OÖ Bauernbund: Rasant steigender Ausflugsverkehr ohne Rücksicht auf Privatbesitz

Zugeparkte Privatwege, jugendliche Treffen auf der Wiese und hinterlassene Müllhaufen. So präsentieren sich immer mehr „schöne Plätze in der Natur“. Und zwar nicht öffentliche Ausflugsorte, sondern Wiesen und Privatgründe von Bäuerinnen und Bauern. Diese werden zunehmend zu Leidtragenden einer Gesellschaftsschicht, die die Natur sucht, sich dabei aber allzu viel erlaubt. Seit Corona hat sich die Situation verschärft. Der OÖ Bauernbund kritisiert dieses Verhalten und fordert mehr Rücksichtnahme. 

„Sein Prinzip ist überhaupt: Was beliebt, ist auch erlaubt. Denn der Mensch als Kreatur hat von Rücksicht keine Spur.“ Was Wilhelm Busch schon vor 1900 niederschrieb, scheint sich gerade jetzt zu bewahrheiten. Zumindest wenn man sich das Freizeitverhalten mancher Jugendlicher ansieht. So erzählt beispielsweise Stefan Burger, Landwirt in Steyregg, dessen Wiesen an einem der schönsten Aussichtsplätze in der Nähe von Linz liegen: „Fast im Minutentakt kommen Autos hier rauf und werden einfach der Straße entlang geparkt – oft auch in die Wiesen hinein bzw. so, dass andere vorbeifahrende Autos in die Wiese ausweichen müssen. Fremde Menschen kommen zusammen, sitzen in den Wiesen und Feldern, genießen die Aussicht, essen und trinken und hinterlassen ihren Müll in den Wiesen oder lassen ihn einfach am Straßenrand fallen. Spricht man sie auf ihr Verhalten an, muss man damit rechnen, angepöbelt und beschimpft zu werden.“

Er bemerkt dieses rücksichtlose Verhalten seit etwa fünf bis sechs Jahren, seit den Corona-Lockdowns hat sich die Situation aber deutlich verschärft. Vor allem bei jüngeren Menschen beobachtet er diese zunehmende Respektlosigkeit. „Sie wissen nicht oder wollen nicht wissen, dass Wiesen und Felder jemanden gehören, auch wenn kein Zaun rundherum ist“, sagt Burger. Auf seinem Privatweg kann er beinahe nicht mehr mit seinen kleinen Kindern Radfahren üben, weil fremde Autofahrer den Weg kreuzen. Mit Gesprächen die Dinge aufzuklären, hat er bisher versucht. Manchmal mit Erfolg, oft aber ohne. Deshalb überlegt er, Kameras aufzustellen und das anzuzeigen. „Es ist schade, dass man soweit gehen muss. Aber irgendwann geht es halt nicht mehr anders.“ 

„Ausdruck einer Gesellschaftsschicht, die kein Benehmen kennt“

Johanna Haider, Bezirksbäuerin von Urfahr-Umgebung und Landesbäuerin im OÖ Bauernbund, hat sich ein Bild von der konkreten Situation gemacht und ihre Kritik fällt scharf aus: „Das ist eigentlich eine Frechheit, was Menschen sich alles erlauben. Da ist jegliche Achtung vor Eigentum verloren gegangen. Es scheint, als gelte das Motto `Was den Bäuerinnen und Bauern gehört, ist Allgemeingut, aber der eigene Garten ist natürlich Privatgrund´. Das ist Ausdruck einer Gesellschaftsschicht, die kein Benehmen kennt und deren Selbstbewusstsein zu Egoismus ausgewachsen ist.“

„Es ist schon eine paradoxe Situation“, sagt OÖ Bauernbunddirektor Wolfgang Wallner, „Die Menschen schätzen die Bäuerinnen und Bauern zwar, wie eine ganz aktuelle Studie zeigt. Aber wenn sie dann in ihrem Verhalten eingeschränkt werden, scheint die Wertschätzung schnell in Unverständnis umzuschlagen“. Natürlich gelte das nicht generell, aber laut Wallner nehmen die Beschwerden von Bäuerinnen und Bauern zu. Der Bauernbunddirektor befürchtet, dass sich dies mit dem beginnenden Frühjahr und den steigenden Temperaturen noch verschärfen könnte und ruft daher zu mehr Rücksichtnahme auf. (Die am Dienstag veröffentlichte Studie schreibt den Bäuerinnen und Bauern ein sehr positives Image zu. Für 94 Prozent der Österreicher ist das „Bild der Landwirtschaft“ demnach ganz klar „positiv“, was den Bäuerinnen und Bauern Platz zwei hinter den Ärzten beschert.)

Landesbäuerin Johanna Haider versteht zwar den „Drang der Menschen, in die Natur zu gehen – gerade in Corona-Zeiten“. „Dass man sich dann aber alles erlaubt, das geht nicht“, so Haider. Sie hat den Eindruck, dass man „mit gutgemeinten Appellen hier nicht mehr durchkommt. Man muss diesen Menschen sehr direkt sagen, dass sie vor ihrer eigenen Haustüre ein solches Verhalten auch nicht dulden würden.“ Bewusstsein dafür müsse man vor allem in den sozialen Medien schaffen – ebendort, wo man die Jugendlichen trifft.

Stefan Burger hat genau das gemacht. Er hat seinen Ärger auf Facebook kundgetan. Sein Beitrag wurde binnen kurzer Zeit mehr als 600 Mal geteilt. Die vielen Kommentare anderer Facebook-Nutzer zeigen, dass er mit seinem „Problem“ absolut nicht alleine ist.

Ausflug ohne Rücksicht (Quelle: Burger): Die Aussicht ist schön. Deshalb wird der Ausflugsverkehr hier oben immer mehr. Zum Leidwesen der Bäuerinnen und Bauern.
Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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