Land Oberösterreich stärkt Hospiz und Palliative Care im Mobilen Dienst

Weitere Gesprächsteilnehmer:

Dr.in Christina Grebe, Vorsitzende des Landesverbandes Hospiz OÖ

Rückfragen-Kontakt:
Julian Engelsberger, Presse LH-Stv.
in Haberlander, Tel. 0664/6007217124 Ing. Harald Scheiblhofer, Presse LRin Gerstorfer, Tel. 0664/6007212048

LH-Stv.in Haberlander / LRin Gerstorfer

„Hospiz und Palliative Care im Mobilen Dienst“ (HiM OÖ)

Zu Hause sterben – ein Wunsch, der viele Menschen bewegt. Der Mobile Dienst begleitet diesen Wunsch mit fachkundig geschultem Personal. Die Hospizidee stellt die Sorge um schwer kranke und sterbende Menschen sowie um deren Angehörige in den Mittelpunkt. In der Begleitung und Betreuung wird ihnen und ihren Angehörigen auf körperlicher, seelischer und sozialer Ebene begegnet. Den spirituellen Bedürfnissen der Betroffenen wird bewusst Rechnung getragen. Hauptanliegen ist es, die bestmögliche Lebensqualität bis zuletzt zu gewährleisten. In einem Pilotprojekt werden nun die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der mobilen Dienste im Umgang mit schwerkranken und sterbenden Menschen sowie deren Angehörigen geschult.

In Oberösterreich gibt es individuelle Begleitungsstrukturen für die letzte Phase des Lebens. Ein Großteil der Palliativpatientinnen und -patienten wird in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen oder im familiären Bereich durch die Unterstützung niedergelassener Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten und/oder durch Mobiler Dienste betreut. Speziell für sehr schwer kranke Menschen mit komplexen Krankheitsverläufen gibt es darüber hinaus sowohl mobile als auch stationäre Angebote der spezialisierten Hospiz- und Palliativversorgung. Dem Landesverband Hospiz OÖ ist die Stärkung der Grundversorgung (Alten- und Pflegeheime, Mobile Pflegedienste, Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner, Krankenhäuser) ein großes Anliegen. Die spezialisierte Hospiz- und Palliativversorgung deckt nur einen kleinen Teil der Betreuungen ab (10-20 % der sehr komplexen Krankheitsverläufe). Sie versorgt vorrangig sehr schwer kranke Menschen in der letzten Lebensphase. Der wesentlich größere Anteil (80-85 %) schwerkranker und sterbender Menschen wird durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mobilen Dienste, der Alten- und Pflegeheime und Kliniken betreut.

2page2image3318634448page2image3318634736page2image3318635088

Freitag, 16. April 2021

LH-Stv.in Haberlander / LRin Gerstorfer

3page3image3252586256page3image3252586544

Mit steigendem Alter nimmt die Zahl chronischer, unheilbarer Erkrankungen mit längerer Krankheitsdauer zu. Damit steigt der Bedarf an palliativer Versorgung in allen Versorgungssituationen.

„Sterben ist Teil des Lebens und soll würdevoll möglich sein. In Oberösterreich ist unser Ziel die Verbesserung der Lebensqualität von unheilbar kranken und sterbenden Patientinnen und Patienten sowie ihrer Angehörigen. Wir stellen ein bedarfsgerechtes Angebot, abgestuft in allen Bereichen und auf allen Ebenen des Gesundheits- und Sozialwesens, zur Verfügung. Hospiz- und Palliativbetreuung soll überall dort stattfinden, wo sich unheilbar kranke und sterbende Patientinnen und Patienten befinden, auch in ihrem eigenen Zuhause. Das Projekt ‚Hospiz und Palliative Care im Mobilen Dienst‘ ist dabei wichtige Unterstützung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mobilen Dienste“, betont Gesundheitsreferentin LH-Stellvertreterin Mag.a Christine Haberlander.page3image3344980336

Freitag, 16. April 2021

LH-Stv.in Haberlander / LRin Gerstorfer

Die Mobilen Dienste sind eine tragende Säule im System der Altenbetreuung- und Pflege in Oberösterreich. Es ist wichtig, die Kompetenzen zur Begleitung in der letzten Phase des Lebens zu stärken. Damit geben wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Sicherheit und können noch besser als bisher auf die Wünsche der Betroffenen und der Familien eingehen“, ist sich Sozial-Landesärtin Birgit Gerstorfer sicher.

Um oberösterreichweit eine einheitliche Haltung und Werte für den Mobilen Dienst zu entwickeln, kommt es im Projekt HiM zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Sterben. Ziel ist die maximale Sicherheit aller Akteure in der letzten Lebensphase.

Wenn Menschen gefragt werden, wo sie sterben möchten, dann ist es in den meisten Fällen das eigene Zuhause, die vertraute Umgebung und in der Geborgenheit in der Familie. In der Realität sterben in Oberösterreich rund 26 Prozent der Menschen tatsächlich daheim. Diese Rate ist sogar leicht sinkend.

4page4image3254624928page4image3254625216page4image3254616688

Freitag, 16. April 2021

LH-Stv.in Haberlander / LRin Gerstorfer

80 Prozent der Beschäftigten der Mobilen Dienste im Projekt HiM

Sieben Anbieterorganisationen Mobiler Dienste in OÖ sind beim Projekt HiM mit dabei: Oberösterreichisches Rotes KreuzVolkshilfeCaritas für Betreuung und PflegeDiakoniewerkMiteinander GmbHArbeiter Samariter Bund und ARCUS Sozialnetzwerk. Rund 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und damit circa 80 Prozent aller Beschäftigten des mobilen Pflegedienstes in OÖ befinden sich damit in diesem Projekt.

Das Projekt „Hospiz und Palliative Care im Mobilen Dienst“ trägt wesentlich dazu bei, dass nicht Leid oder Schmerz das letzte Wort über ein Menschenleben haben, sondern Geborgenheit und Fürsorge diese Lebensphase bestimmen. Als Sprecher der umsetzenden Organisationen möchte ich die herausragende Zusammenarbeit in dieser Projektgruppe erwähnen. Die Anbieter der Mobilen Dienste in OÖ arbeiten höchst engagiert und erfolgreich mit dem Landesverband Hospiz OÖ zusammen, stets mit dem Ziel, den Bedürfnissen der Menschen gerecht zu werden“, so Mag. Gerald Rechberger, Geschäftsführer Miteinander GmbH.

„Täglich sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mobilen Betreuung und Pflege zur Stelle, um Menschen zu helfen. Besonders in schwierigen Zeiten ist ihr Engagement überall spürbar. Würde, Respekt, Ausdauer, Herz, Zeit und Dankbarkeit spielen dabei eine große Rolle. Das Projekt „Hospiz und Palliative Care im mobilen Dienst“ stärkt und bereitet sie bestmöglich auf die Begleitung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase vor. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen ihnen mit Empathie und Professionalität zur Seite, vermitteln Wärme und Geborgenheit und ermöglichen Menschen bis zuletzt ein Leben in Würde. Dazu braucht es Einfühlungsvermögen, Stabilität sowie eine gute Ausbildung und laufende Schulungen“, sagt Mag.a Dr.inChristine Bretbacher, Pflegedienstleitung OÖ. Rotes Kreuz.

Projektziele mit Blick auf die Beschäftigten in den Mobilen Diensten

  •   Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlen sich nach Projektende sicherer und kompetenter im Umgang mit schwerkranken und sterbenden Menschen sowie deren Angehörigen und Vertrauenspersonen.
  •   Die Beschäftigten erkennen den Übergang des normalen Pflegealltags in die Phase des Sterbens.

5page5image3338817280page5image3338817568

Freitag, 16. April 2021

LH-Stv.in Haberlander / LRin Gerstorfer

  •   Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Organisation beschäftigen sich nachhaltig und langfristig mit dem Hospiz- und Palliativgedanke und dies spielgelt sich im täglichen Tun.
  •   Die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird erhöht – Stärkung der sozialen Kompetenz
  •   Verbesserte Vernetzung und Zusammenarbeit mit Angehörigen, anderen Berufsgruppen und Systempartnern.Projektziele mit Blick auf Betroffene und Angehörige
  •   In der Pflege zu Hause wird auf die speziellen Notwendigkeiten und Bedürfnisse in der letzten Lebensphase eingegangen (flexiblere Zeitplanung, andere Prioritäten in der Pflege, Schmerzlinderung)
  •   Sterben zuhause ermöglichen – unnötige Krankenhausaufnahmen vermeiden
  •   Wahrung der Autonomie
  •   Wahrnehmen der psychosozialen und spirituellen Bedürfnisse
  •   Wünsche der sterbenden Menschen wahrnehmen und sichern
  •   Unterstützung beim Abschiednehmen
  •   Die Kundinnen und Kunden sowie deren Angehörige und Vertrauenspersonenfühlen sich gut beraten und begleitetWas geschieht konkret im Projekt Hospiz und Palliative Care im Mobilen Dienst?1) Trainerinnen- und Trainer-Ausbildung und Beschäftigten-WorkshopsDiplomkrankenpflegerinnen und -krankenpfleger, Fachsozialbetreuerinnen und -betreuer der Altenarbeit sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Heimhilfe – sie alle sind in ihrer Tätigkeit bei den Menschen zuhause immer auch mit Schwerstkranken und Sterbenden konfrontiert. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Klarheit über die Zuständigkeit und den rechtlichen Rahmen zu schaffen und um bestmöglich auf die spezielle Situation und die Bedürfnisse der Menschen in der letzten Lebensphaseeingehen zu können, ist Ziel der Trainings und Workshops.Das Schulungsmodell, das in Oberösterreich mit Beginn dieses Jahres gestartet ist, wurde vom Dachverband Hospiz Österreich entwickelt und wird vom Fonds Gesundes Österreich begleitet und unterstützt.

6page6image3344346880page6image3344347168page6image3344347520

Freitag, 16. April 2021

LH-Stv.in Haberlander / LRin Gerstorfer

2) Ausbildung und Implementierung der bzw. des Palliativbeauftragten

Ein weiterer Kernprozess des Projektes HiM OÖ ist die Ausbildung und Implementierung einer oder eines Palliativbeauftragten, die innerhalb der eigenen Organisation den jeweiligen Beschäftigten, Teams und Führungskräften zur Verfügung steht. Sie oder er verfügt oder wird innerhalb einer vorgegebenen Frist den interdisziplinären Basislehrgang Palliative Care absolvieren.

Ihre oder seine Aufgabe ist die Verbreitung der Hospiz- und Palliative Care Kultur, sowie Sorge dafür zu tragen, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Organisation nachhaltig mit dem Thema Sterben auseinandersetzen, z.B. durch Fortbildungen.

Weiters treibt die oder der Palliativbeauftragte die Vernetzung mit Systempartnern voran (Hausärztinnen und -ärzten, Entlassungsmanagement, spezielle Einrichtungen der palliativen Versorgung, Palliativbeauftragte der anderen Organisationen, etc.).

Seit 1. September 2020 sind die Palliativbeauftragten in den Organisationen tätig, einige davon absolvieren aktuell bereits den Grundlehrgang Palliative Care. Die Rollenprofile für die Palliativbeauftragten und die Palliativgruppe wurden entwickelt.

3) VSD – Vorsorgedialog® Mobil

Der VSD Vorsorgedialog® Mobil ist für Menschen entwickelt worden, die zu Hause betreut werden. Er stellt den Betreuenden einen strukturierten Kommunikationsprozess für die Durchführung von Gesprächen mit den Patientinnen und Patienten zur letzten Lebenszeit zur Verfügung. Rechtlich gesehen ist der VSD Mobil unter „Sonstige Patientenverfügung“ einzuordnen.

Der VSD Mobil erfasst alle jene Wünsche und Vorstellungen der Patientinnen und Patienten, die ihnen trotz Erkrankung oder gesundheitlicher Beeinträchtigung und trotz absehbaren Sterbens für ein gutes Leben wichtig sind. Er stärkt sie in ihrer Selbstbestimmung.

Gleichzeitig unterstützt der VSD Mobil Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonen bei ethisch schwierigen Entscheidungen am Lebensende, etwa in aktuellen

7page7image3344654832page7image3344655120page7image3344655472

Freitag, 16. April 2021

LH-Stv.in Haberlander / LRin Gerstorfer

Krisensituationen oder in der Sterbephase. Mit Hilfe des VSD Mobil können Entscheidungen im Sinne der Patientinnen und Patienten getroffen werden. Auch gibt er den Betreuenden eine Rechtssicherheit.

Bei Patientinnen und Patienten, die nicht mehr in der Lage sind, ihren Willen in einem VSD Vorsorgedialoggespräch klar zu kommunizieren, z.B. aufgrund einer weit fortgeschrittenen Demenzerkrankung, kann von den Betreuenden, den Angehörigen und Vertrauenspersonen der mutmaßliche Wille erhoben und dokumentiert werden. Bei der Entscheidungsfindung in Krisensituationen ein wichtiger Orientierungspunkt für die Betreuenden.

Das Projekt HiM hat sich zum Ziel gesetzt, den VSD Mobil in Zusammenarbeit mit den Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern sowie den spezialisierten Einrichtungen der Palliativversorgung innerhalb der Projektlaufzeit und darüber hinaus als Instrument einzuführen und zu etablieren.

Finanzierung

Die Kosten des Projektes belaufen sich in den Jahren 2020 bis 2023 auf insgesamt rund 1,05 Millionen Euro. Die im Rahmen des Projektes entstehenden Ausbildungskosten werden von der Abteilung Soziales und von der Abteilung Gesundheit je zur Hälfte getragen. Die Abteilung Soziales übernimmt darüber hinaus 100 Prozent der laufenden Kosten für die Palliativbeauftragen in den sieben teilnehmenden Organisationen in Höhe von rund 660.000 Euro.

Der Fonds Gesundes Österreich und Hospiz Österreich finanzieren die österreichweiten Netzwerktreffen, die Trainerinnen und Trainer, Schulungen, Beratungsleistungen von Hospiz Österreich und Univ. Prof. Dr. Ralph Grossmann als Organisationsberater. Die Personalkosten die dafür in den Organisationen entstehen, sind davon ausgenommen und werden wie vorstehend finanziert. Die Evaluierung übernimmt das Kompetenzzentrum für Nonprofit-Organisationen und Social Entrepreneurship der Wirtschaftsuniversität Wien.

Maßgeblich verantwortlich für das Gelingen des Projektes ist der Landesverband Hospiz OÖ, der durch Frau Dr.in Christina Grebe und Frau Dr.in Birgit Hofmann-Bichler

Freitag, 16. April 2021

LH-Stv.in Haberlander / LRin Gerstorfer

die Ressourcen für die Projektleitung und -koordination bereitstellt. Die Sparkasse OÖ unterstützt das Projekt durch das zur Verfügung stellen von Räumlichkeiten für Projekttreffen.

page9image3254738496

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error: (c) by salzTV