ÖBB hinterlassen in Goisern Verwüstung

Ein Leserbrief von Barbara Kern (Bad Goisern), Bahnkundin

Fassungslos steht man da, wo sich bis vor kurzem ein angenehmes begrüntes Areal rund um den Bahnhof Goisern erstreckte, mit 2 über 100-jährigen prächtigen Linden und Rasenflächen, Luft zum Atmen. Nun starrt man auf eine riesige schwarze tote Asphaltwüste.  Da bleibt einem die Luft weg und das nicht nur an Hitzetagen. Jedes lebendige Wesen, ob Mensch oder Hund, Insekt oder Vogel ergreift hier die Flucht.
Dasselbe Bild im Bahnhofsareal Jodschwefelbad, alles tot. Wer hier das Pech hat, auf einen Bus warten zu müssen, der wird entweder bis auf die Knochen nass oder er bekommt einen Hitzschlag.
Und dann ist da noch der Traunreiterweg, längs der Bahnstrecke.  Einst eine wunderschöne Allee aus sorgfältig gepflanzten Bäumen, ein, quasi barrierefrei erreichbares Naherholungsgebiet für Zweibeiner und Zweiroller. Jetzt eine Gstett‘n aus geköpften Bäumen, Baumstümpfen, nachträglich gepflanzten Bäumen, die nicht ins Ökosystem passen, Gerollhalden. Verwüstung im doppelten Sinn.

Will die Bahn Kunden gewinnen oder möglicherweise das Gegenteil? Ist an diesen Maßnahmen irgendetwas sinnvoll? Kundenorientiert? Innovativ? Klimafreundlich?

Oh, wir haben vergessen zu erwähnen, hier, in Goisern wurde ja Platz geschaffen für park & ride! Damit es mehr Parkplätze für mehr Bahnkunden gibt. Denn Bahnfahren spart CO2. So viel Bahn können wir gar nicht fahren, um das auszugleichen, was die ÖBB angerichtet haben. Wer will hier überhaupt parken, bei der Aussicht auf Temperaturen im Wageninneren wie im Death Valley.
Jetzt, zum Beginn der Hitzewelle hat man noch schnell Bäumchen gepflanzt. Frühsommer. 35°C. Keine Aussicht auf Wasser, denn die Fläche ist nahtlos versiegelt. Keine Überlebenschance für frisch gepflanzte Bäume. Es gäbe Alternativen, beispielsweise Rasensteine, aber warum die ÖBB so etwas tun, wenn es doch Asphalt gibt. Asphalt, sooo gut, sooo schön, sooo gesund.

Und die ÖBB sind so was von clever, die lassen die Gemeinde bei diesem Verwüstungsaktion auch noch mitzahlen. Steuergelder. Wofür? Für die Verhässlichung des Ortsbildes und den Imageschaden, für die Verschlechterung der Luft- und Lebensqualität, für irreparable Umweltschäden, für den Schaden am Tourismus? Weil… der Gast, der in Goisern aus dem Zug steigen will, der macht kehrt, hier ist er ganz offensichtlich falsch, bei diesen schwarzen Aussichten.

Es ist in Zeiten wie diesen geradezu ein Verbrechen, 100-jährige Linden umzuschneiden, sie sind unersetzbar. Linden werden bis zu 1000 Jahre alt, kostenlos produzieren solche Bäume unsere Luft zum Atmen, fungieren, ebenfalls kostenlos als natürliche emissionsfreie Klimaanlagen, sind Süßwasserspeicher und sogar den Dreck, den wir in die Luft blasen, filtern sie, samt CO2-Aufnahme. Aber wen juckt schon vernetztes und komplexes Denken? Die ÖBB nicht, die fällt alles. Seit Jahren, einer verfehlten „Sicherheitspolitik“ folgend, sind unzählige Bäume längs der Bahnstrecke nicht Stürmen oder Schneedruck, sondern der Bahn zum Opfer gefallen. Denn seit Jahren drangsaliert die Bahn Gemeinden und Grundbesitzer längs der Bahnstrecke Bäume zu fällen unter permanenter Androhung, welche Instandsetzungs- Haftungs- und sonstige Klagen ihnen blühten, wenn ein Ast herunter- oder ein Baum auf die Strecke fällt. Wie im Wilden Westen. Nur ein toter Baum ist ein guter Baum. Dazu noch ab und zu ein Glyphosat-Cocktail gegen das böse böse Unkraut auf der Bahnstrecke – fertig ist das klimafreundliche Umweltpaket der ÖBB.

Wer ersetzt uns den Schaden, die daraus entstandenen enormen Kosten an Mensch und Umwelt?

Vorschlag: Wir laden den/die PlanerIn aufs allerwärmst ein, natürlich bei Schönwetter, wer will schon Regen, kostenlos 3 Tage auf dieser knackigen Asphaltwüsten zu verbringen und die gute frische Luft, Goisern ist ja ein Luftkurort, zu genießen. Urlaub bei Freunden. Keine Sorge, in der Nacht wird’s nicht kalt, denn Asphaltflächen funktionieren wie gigantische Heizkörper, die Sonneneinstrahlung des Tages strahlen sie des nächtens wieder ab. Wohlige Wärme. Ein echter Gewinn, auch für die Anrainer. Und diese Vorbildwirkung für den angrenzenden Kindergarten. Bravo ÖBB!

Zweiter Vorschlag: auch wenn Bäume keine Rechtsanwälte beschäftigen und keine Rechnungen stellen, sie erbringen – wie bereits oben erwähnt – Leistungen, am Leben auf diesem Planeten, am Ende mehr als wir Menschen. Es gibt Berechnungen, wonach die Leistungen, die EIN hundertjähriger Baum erbringt, der Leistung von HUNDERT 10-jährigen Bäumen entspricht. Soll heißen, ein Baum braucht einige Jahre am Buckel, damit er uns Menschen den lebensnotwenigen Nutzen stiftet. Für 2 über 100-jährige Linden wären das demnach 200 10-jährige Bäume, dazu alleine in Goisern mindestens  30 weitere gefällte Bäume längs der Bahnstrecke. Schnell mal gegoogelt, was ein mehrjähriger Baum kostet, dazu Transport, Pflanzung und ausreichend Bewässerung, ui, das kostet auf einmal richtig viel Geld!

Wie viel die ÖBB mit ihrer Flächenversiegelungspolitik zur Hochwasserproblematik beiträgt, das ist dann noch eine andere Geschichte.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Comments

  1. Bad Goisern ist sowieso verloren: spätestens seit am Ortsplatz nur noch drei riesige hässliche Bankfilialen dominieren, wie Säbelzahntiger, denen man tunlichst nicht in die Quere kommt.

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