Welches Potential versteckt sich hinter der Kulturhauptstadt 2024?

In den nächsten Wochen werden im Ausseer Regionalfernsehen immer wieder Stellungnahmen von jungen Menschen gebracht, die sich mit dem Thema Kulturhauptstadt 2024 auseinander setzen, durchaus auch in kritischer Art und Weise.

Welches Potential versteckt sich hinter der Kulturhauptstadt 2024?

Über 60 Europäische Kulturhauptstädte gab es schon seit der Gründung dieses Projektes, zwei Mal war es eine österreichische Stadt – Graz im Jahr 2003 und Linz im Jahr 2009. 2024 soll es das Salzkammergut mit Bad Ischl an der Spitze werden, teilt sich den Titel aber mit Bodø in Norwegen und Tartu in Estland. Eine Region als Kulturhauptstadt ist zwar unüblich, aber die drei Regionen-Ausseerland Salzkammergut , Inneres Salzkammergut und Traunsteinregion haben sich zusammengeschlossen und sich gegen die Mitbewerber durchgesetzt. Mittlerweile präsentiert sich das Salzkammergut als Kulturhauptstadt 2024 unter dem Kampagnenmotiv „Die Originale 2024“.

Bis zum tatsächlichen Titelgewinn war es ein langer Weg, der mit vielen Arbeitsstunden verbunden war. Dass es sich bei der Bewerbung um keinen einfachen Prozess handelt, ist klar. Hinter der Kulturhauptstadt 2024 steckt ein Team, das sich zweifelsohne ins Zeug gelegt hat. Aber manchen ist nicht klar: Was habe ich als Bürger*in von dem Titel Kulturhauptstadt 2024?

In der Bewerbung lag der Fokus auf vier Programmlinien: Macht der Tradition, Kraft der Gegenkultur, Auswirkungen des (Hyper)Tourismus, Durst auf Rückzug. Aber was genau bedeuten diese Punkte?

Der Titel Kulturhaupstadt 2024 bringt ein Budget mit sich, das sich zusammensetzt aus Geldern vom Bund, den Ländern Steiermark und Oberösterreich, den 23 beteiligten Gemeinden, Tourismusverbänden und dem mit 1,5 Millionen Euro dotierten Melina-Mercouri-Preis. Mit ungefähr 25 Millionen Euro kann man insgesamt rechnen. Aus dem Geld werden keine Infrastrukturmaßnahmen bezahlt. Mit dem Budget werden Projekte finanziert. Diese Projekte müssen auch der Bevölkerung zugutekommen. Daher hat jede*r die Möglichkeit, auf der Website der Originale 2024 Projektvorschläge einzureichen. Einige Projekte sind zwar schon festgelegt, aber es wird noch nach neuen gesucht. Die Kriterien für solche Projektvorschläge sind auf der Website offengelegt, aber: Das erste Kriterium ist, dass die eingereichte Projektidee einen Bezug zu mindestens einer der oben erwähnten Programmlinien haben muss. Genau erklärt sind diese Punkte allerdings wieder nicht.

Grundsätzlich ist die Kommunikation von den Originalen 2024 aber sehr offen. Aktuell tourt ein Team der Originale durch alle 23 beteiligten Gemeinden, um offen zu diskutieren und Fragen zu beantworten (nächster Termin: 27.04. in Gmunden). Positiv daran ist auch, dass viele Leute aufmerksam werden, hingehen und Fragen stellen. Zu einem gewissen Grad muss man sich auch selbst informieren, und dazu werden die Menschen animiert.

Trotzdem tun sich weitere Fragen auf, vor allem bei jungen Menschen. Wie wird es in Zukunft mit der Wohnsituation aussehen, wenn es durch den Titel möglichweise noch mehr Menschen in das Salzkammergut zieht? Wird der Übertourismus dadurch nicht noch verstärkt? Hannes Heide, EU-Abgeordneter und Aufsichtsratsvorsitzende der Kulturhauptstadt 2024-GmbH, erklärt im ARF-Interview, es gehe nicht darum, mehr Leute in die Region zu holen. Aber lässt sich das vermeiden? Und wie sieht es mit der Nachhaltigkeit aus? Das sind Fragen, die sich erst im Laufe der nächsten Monate beantworten lassen. Sofern viele Stimmen aus der Bevölkerung miteinbezogen werden und das Team Rücksicht auf das nimmt, was die Bürger*innen für ihre Zukunft wollen, haben Die Originale 2024 großes Potential.

Iris Hödl

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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