäten zum Thema Frauen in die Technik, die paradoxerweise vom Land initiiert bzw. mitgetragen werden – wie der „Girls‘ Day“, oder die Programme „FIT – Frauen in die Technik“ – grob konterkariert.

„Dieses Plakat ist sowohl frauen- als auch familienpolitisch abzulehnen“, sagt der AK-Präsident. Das vermeintliche Lob für die aufopfernde Mutter, die trotz Berufstätigkeit im Homeoffice nebenbei noch Kinderbetreuung und Lernhilfe stemmt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Versuch, Frauen auf eine nicht zeitgemäße Rolle in der Familie festzulegen.

Der Vater scheint in dieser Familie keine Verantwortung im Rahmen der Kinderbetreuung zu haben. Die Mutter ist berufstätig und muss, wenn sie nicht gerade „vor dem Computer arbeitet“, die Kinder betreuen. Dass sie diese auch noch beim Lernen unterstützen muss, wird nicht hinterfragt. Ein moderner Schulbetrieb muss aber über ausreichend Ressourcen verfügen, um den Lernerfolg der Kinder auch ohne Unterstützung der Eltern zu ermöglichen. Mit dem Plakat wird ein fragwürdiges Bild von den Aufgaben einer Mutter erzeugt. „Wenn’s in der Schule nicht klappt, wird’s Mama schon richten“ – so kann ein Bildungssystem nicht funktionieren.

„Statt Geld für solche Plakate zu verschwenden, sollte ein flächendeckendes ganztägiges Kinderbetreuungsangebot geschaffen werden, das berufstätige Eltern entlastet. Und sie sollte schleunigst in mehr kostenlosen Förderunterricht und schulische Angebote mit Zeit zum Wiederholen investieren, damit die Schülerinnen und Schüler nicht zusätzlich zum Unterricht noch auf Lernhilfe durch ihre Eltern angewiesen sind. Denn diese wird dann tatsächlich in den meisten Fällen den Müttern aufgebürdet“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Copyright: AK Oberösterreich

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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