LR Hiegelsberger, Landesgärtnermeister Hannes Hofmüller und Biogärtner Karl Ploberger: Gartenlandtour einmal anders: Resümee der Märkte-Tour 2021 & Die Gartentrends des Jahres

„Die seit 13 Jahren bestehende Gartenlandtour wurde heuer aufgrund der Corona-Maßnahmen kurzerhand ins Freie verlegt. Beim Besuch fünf beliebter Wochen- und Bauernmärkte war die große Gartenbegeisterung der Menschen spürbar. Immer mehr Oberösterreicherinnen und Oberösterreich finden Zeit zum Garteln, auch auf den Balkonen und Fensterbänken des Landes. Entsprechend steigen auch die Anfragen an unsere Initiative »Natur im Garten«.“  

Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Gartenlandtour einmal anders

Kaum ein Lebensbereich, den Corona nicht beeinflusst und verändert hat. Ganz besonders gilt das für alle Veranstaltungen und daher auch für die bekannte und beliebte Gartenlandtour. Das bewährte Format in den Veranstaltungssälen des Landes wurde 2021 daher kurzerhand an die frische Luft gesetzt und die Bauernmärkte des Landes besucht. „Seit 13 Jahren läuft die beliebte Gartenlandtour nun bereits und hat viele Menschen im Land für das Garteln begeistern können. Da wir die Tour bereits letztes Jahr abbrechen mussten, wollten wir zumindest im Jahr 2021 wieder zu den Menschen hinaus. Daher kam die Idee auf, die Tour kurzerhand ins Freie zu verlegen und die schönen Wochenmärkte des Landes sozusagen mit einem Tourbus zu besuchen“, erzählt Landesrat Max Hiegelsberger: „Die Resonanz bei den Marktbesucher/innen war sehr positiv, da sich die Interessensgebiete hier auch gut überschneiden. Gerade im Frühjahr werden die Wochenmärkte schließlich auch für den Erwerb von Jungpflanzen und anderem Zubehör fürs Garteln genutzt. Mit Bio-Gärtner Karl Ploberger und den musikalischen Einlagen der Hoamatlandla konnten wir ein informatives und unterhaltsames Programm bieten. Obwohl wir auf eine gesonderte Bewerbung verzichtet haben, um keine Probleme mit den notwendigen Abständen zu bekommen, war auf allen Stationen die positive Grundstimmung und die Vorfreude auf einen unbeschwerten Gartensommer spürbar.“

In bewährter Weise wurden auf den Stationen der Gartenlandtour wieder die Bezirkssieger der Garten-Trophy ausgezeichnet. Inhaltlich standen bei den Gartentipps von Biogärtner Karl Ploberger und dem weiteren Bühnenprogramm die Schwerpunktthemen Saisonalität und Entwicklung des Gartens im Jahresablauf im Vordergrund. Zahlreiche Fragen aus dem Publikum zeigten, wie sehr das Garteln aktuell im Trend liegt.

Stationen der Gartenlandtour 2021

21. Mai 2021: Freistadt

22. Mai 2021: Schärding

29. Mai 2021: Enns

05. Juni 2021: Rohrbach

19. Juni 2021: Wels

Landessieger der OÖ Garten-Trophy

Die Garten-Trophy in Kooperation mit den OÖ Gärtnern zeichnet besonderes Geschick beim Garteln in den Kategorien Bauernhaus, Wohnhaus, Garten und Gemüsegarten und – seit 2021 neu – auch in der Kategorie der schönste Bienengarten aus. 

„Angesichts der vielen Einsendungen zur Garten-Trophy hatte die Jury auch heuer wieder die Qual der Wahl, die grünsten Daumen Oberösterreichs auszuwählen. Bei der Besichtigung wird klar, wieviel Begeisterung und Arbeitsstunden notwendig sind, um diese privaten Gartenidylle entstehen zu lassen. Garteln macht doppelt glücklich: Bei der Gartenarbeit selbst und erst recht, wenn man das eigene Gemüse und die Freizeit im Garten genießen kann“, so Landesrat Max Hiegelsberger.

In der Kategorie Bauernhaus hat heuer die Familie Benischek aus St. Florian die Jury überzeugt, beim Wohnhaus Christa und Björn Eybl mit ihrem privatem Paradies samt Teich in Gunskirchen. Den schönsten Garten dürfen 2021 Petra und Josef Leitner aus St.Peter/Wbg. ihr Eigen nennen und für den schönsten Gemüsegarten legt sich Michaela Ottensamer in Rainbach jeden Tag ins Zeug.

Landesinitiative Natur im Garten blüht auf

Die Aktion „Natur im Garten“ hat im Rahmen des Gartenlandes OÖ das Ziel, die Ökologisierung von Gärten und Grünräumen in Oberösterreich voranzutreiben. „Obwohl wir erst 2017 gestartet sind, konnte das engagierte Gartenland-Team mittlerweile fast 600 Gärten mit der »Natur im Garten«-Plakette auszeichnen. Alleine heuer werden bis Ende Juni an die 100 neue Plaketten heimische Privatgärten zieren“, so Landesrat Max Hiegelsberger. Die Plakette schmückt aber auch die Gartenzäune von insgesamt 23 Gemeinden, vier Pflege- und Betreuungseinrichtungen sowie einem Krankenhaus und zwei Schulen.

Dass die Oberösterreicher/innen durch Corona mehr ‚gegartelt‘ haben, beweist auch die steigende Nachfrage beim OÖ. Gartentelefon. Im vergangenen Jahr wurden rund 3.000 Anrufe verzeichnet. Im Jahr davor waren es um 1.000 weniger. 

Unter der Nummer 0732/ 7720 1 7720 beantwortet das OÖ. Gartentelefon auch Ihre Fragen rund ums Garteln und nimmt Anmeldungen zur Natur im Garten-Plakette entgegen. Weitere Infos unter www.gartenland-ooe.at 

Gartentrend Eins: Alles, was essbar ist

Vielleicht ist es eine Nachwirkung der kurzen Versorgungsunsicherheit während des ersten Lockdowns. Sicher ist aber: Alles Essbare, das im Garten wächst, boomt. Die Oö. Gärtner erleben eine sehr starke Nachfrage nach jungen Gemüsepflanzen, aber auch Beerensträuchern und Obstbäumen. Damit einher geht auch eine starke Beratungsnachfrage, weil viele Menschen nun zum ersten Mal einen (ganz kleinen) Teil ihrer Lebensmittelversorgung in die eigenen Hände nehmen. „Die Menschen haben ihre Freude daran entdeckt selbst Obst und Gemüse anzubauen. Wir reden hier natürlich in den seltensten Fällen von Selbstversorgung. Aber bereits die erste Paradeiser-Pflanze am Balkon, das Hochbeet im Garten oder der neu gesetzte Spalier-Obstbaum machen unseren Kundinnen und Kunden große Freude. Ganz besonders nachgefragt sind neue, ausgefallene Sorten beliebter Gemüsearten wie eben Paradeiser. Die Fragen lauten auf einmal nicht mehr, ob es noch Paradeiser-Pflanzen gibt sondern ob wir noch Ochsenherz-Jungpflanzen haben oder überhaupt eine neue, noch unbekannte Sorte vorrätig ist. Das ist für uns Gärtner einerseits eine Herausforderung, macht aber auch uns große Freude, wenn die Menschen die Vielfalt der Gemüsesorten wieder aktiv nachfragen“, so Landesgärtnermeister Hannes Hofmüller. 

Gartentrend Zwei: Unterstützung für Biene & Co

Die Aufmerksamkeit für das Thema Bienen und Bestäuber, das zunehmende Bewusstsein um die Bedeutung, aber auch Gefährdung dieser immens wichtigen Tiere schlägt auch beim Garteln voll durch. „Freundinnen und Freunde des Gartelns beschäftigen sich wenig überraschend intensiv mit der Natur um uns herum. Das Interesse an allem, was blüht, verbindet sie mit den Bienen. Neu ist aber, dass mittlerweile aktiv nachgefragt wird, welche Pflanzen unseren Bienen und wilden Bestäubern am meisten zugutekommen. Die gesamte Gartengestaltung wird aus diesem Blickwinkel in Angriff genommen. Die Gärten werden dadurch wieder etwas wilder und naturnäher. Natur im Garten trägt stark zu diesem Bewusstseinswandel bei, dass ein perfekter Rasen nicht immer das höchste Ziel sein muss. Seitens der Oö. Gärtner bieten wir volle Unterstützung für das naturnahe Garteln. Seit heuer küren wir auch eine Bienenpflanze des Jahres, um aktiv darauf aufmerksam zu machen, dass die Gartengestaltung die Bienen ebenso unterstützen kann“, so Hofmüller.

Gartentrend Drei: Garteln ohne Garten

Die Leidenschaft fürs Garteln erreicht mittlerweile immer größere Teile der Bevölkerung und wird auch bei Jüngeren immer beliebter. Es ist auch nicht immer ein eigener großer Garten notwendig fürs große Gartenglück. Immer mehr Balkone und auch Fensterbänke werden liebevoll bepflanzt und zum kleinen grünen Paradies. „Die Anfragen, die ich tagtäglich bekomme, stammen immer häufiger auch von Menschen ohne eigenen Garten. Wo immer ein wenig Platz ist und die Sonne hinkommt, kann man schließlich auch dem Garteln nachgehen. Gerade im letzten Jahr haben sich logischerweise viele Menschen mit ihrem eigenem Zuhause auseinandergesetzt, haben Pflanzgefäße für den Balkon beschafft und freuen sich nun über die ersten selbstangebauten Kräuter, Radieschen oder Gurken. Es stellen sich dabei natürlich auch etwas andere Herausforderungen bei der Pflanzenernährung oder in punkto Schädlinge. Insgesamt halte ich es für eine sehr positive Entwicklung, dass immer mehr Menschen ihren grünen Daumen entdecken und sich in weiterer Folge auch mit Fragen der Lebensmittelproduktion beschäftigen. In vielen Städten wächst auch das Angebot an Gemeinschaftsgärten oder an Pachtgärten. Das ist dann der nächste logische Schritt und bringt Leben in die Städte,“ so Biogärtner Karl Ploberger.

Bienenpflanze des Jahres: Die Bergminze

Zur Bienenpflanze des Jahres wurde 2021 erstmals die Bergminze gekürt. Sie musste sich durch eine lang anhaltende Blüte auszeichnen, die Bienen, Schwebfliegen und andere Nektarsammler wie ein Magnet anzieht. Von Juli bis spät in den Oktober treibt sie unermüdlich ihren dichten thymianartigen, weißen bis hellvioletten Flor.

Bienenpflanzen stammen meistens aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae), so auch die Bergminze mit dem botanischen Namen Calamintha nepeta. Das heißt so viel wie „schöne Minze“. Reibt man an den grünen Blättern, steigt einem ein aromatischer Duft nach Minze in die Nase. Die Bergminze kennt man auch unter dem Namen Steinquendel.

In freier Natur wächst sie vor allem in trockenen Laubwäldern, auf Kalkfelsen und auf Geröll im Gebirge. Im Garten fühlt sich die Pflanze daher an einem warmen Platz in voller Sonne und auf durchlässigen, nährstoffarmen Böden wohl. In kleinen Gruppen (3 bis 5 Pflanzen) passt sie zwischen hohe Blütenstauden, duftiges Schleierkraut oder kleine Igelpolster. Besonders gut eignet sich die Bergminze getreu dem Naturstandort für Steingärten, sie wächst aber auch gerne auf Mauerkronen. Als Rosenbegleiter sieht sie zwar hübsch aus, benötigt aber wie Lavendel ein anderes Erdreich als die Königin der Blumen.

Die aufrecht und kompakt wachsende Pflanze wird zwischen 30 und 50 cm hoch. Sie kann auch im Kübel auf einem sonnigen Balkon kultiviert werden. Nach der Blüte schneidet man sie um zwei Drittel zurück; so lässt sich verhindern, dass sie von innen heraus verkahlt.

Gemüse und Balkonblume des Jahres: Spitzer Fritz und Fescher Florian

Das Gemüse des Jahres 2021 lässt ungeahnte Geschmackserlebnisse wahr werden! Der „Spitze Fritz“ reift zunächst hellgelb und färbt dann leuchtend orangerot aus. Obwohl er schon im halbreifen, hellgelben Stadium geerntet werden kann, wird er vollreif und orange erst so richtig interessant.

Der „Spitze Fritz“ ist ein Südländer, es kann ihm gar nicht sonnig und warm genug sein und daher wird der kälteempfindliche Paprika auch erst nach den Eisheiligen ins Freie gepflanzt. Austrocknen darf er bei aller Wärmeliebe aber nicht, sonst kann es zum Abwurf der Blüten und Früchte kommen. Die regelmäßige Wasserversorgung ist daher wichtig, Staunässe soll aber keine entstehen. Am richtigen Platz wächst der „Spitze Fritz“ 80 bis 140 cm hoch, die Triebe werden an Schnüren und Stäben hochgeleitet. 

Wenn die Ernte im Juli beginnt, sind die fruchtig-aromatischen Früchte eine echte Überraschung, mitunter zuckersüß mit obstartigem Aroma. Sie schmecken sowohl roh als Partysnack, in Salaten, aber ganz besonders als kecker Grillpaprika, der geschmacklich hält, was er optisch verspricht.

Pflegeleicht und anspruchslos präsentiert sich die Balkonblume des Jahres 2021! Mit dem „Feschen Florian“ ist hier eine Züchtung gelungen, die kaum zu überbieten ist: wetterfest, robust und mit atemberaubend roten Blüten. Die neue Sorte leuchtet die ganze Saison lang von April bis November dauerhaft aus allen Pflanzungen hervor.

Der „Fesche Florian“ entstand aus einer Kreuzung zwischen einer Hängegeranie (Pelargonium peltatum) und einer stehenden Geranie (Pelargonium zonale). Daraus entwickelte sich eine kräftige, aufrechte Pflanze mit größter Wetterfestigkeit. Trotzdem wächst diese Geranie ausladend und kann neben überhängenden Kistenpflanzungen auch als Beetpflanze den Boden bedecken. 

In hochwertige OÖ Gärtner-Erde gesetzt, ist die Geranie von Anfang gut versorgt. Die lockere und wasserspeichernde Struktur bietet die optimalen Wachstumsbedingungen. Da sich das Leben der Balkonblumen im kleinen Wurzelraum abspielt, wird von Mai bis September mit dem OÖ Gärtner Universaldünger flüssig für Nachschub gesorgt. Alternativ stehen Langzeitdünger und Düngertabs zur Verfügung.

Unser „Fescher Florian“ liebt die Sonne, möchte aber auch wie alle Pelargonien viel und regelmäßig gegossen werden. Ein Herausbrechen der verwelkten Blüten fördert die Bildung neuer Blüten.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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