Rund 70 Gemeinden in Oberösterreich pflanzten eine neue Dorflinde

Gerade in Zeiten des Abstandhaltens wird viel darüber nachgedacht, wie unser Zusammenleben in Zukunft aussehen kann. Als Gemeinde lohnt sich dabei ein Blick in die Vergangenheit: Bevor es Vereinshäuser und Mehrzweckhallen gab, war der soziale Mittelpunkt vieler Dörfer die sogenannte Dorflinde. Unter ihrem Blätterdach wurden Feste gefeiert, geheiratet und getanzt, Recht gesprochen oder einfach nur ein Pläuschchen gehalten. Auch viele Ortsnamen leiten sich von der Linde ab und das altbekannte Gasthaus „Zur Linde“ lädt noch heute vielerorts zur Geselligkeit ein.

Als Baum des Jahres 2021 steht die Linde heuer selbst im Zentrum der Aufmerksamkeit. Anlässlich dazu unterstützte proHolz OÖ Gemeinden in ganz Oberösterreich dabei, diese verbindende Tradition wieder zu entdecken und verschenkte rund 70 junge Dorflindensetzlinge. In den Gemeinden St. Ulrich bei Steyr und Altenberg bei Linz übergaben proHolz-Obmann Georg Adam Starhemberg und Geschäftsführer Markus Hofer die Lindenbäumchen sogar persönlich.

Linderung & Nahrung
Genauso wichtig wie der Baum im Dorf sind die Blütenstände der Linde in der Naturheilkunde. Bei Erkältungen hilft ein Tee aus getrockneten Blüten, Husten und Fieber schneller zu überwinden. Auch leichte Stress- und Unruhezustände soll das unverkennbar duftende Heilmittel lindern. Von dem süßlich-weichen Duft werden Bienen angelockt, die den köstlichen Lindenblütenhonig herstellen. Da Linden erst spät im Juni und Juli blühen, wenn andere Blüten rar werden, sind sie auch ökologisch von Bedeutung und eine wichtige Nahrungsquelle für viele weitere Insekten.

Lignum sacra
Das Holz der bis zu 30 Meter hohen und 1000 Jahre alten Linden ist hell, mittelhart und besonders gleichmäßig. Aus diesem Grund ist es nach wie vor das wichtigste Holz für Schnitz- und Bildhauerarbeiten. Auch die meisten sakralen Kunstwerke wurden aus Lindenholz gefertigt. Im Mittelalter wurde es daher „lignum sacrum“ (heiliges Holz) genannt.

Holz-Neubau statt Sanieren — Perspektive bei Klimaschutz
Mit dem Pflanzen eines Baumes ist selbstverständlich untrennbar die Bedeutung von Holz für den Klimaschutz verbunden. „Holz ist sowohl als nachwachsender als auch als CO2-bindender Rohstoff eine nachhaltige Alternative zu endlichen Rohstoffen. Holz entsteht im Wald und braucht dazu nur Erde, Wasser, Licht und Luft. Im Prozess seiner Entstehung entzieht der Baum CO2 aus der Umgebungsluft. Dieses CO2 bleibt im Holz gebunden, weil der Kohlenstoff daraus im Holz gespeichert wird“, unterstreicht proHolz-Obmann Starhemberg. In der aktuellen Klimasituation könne es daher sogar besser sein, ein neues Haus aus Holz zu bauen, als ein bestehendes Haus zu sanieren und weiter zu nutzen, folgert der renommierte Klimaexperte Prof. Hans Joachim Schellnhuber. Denn durch den Holzbau wird zusätzliches CO2 aus der Atmosphäre entzogen und langfristig gebunden.

 

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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