Wenn Hörgeräte nicht mehr helfen: Hörimplantat kann die Lösung sein

Etwa 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung lebt mit einer Form von Hörbeeinträchtigung. Ein deutlich erhöhtes Risiko für soziale Isolation, Depression und Demenz kann die Folge sein. Hörimplantate können immer dann, wenn Hörgeräte nicht mehr helfen, eine Lösung sein. Ein Hörimplantat ist ein technisches Hilfsmittel, das den Hörsinn elektronisch unterstützt oder ersetzt.

Statistische Zahlen – Betroffene

1-2 von 1000 Neugeborenen kommen mit einer Hörbeeinträchtigung zur Welt.
1 bis 2 % der Schulkinder
15 % der 15 bis 19-Jährigen
30 % der über 60-Jährigen
sogar 50% der über 65-Jähringen
Zahlen: Gesundheit.gv.at – Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Schwerhörigkeit: Formen & Symptome. (Stand 15.03.2017)

Laut WHO sind weltweit rund 360 Millionen Menschen von einem deutlichem Hörverlust (ab 40dB) betroffen, lt. WHO sind Hörstörungen die häufigsten Ursachen einer Beeinträchtigung.

Welche Arten des Hörverlusts gibt es?

Hören und Verstehen sind in einem gewissen Ausmaß erlernte Fähigkeiten. Wenn auf Grund einer Hörminderung bestimmte Klänge, beispielsweise im Hochfrequenz-Bereich, nicht mehr an das Gehirn weitergeleitet werden, vergisst das Gehirn, wie diese Klänge zu interpretieren sind. Es verlernt buchstäblich das Hören. Es gibt unterschiedliche Arten von Hörverlust, dies ist abhängig davon, je nachdem, welcher Teil des Ohrs betroffen ist. Die drei wesentlichen Arten von Hörminderung bzw. -verlust sind:

Schallleitungs-Hörminderung

Bei einer Schallleitungs-Hörminderung ist das Außen- und/oder das Mittelohr beschädigt oder blockiert. Dadurch kann der Schall nicht effizient durch den äußeren Gehörgang an das Trommelfell und die kleinen Knöchelchen des Mittelohrs geleitet werden. Eine Reduzierung des Hörvermögens oder das Unvermögen, leise Geräusche wahrzunehmen, ist die Folge. Diese Art von Schwerhörigkeit kann entweder im Laufe des Lebens auftreten oder angeboren sein. Die Schallleitungsschwerhörigkeit kann meist chirurgisch behandelt werden.

Innenohr-Hörminderung /Perceptionsschwerhörigkeit

Wenn das Innenohr, insbesondere die Hörschnecke, beschädigt ist oder wenn die Nervenbahnen vom Innenohr zum Gehirn nicht richtig funktionieren, spricht man von einer Innenohr- bzw. Perzeptionsschwerhörigkeit. Diese ist die am häufigsten verbreitete Art einer Hörbeeinträchtigung. Sie kann meistens nicht durch medizinische Eingriffe behandelt werden. Eine Innenohr-Hörminderung führt zu einer Minderung der Fähigkeit, leise Geräusche wahrzunehmen, und dazu, dass sogar laute Worte nicht richtig verstanden oder Geräusche gedämpft werden.

Kombinierte Hörminderung

Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Innenohr- und Schallleitungs-Hörminderung,also sowohl das Außenohr/Mittelohr als auch das Innenohr sind beeinträchtigt. Erleidet man beispielsweise einen Hörverlust durch eine Mittelohrentzündung und gleichzeitig eine Innenohr-Hörminderung im Alter, wird dies als kombinierte Schwerhörigkeit bezeichnet.

Wie kommt es zu einer hochgradigen Innenohrschwerhörigkeit?

In den meisten Fällen tritt ein Hörverlust altersbedingt auf. Manche Menschen haben von Geburt an eine Hörminderung, andere kommen durch hohe Lärmbeeinträchtigung zur Schwerhörigkeit.

Wann kommen Implantate zum Einsatz?

Die wohl gravierendste Art der Schwerhörigkeit ist die hochgradige Innenohrschwerhörigkeit. Bei dieser ist eine Versorgung mit herkömmlichen Hörgeräten nicht mehr ausreichend.

Wie wird ein Hörimplantat eingesetzt?

„Das Implantat wird unter Vollnarkose direkt hinter dem Ohr eingesetzt. Die Patientinnen und Patienten brauchen meist nur eine kurze Erholungsphase und können nach drei Tagen nach der Operation die Klinik verlassen. Für die Implantation ist lediglich ein kleiner Hautschnitt in der Länge von bis 5 cm hinter dem Ohr notwendig“, erklärt der Spezialist Prim. Dr. Paul Martin Zwittag, MBA, MSc, Vorstand der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum.

Funktionsweise des Hörimplantats – was wird ersetzt?

Hörimplantate bestehen aus zwei Teilen, einem externen Audioprozessor und dem Implantat selbst, das hinter dem Ohr unter der Haut liegt. Der Audioprozessor wird entweder am Ohr oder direkt am Kopf getragen. Er nimmt Schall über ein Mikrofon auf und wandelt ihn in elektrische Impulse um. Eine Spule sendet diese an das Implantat unter der Haut.

Präoperative Begleitung

Die Mitarbeiterinnen der Logopädie im Kepler Universitätsklinikum begleiten die Patientinnen und Patienten bereits in der präoperativen Phase. Ausführliche audiologische Diagnostik mittels subjektiver und objektiver Testverfahren kommen zum Einsatz, um die Art und den Grad der Hörstörung zu bestimmen. Die Logopädinnen klären über die Art bzw. Funktionen des für die Patientinnen und Patienten geeigneten Audioprozessors auf, in der Zeit direkt nach der Operation, in der Heilungsphase, in der Erstanpassung sowie bei den weiteren Anpassungen (sogenannte Fittings). Ebenso wird ein Hörtraining durchgeführt.

Ohrrehabilitation – wie geht es nach der Operation weiter?

Postoperativ und nach der Heilungsphase beginnt dann die „Hörreise“. „Regelmäßige Fittingtermine und Überprüfungen gehören zur Behandlung, Übungsanleitungen für zuhause werden bereitgestellt, um neue Höreindrücke (vorerst fremder Klang durch den elektronischen Ersatz der Haarzellen) mit den bekannten Höreindrücken verknüpfen zu können. Ein selbstständiges Hörtraining wird individuell für jeden einzelnen Patienten bzw. Patienten erstellt“, erklärt Sabrina Ackerl, Logopädin an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum.
Je nach Wunsch und auch Möglichkeiten kann auch eine stationäre Reha an einer Rehaklinik beantragt werden.

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About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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