Richtungsweisender Leitantrag: AK-Fraktionen bekennen sich zu starker Arbeiterkammer – auch in den nächsten 100 Jahren

Der in der heutigen AK-Vollversammlung eingebrachte Leitantrag „100 Jahre Arbeiterkammer Oberösterreich – 100 Jahre auf der Seite der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer!“ wurde mehrheitlich angenommen, die Fraktionen bekennen sich geschlossen zu einer starken Arbeiterkammer – auch in den nächsten 100 Jahren. „Wir werden weiterhin die kräftige Stimme der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sein und mit aller Kraft deren Interessen vertreten“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Die heutige Vollversammlung der Arbeiterkammer Oberösterreich steht ganz im Zeichen des hundertjährigen Jubiläums der Interessenvertretung der Arbeiter/-innen und Angestellten. „Die Arbeiterschaft ist durch die Schaffung unserer Kammer zur uneingeschränkten gesellschaftlichen und menschlichen Gleichberechtigung aufgerückt, die wir durch jahrelange gewerkschaftliche Arbeit vorbereitet haben.“ Mit diesen Worten umriss Gründungspräsident Hans Pregant die Bedeutung der Arbeiterkammer auf der konstituierenden Vollversammlung am 21. Mai 1921. Folgende Meilensteine waren das Betriebsrätegesetz, die Einführung des Arbeitslosengeldes und – als Ausdruck des neu entstandenen Selbstbewusstseins der Arbeiterklasse – der Bau des AK-Gebäudes am Linzer Volksgarten in den Jahren 1928 bis 1930.

Eine der großen Errungenschaften in der Zeit des Wiederaufbaus nach 1945 ist die Sozialpartnerschaft. Interessensgegensätze zwischen Arbeitnehmern/-innen und Arbeitgebern sollten fortan friedlich am Verhandlungstisch ausgetragen werden. „Gerade jetzt, in der Corona-Pandemie, hat sich gezeigt, wie wertvoll und unverzichtbar die Sozialpartnerschaft ist, wenn sie in Entscheidungsprozesse eingebunden ist“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

In den folgenden Jahrzehnten wurden die Angebote der AK für ihre Mitglieder stetig ausgebaut. Heute stellt vor allem die digitalisierte Arbeitswelt auch die AK vor große Herausforderungen. Aber auch andere Zukunftsfragen, die schon in den vergangenen 100 Jahren dominant waren, bestimmen den Kurs der Arbeiterkammer: Wie kommen wir zu einer gerechteren Verteilung des Wohlstands in unserer Gesellschaft? Wie können wir die Bildungschancen unserer Kinder sichern? Wie garantieren wir faire Pensionen für jene, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben? Was muss geschehen, damit die Leistungen im Gesundheits- und Pflegebereich langfristig abgesichert werden können? Wie gelingt es endlich, dass Frauen in der Arbeitswelt Männern gleichgestellt sind? Was ist zu tun, damit leistbarer Wohnraum zur Verfügung steht?

„Die Arbeiterkammer Oberösterreich ist am Puls der Zeit und vor allem am Puls der Mitglieder. Sie wird auch in den nächsten 100 Jahren – gemeinsam mit dem ÖGB und den Gewerkschaften – an der Seite der Beschäftigten stehen und mit aller Kraft deren Interessen vertreten“, sagt der AK-Präsident. Der Leitantrag „100 Jahre Arbeiterkammer Oberösterreich – 100 Jahre auf der Seite der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer!“ wurde – bei Stimmenthaltung des Gewerkschaftlichen Linksblocks (GLB) – mehrheitlich angenommen.

Fraktionsvorsitzender Thomas Erlach (GLB) begründete die Stimmenthaltung mit der Rolle der Sozialpartnerschaft. Es habe in letzter Zeit zahlreiche schwere Fouls der Arbeitgeberseite gegeben, wie etwa die Zerschlagung der Sozialversicherung. Die Arbeiterkammer sei hingegen wichtiger denn je, weil zahlreiche sozialpolitische Errungenschaften verteidigt werden müssen.

Martin Gstöttner (AUGE/UG) bezeichnete die AK als Schutzpatron für Gerechtigkeit und sozialen Frieden und als den „Inbegriff für Sinn“. Es mache Sinn, den 12-Stunden-Tag und die Einkommensschere zu bekämpfen, für eine Arbeitszeitverkürzung, die sechste Urlaubswoche und eine Multimillionärssteuer einzutreten. Daher bekennt sich die AUGE zum Leitantrag.

Die AK habe in ihrer hundertjährigen Geschichte zum Wohlstand in der Republik beigetragen, sagte Rudolf Kroiß (FA-FPÖ). Man dürfe sich über das Jubiläum freuen, aber sich nicht darauf ausruhen, denn es gibt neue Herausforderungen: den Fachkräftemangel in zahlreichen Branchen, die Digitalisierung, flexible Arbeitszeiten, atypische Arbeitsformen oder die Balance zwischen wirtschaftlichen Interessen und einer intakten Umwelt.

Cornelia Pöttinger (ÖAAB-FCG) betonte das hohe Ansehen der AK bei ihren Mitgliedern, das den Leistungen der Beschäftigten in der Arbeiterkammer zu verdanken sei. Die Corona-Pandemie zeige, dass man auf die Sozialpartnerschaft stolz sein könne und dass Geschlossenheit wichtig sei. Parteiunabhängiges Miteinander, ehrliche Partnerschaft und konstruktive Diskussionen machen die Arbeiterkammer stark und schlagkräftig.

Abschließend dankte Andreas Stangl (FSG) für die Zusammenarbeit beim Verfassen des Leitantrags. Er betonte, was die Arbeiterkammer ausmacht: der umfassende Vertretungsauftrag, die Selbstverwaltung, die Pflichtmitgliedschaft und die gesetzliche AK-Umlage, die eigene Struktur in den Bundesländern und die enge Kooperation mit dem ÖGB und den Gewerkschaften.

Druckfähige Fotos von der AK-Vollversammlung finden Sie unter ooe.arbeiterkammer.at

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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