KAC: In der Verlängerung zum dritten Sieg

Die Ausgangssituation:

Der EC-KAC ging mit einer 3:1-Serienführung in das fünfte Finalspiel und hatte in Bolzano damit die erste von drei Gelegenheiten, sich den Meistertitel in der bet-at-home ICE Hockey League zu sichern. Die PalaOnda konnten die Klagenfurter im laufenden Spieljahr bei drei ihrer fünf Auftritte siegreich verlassen, im Auftaktspiel der aktuellen Endspielserie gelang ihnen dort (mit 6:0) auch der bislang einzige Auswärtserfolg im Finale. Die Formkurve der Rotjacken bewegte sich über die gesamte Post Season hinweg auf gutem Niveau, Klagenfurt gewann gegen den EC VSV, den EC Salzburg und den HCB Südtirol insgesamt elf seiner 14 Playoff-Partien. Einen 3:1-Vorsprung in einer „Best-of-Seven“-Serie gaben die Kärntner in ihrer Klubgeschichte in zehn Fällen noch nie aus der Hand, neun Mal davon entschieden sie die Konfrontation auch gleich im fünften Duell für sich.

Der HCB Südtirol stand nach der neuerlichen Auswärtsniederlage in der Stadthalle am Sonntag schon mit dem Rücken zur Wand, jeder weitere Verlust in der laufenden Woche beendet die Saison damit vorzeitig. Die Füchse steigerten sich im Verlauf der Finalserie mit sich Stück für Stück füllendem Lineup kontinuierlich, dennoch gelang ihnen bislang nur ein Erfolg. Elimination Games brachten für die Italiener seit ihrem Liga-Einstieg im Jahr 2013 ambivalente Ergebnisse, von acht derartigen Begegnungen wurden mit vier exakt die Hälfte gewonnen. Der HCB Südtirol war (im Viertelfinale 2018) der letzte Klub, der den EC-KAC in einer Playoff-Serie bezwingen konnte, Gleiches gilt auch umgekehrt (Viertelfinale 2019).

Die Personalien:

Beim EC-KAC gab es nach dem Morning Skate positive Nachrichten aus der medizinischen Abteilung: Der im vierten Finalspiel verletzt ausgeschiedene Thomas Vallant gab grünes Licht für einen Einsatz. Die Rotjacken bestritten damit auch das fünfte Endspiel mit einem unveränderten Lineup, sie mussten weiterhin die Langzeitverletzten David Fischer, Paul Postma und Dennis Sticha vorgeben. In den drei Abwehrpaaren und vier Sturmblöcken gab es hinsichtlich der personellen Zusammensetzung keinerlei Adaptierungen, Michael Kernberger und Alexander Cijan ergänzten das Aufgebot.

Der Spielverlauf:

In den Anfangsminuten gestaltete sich die Partie ausgeglichen, ehe der HCB Südtirol die erste nennenswerte Torchance zur Führung nutzte: Angelo Miceli eroberte den Puck hinter dem Kasten von Sebastian Dahm und bediente im Slot Luca Frigo, der viel Platz vorfand und den Rotjacken-Keeper mit einem Wrister durch die Beine bezwang (6.). Anschließend übernahmen die Füchse das Kommando und kamen zu weiteren guten Möglichkeiten: Brett Findlay erlangte in der neutralen Zone Scheibenbesitz und hatte den Querpass zum rechts mitgelaufenen Dustin Gazley im Sinn, doch Daniel Obersteiner hatte gut zurückgearbeitet und konnte diesen mit dem Schläger unterbinden (7.). Einen Wrap-Around von Dennis Robertson entschärfte Sebastian Dahm kurz darauf mit dem Stick, er behielt auch gegen Anthony Bardaro, der am Crease zum Nachschuss gekommen war, die Oberhand (8.). Als Gazley über die rechte Seite Meter machte und letztlich freie Bahn hatte, scheiterte er mit seinem Abschluss an Dahms Schulter (9.). Der Druck der Hausherren ließ nun kontinuierlich nach, Klagenfurt kam besser in die Begegnung, vorerst aber noch zu keinen aussichtsreichen Gelegenheiten. Ein erster Warnschuss, eine Direktabnahme Bischofbergers, landete noch zu mittig auf Torhüter Irving (17.), doch im gleichen Angriff schlug der EC-KAC dann aber zu: Rok Tičar nahm den Schuss von Rechtsaußen, dieser wurde von Nick Plastino im Slot abgelenkt und landete direkt am langen Pfosten bei Nick Petersen, der nur mehr ins halbleere Tor einkehren musste (18.). 

Früh in Durchgang zwei kamen die Rotjacken zu ihrem ersten Überzahlspiel des Abends, das sie auch sogleich zur erstmaligen Führung nutzen konnten: Petersen scheiterte mit einem Onetimer vom linken Anspielpunkt aus am Schoner von Irving, die Scheibe landete seitlich bei Tičar, der den Keeper auf sich zog, dann aber den Pass in den Slot auf Matt Fraser brachte, der das leere Tor vor sich hatte und einschoss (22.). Auch in ihrem nächsten Powerplay schrieben die Klagenfurter an: Petersen täuschte auf links einen Schuss an, spielte dann aber scharf an den Torraum zu Rok Tičar, der sich den Puck noch herrichten und schließlich unter die Querlatte klopfen konnte (27.). Weiter der EC-KAC: Manuel Geier eroberte im Angriffsdrittel die Scheibe, ließ für Stefan Geier liegen, dessen Direktabnahme der Torhüter aber gerade noch mit der Schulter parieren konnte (30.). Auch die Gastgeber vermochten ihr nächstes Überzahlspiel in einen Treffer umzumünzen, allerdings erst eine Sekunde vor Ablauf der Strafzeit gegen Samuel Witting: Daniel Catenacci zog vom oberen Ende des rechten Faceoff-Kreises aus ab, Sebastian Dahm ließ die Scheibe prallen und entschärfte dann mit dem Schoner den Nachschuss von Mike Halmo aus der Drehung, den zweiten Rebound tippte Dustin Gazley dann von der verlängerten Torlinie aus in die Maschen (34.). Als Ivan Deluca den Puck in der KAC-Zone eroberte und an den rechten Hashmarks Angelo Miceli anspielte, traf dieser das Spielgerät nicht richtig, sodass Sebastian Dahm mit dem Blocker parieren konnte (35.). Ein weiteres Penalty Killing verteidigten die Rotjacken mit vier Clearings lange gut, dann kam aber dennoch Dustin Gazley frei vor dem KAC-Kasten zur nächsten Möglichkeit, er zog sich den Puck per Haken auf die Rückhand, verfehlte dann jedoch das Tor (37.).

Wie bereits im Mitteldrittel nutzten die Rotjacken auch im dritten Abschnitt ein frühes Überzahlspiel eiskalt aus: Mit zwei Mann mehr auf dem Eis spielte Rok Tičar den Puck von Rechtsaußen an den Torraum zu Matt Fraser, der völlig ungedeckt via Re-Direction auf 4:2 für den EC-KAC stellte (42.). In der 46. Minute hatte Johannes Bischofberger im Konter die Vorentscheidung auf dem Schläger, Leland Irving reagierte aber mit einem tollen Poke-Check ganz richtig. Im Powerplay feuerte Dennis Robertson einen Onetimer aus dem hohen Slot ab, Thomas Hundertpfund glänzte mit dem Block und eröffnete Johannes Bischofberger damit die erneute Breakaway-Möglichkeit, doch er scheiterte abermals am Torhüter der Füchse (48.). Aus dem nächsten Überzahlspiel schlugen die Hausherren dann nach nur neun Sekunden Kapital: Halmo beförderte den Puck von der verlängerten Torlinie aus mit der Rückhand an den Crease zu Brett Findlay, der Sebastian Dahm durch die Beine hindurch bezwingen konnte (49.). Nur wenige Sekunden später hatte Anthony Bardaro den Ausgleich auf dem Schläger, er visierte nach seinem Wrap-Around die kurze Kreuzecke an, traf aber lediglich den Pfosten (50.). Als der HCB einen „Drei-gegen-Zwei“-Angriff fuhr, schloss Findlay aus dem Zentrum zu überhastet ab, Dahm konnte parieren (52.). Danach folgte das fünfte Powerplay für Klagenfurt, das diesmal allerdings ereignisarm verlief. In der 59. Minute schrammte Bardaro nur hauchdünn am Ausgleich vorbei, er schob einen Rebound aus kurzer Distanz mit der Vorhand flach und äußerst knapp an der langen Stange vorbei. Die Entscheidung fiel dann, als Bolzano bereits mit sechs Feldspielern agierte: Über Strong und Bischofberger kam der Puck genau in den Lauf von Manuel Geier, der am Weg zum verwaisten Kasten noch so gefoult wurde, dass die Schiedsrichter regelkonform auf „Technisches Tor“ entschieden. Klagenfurt siegte mit 5:3 und feierte somit seinen zweiten Titelgewinn in Folge. (NB/HB)

Der Kommentar:

„Ich bin sehr stolz, denn es ist unglaublich, wie stark und wie kontinuierlich unser Team im Verlauf der heurigen Saison gewachsen ist und wie es sich entwickelt hat. Die heutige Partie hat nicht gut begonnen, in den ersten rund 15 Minuten war Bolzano klar besser, aber wir bekamen heute drei große Powerplaytore, genau von jenen Spielern, deren Aufgabe das auch ist. Wie wir uns dann durch die letzten Minuten gefightet haben, das hat gezeigt, wie gut wir als Gruppe heuer mittlerweile geworden sind – einfach eine tolle Mannschaft! Ich bin aber genau so stolz auf die Mitarbeiter in unserer Organisation und die Vorstände, es fühlt sich so an, dass der gesamte Klub die gleiche Idee verfolgt und daher auch alle in eine gemeinsame Richtung unterwegs sind. Dankbar bin ich aber vor allem für meinen Staff und diese Mannschaft, diese tolle Mischung an Persönlichkeiten und Charakteren. Die Meisterschaft mit einem so strukturierten Kader, mit so vielen einheimischen Kräften, zu gewinnen, ist etwas sehr Spezielles.“ (Petri Matikainen, Head Coach EC-KAC)

Der Ausblick:

Für den EC-KAC endete am Dienstag eine herausragende Spielzeit, die Klagenfurter gewannen das erstmals vergebene Championat in der bet-at-home ICE Hockey League und kürten sich zum insgesamt 32. Mal zum österreichischen Eishockeymeister. In dieser Saison, die mit dem Gewinn des Einladungsturniers Red Bulls Salute im September begonnen hatte, qualifizierten sich die Rotjacken auch zum insgesamt vierten Mal für die Champions Hockey League. Auch auf individueller Ebene sammelte Klagenfurt Trophäen: Nick Petersen wurde zum ersten beim EC-KAC unter Vertrag stehenden Spieler seit 2003/04, der zum Liga-Topscorer avancierte. Er gewann auch die Auszeichnung als Most Valuable Player in den ICE-Playoffs, nachdem dieser Titel in der Regular Season an Goalie Sebastian Dahm gegangen war. Der nächste wichtige Termin für den Klub ist der 19. Mai, dann werden die Vorrundengruppen für die nächstjährige CHL ausgelost.

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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