LRH: To-dos bei Lehrergehältern angehen und Bedarfe an heutige Trends anpassen

In Oberösterreich gibt es 15 Fachschulen, die vor allem in den Fachrichtungen Landwirtschaft und Ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement ausbilden. Ihre Ausbildung orientiert sich an der kleinstrukturierten Landwirtschaft. Voraussetzung für Betriebsübernahmen und für die Gewährung von Agrarförderungen ist der Facharbeiterbrief, der auf vielfältige Art erlangt werden kann.

Das Finanzausgleichsgesetz 2017 sieht eine 50-prozentige Mitfinanzierung der Lehrergehälter durch den Bund vor. Derzeit deckt der Bund nur 39 Prozent der Besoldungskosten ab. Hier gilt es also nachzuschärfen. Darüber hinaus sollte das Land aktiv werden, um beim Bund auf eine Vereinheitlichung der Finanzierungsstruktur der Lehrerbesoldung hinzuwirken. Das Land sollte zudem eine Zusammenführung der Ausbildungen für landwirtschaftlichen Gartenbau mit den gewerblichen Berufsschulen für Floristen sowie Garten- und Grünflächengestaltung prüfen.

Für das allgemeine Schulwesen fungieren seit der Bildungsreform 2017 Bildungsdirektionen als gemeinsame Bund-Länder-Behörden. Die Zuständigkeit für die Land- und forstwirtschaftliche Berufs- und Fachschulen liegt hingegen grundsätzlich bei den Ländern. Das Land OÖ hat aber die Aufgaben des land- und forstwirtschaftlichen Schulwesens samt den zuständigen Verwaltungseinheiten sowie die Ausübung der Diensthoheit über die Lehrer ab 1.9.2019 freiwillig auf die Bildungsdirektion OÖ übertragen, um das Bildungssystem in seiner Gesamtheit weiterzuentwickeln.

Die Oö. Landesregierung kann nun die Bildungsdirektion aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht als Hilfsapparat zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben nutzen. Dennoch hat das Land bewusst keine zusätzliche fachliche Expertise aufgebaut, um Parallelstrukturen zu vermeiden. Dadurch kann die Landesverwaltung die Regierung bei ihren Leitungs- und Aufsichtsfunktionen fachlich nicht mehr unterstützen. „Weil die Landesregierung als Oberbehörde funktionsfähig sein muss, sehen wir hier eine Problematik; es sollte daher rechtsverbindlich festgelegt werden, welche Aufgaben und Leistungen im Bereich des Amtes der Oö. Landesregierung erbracht werden müssen; diesbezügliche Ressourcen wären bereitzustellen“, sagt LRH-Direktor Dr.  Friedrich Pammer.

Finanzierungsbeitrag des Bundes für Lehrergehälter optimieren

In den letzten drei Jahren gab das Land durchschnittlich rund 40,5 Mio. Euro OÖ für land- und forstwirtschaftliche Berufs- und Fachschulen aus; 25,8 Mio. Euro davon entfielen auf Lehrergehälter. Das Finanzausgleichsgesetz 2017 sieht eine Mitfinanzierung von 50 Prozent der Lehrerbezüge durch den Bund vor. In der Praxis stellte der Bund ein gedeckeltes Budget für alle Bundesländer zur Verfügung; Oberösterreich konnte mit seinem Anteil rund 39 Prozent der Besoldungskosten decken.

Bei den Bundesbeiträgen handelt sich um einen Finanzierungsbeitrag für die maximalen Norm-Dienstposten. Die Länder können darüber hinaus Dienstposten genehmigen. „Hier braucht es Verbesserungen; es gilt eine Reduktion der Personalressourcen zu überprüfen sowie bei künftigen Verhandlungen eine 50-prozentige Mitfinanzierung des Bundes anzustreben“, erörtert Pammer. Weiteren Handlungsbedarf sieht er im Hinblick auf eine einheitliche Finanzierung der Besoldungskosten der Lehrer. Diese ist in Österreich für unterschiedliche Schultypen unsystematisch; das Land sollte sich daher beim Bund für eine Vereinheitlichung stark machen.

Agrarischen Strukturwandel bei landwirtschaftlichen Schulen berücksichtigen

Der Facharbeiterbrief gilt als zentraler Befähigungsnachweis im landwirtschaftlichen Sektor und kann – je nach Zielgruppe – unterschiedlich erlangt werden. „Von den 1.548 im Vorjahr ausgestellten Facharbeiterbriefen wurden 759 nach Absolvierung einer land- und forstwirtschaftlichen Fachschule zuerkannt, 674 auf dem zweiten Bildungsweg – vorwiegend durch Abendschule und Kurse – erlangt; letzterem kommt somit eine wesentliche Bedeutung zu“, erklärt der LRH-Direktor.

Rund 2.500 Schüler besuchen die 15 Fachschulen des Landes, von denen zuletzt einige zu größeren Agarbildungszentren zusammengefasst wurden. Es fehlen aber aussagekräftige Evaluierungen, um die Zielerreichung in diesem Schulsektor beurteilen zu können. „Da auch die Entscheidungsunterlagen über den künftigen Bedarf und die weitere Ausrichtung der Schulen veraltet sind, sollte das Land die Bedarfsplanung aktualisieren und dabei den Strukturwandel oder Trends im Konsumverhalten und in der Bewirtschaftung berücksichtigen“, sagt Pammer abschließend.

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Mehr als die Hälfte der 31.500 land- und forstwirtschaftliche Betriebe sind Nebenerwerbsbetriebe; Hofübernehmer sollten sowohl eine agrarische als auch eine andere Ausbildung haben. Die land- und forstwirtschaftlichen Schulen sind somit ein wichtiger Teil Bildungssystems in Österreich.

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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