Eine zweite Chance für Jugendliche

Resozialisierung nach Straftaten / Land unterstützt mit Mitteln aus dem Jugendreferat

Salzburger Landeskorrespondenz, 01. Juni 2021

(LK)  Straffällig gewordenen Jugendlichen die Möglichkeit zu bieten, Sport in ihren Alltag zu integrieren und damit den Sprung zurück zu schaffen – das Projekt „abseits – beyond the field“ hat genau das zum Inhalt und kann jetzt auf einen ersten Erfolg verweisen. „Ein Teilnehmer startet soeben eine Lehre als Koch. Ich finde dieses Programm produktiv und einen guten Ansatz“, so Jugendlandesrätin Andrea Klambauer.

„abseits“ wird von Laureus Sport for Good finanziert und von akzente Salzburg durchgeführt. Es richtet sich an Jugendliche, die bereits strafrechtlich erfasst oder inhaftiert wurden. Mit regelmäßigem Sport sollen sie in die Gesellschaft reintegriert werden, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Klambauer: „Für Zusammenhalt und Überwindung sozialer Gegensätze.“

Landesrätin Andrea Klambauer sieht darin ebenfalls die Möglichkeit, die Gemeinschaft zu stärken: „Jugendliche, die straffällig wurden, brauchen Unterstützung auf ihrem Weg ins Leben danach. Dieses Projekt vermittelt ihnen Gemeinschaft und stärkt sie persönlich dabei, in ein geregeltes Leben zu finden.“

Niederschwelliger Zugang zu schwer erreichbarer Zielgruppe

Paul Schif, Geschäftsführer von Laureus Sport for Good ergänzt: „Der Sport spielt im Projekt ‚abseits‘ eine essentielle Rolle. Durch ihn gelingt ein niederschwelliger Zugang zu einer schwer zu erreichenden Zielgruppe. Das ermöglicht einen Beziehungsaufbau, der eine Unterstützung in der Lebenswelt der Jugendlichen möglich macht. Darauf aufbauend besteht eine sozialpädagogische Begleitung. Diese stellt eine Basis zur Persönlichkeitsentwicklung dar, um ein selbstbestimmtes und straffreies Leben zu führen.“ Gefördert wird dieses Projekt aus dem Jugendreferat.

Körperlich und auch sozial stark

Regelmäßiger Sport bietet den Jugendlichen einen strukturierten Tagesablauf, meist ist es Fußball, in Salzburg begeistern sich einige auch für Volleyball. Zusätzlich werden körperliche und soziale Fertigkeiten vermittelt. Teamwork trainieren sie ebenso wie Konfliktfähigkeit oder die Fähigkeit, mit Enttäuschungen umzugehen. Die Jugendlichen lernen Werte wie Fairplay, Gemeinschaftsgefühl, Gleichheit und Engagement zu schätzen. Betreut werden sie während der Projektdauer von Pädagoginnen und Pädagogen.

Intensive Betreuung

In der Salzburger Justizvollzugsanstalt in Puch-Urstein finden die Trainings während der Haft statt. In der Präventionsarbeit wird in den Bezirken ebenso Sport angeboten. Dieses findet in Kooperation mit den Jugendzentren und dem Verein Neustart statt. In der Arbeitsintegration werden im Austausch mit Neustart intensiv Jugendliche in Richtung Ausbildung beraten und betreut.

Aufwärmen und Abkühlen

Zwischen zehn und 13 Insassen nehmen regelmäßig teil. Es beginnt mit einem Gesprächskreis, in dem die Zukunftspläne der Teilnehmenden erfragt werden. Alle sollen einander ebenbürtig und wertschätzend begegnen. Im Anschluss daran beginnt der sportliche Teil mit Aufwärmübungen und den Fußballmatches. Zum Abschluss folgen Dehnübungen, die helfen, wieder herunterzukommen, ehe es für sie wieder zurück in den geordneten Strafvollzug geht.

Freistoß zu neuen Perspektiven

Eine neue Kooperation mit lokalen Betrieben vermittelt Ausbildungsplätze und unterstützt Jugendliche unmittelbar bei ihrem Berufseinstieg. Und einen ersten Erfolg kann das Projekt schon verzeichnen: Einem Teilnehmer konnte eine Lehrstelle als Koch vermittelt werden. Marvelous Idemudia zeigt sich „sehr dankbar, dabei zu sein. Ich freue mich schon auf meine Ausbildung. Mit Projektleiter Herbert Wührer von akzente habe ich schon in der Vollzugsanstalt trainiert. Das hat die Vorbereitung für eine Lehrstelle viel leichter gemacht. Die Unterstützung im Projekt motiviert mich außerdem, dass ich diese zweite Chance unbedingt nutzen möchte.“

Unterstützt auch von Justizwache

Unterstützt wird die Projektleitung während der Trainings auch jeweils von einem Justizwachebeamten. „Es gibt kein Patentrezept für eine erfolgreiche Resozialisierung straffällig gewordener Jugendlicher. Wichtig ist aber zweifellos, ihnen eine Perspektive zu geben“, so Dietmar Knebel, Leiter der Justizvollzugsanstalt Puch.

Unterstützung für teilnehmende Betriebe

Teilnehmende Betriebe werden ebenfalls in vielen Bereichen unterstützt: Es gibt über das AMS Salzburg eine monatliche Förderung von bis zu 400 Euro. Zusätzlich erhält das ausbildende Personal Schulungen zur Stärkung der eigenen sozialpädagogischen Kompetenz.

©Alexander Mitter

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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