Naturpark Attersee-Traunsee ist erste zertifizierte Sternenparkregion Österreichs

Als erstes Bundesland hat Oberösterreich ein eigenes Messnetz für die Lichtverschmutzung installiert, eine eigene Leitlinie für den öffentlichen Bereich geschaffen und erstmals wurden in Pilotgemeinden auch konkrete Maßnahmen zur Verringerung der Lichtverschmutzung umgesetzt. Nun ist mit der Zertifizierung durch die Dark-Sky Association des Naturparks Attersee-Traunsee zum ersten offiziellen österreichischen Sternenpark (Dark Sky Park) die Vorreiterrolle Oberösterreichs beim Schutz des Nachthimmels untermauert worden. Ein Sternenpark ist ein Licht- und Landschaftsschutzgebiet, in dem die nächtliche Dunkelheit und die natürliche Nachtlandschaft als Schutzgut gelten und diese vor Lichtverschmutzung bestmöglich geschützt sein sollen. Erreicht wird dies mit ausgeklügelten Licht-Management-Plänen und teilweiser Umrüstung bei Straßen- und Außenbeleuchtung auf den Sternenparkflächen der fünf Naturpark-Gemeinden Altmünster, Steinbach am Attersee, Weyregg am Attersee, Schörfling am Attersee und Aurach am Hongar.
„Mit der ersten österreichischen Sternenpark-Zertifizierung wird das gemeinsame an einem Strang ziehen von Gemeinden, Naturpark, Universität Wien und Umweltressort des Landes OÖ mit der höchsten Auszeichnung belohnt, wenn es um Bemühungen zum Schutz unseres wunderschönen Nachthimmels geht. Wenn wir die Lichtverschmutzung weiter eindämmen, können wir einen gesunden Lebensraum für Mensch und Tier sowie die eindrucksvolle Nachtlandschaft bestmöglich erhalten. Seit vielen Jahren berät
und unterstützt das Land Oberösterreich die Gemeinden und sensibilisiert bei einem großen Problem, das vielen nicht oder noch zu wenig bewusst ist. Unser Ziel muss aber sein, dass wir schädliche Licht- und auch Energieverschwendung schrittweise verringern“, so Klimalandesrat Stefan Kaineder, der sich bei den
Bürgermeister/innen des Naturparks Attersee-Traunsee und dem Naturpark für das große Engagement bedankt und die Zertifizierung mit einem großen Fest im Sommer oder Herbst feiern möchte.

Der Weg zum ersten Sternenpark Österreichs
Seit 2014 wird der Nachthimmel in Oberösterreich dokumentiert. Das Oö. Lichtmessnetz der Abteilung Umweltschutz erfasst dabei an 24 Stationen den Helligkeitsverlauf jeder Nacht. Und dabei kam es rasch zu beeindruckenden Ergebnissen, die wissenschaftlich ausgewertet wurden. Der an die Universitätssternwarte Wien, Institut für Astrophysik in Auftrag gegebene wissenschaftliche Bericht „Langzeitmessungen der Nachthimmelshelligkeit und Möglichkeiten für Nachthimmels-Schutzgebiete in Oberösterreich“ kommt im
Oktober 2017 zum Schluss: „…dass es in Oberösterreich noch Nachthimmel gibt, die den strengsten
Kriterien für ‚Dark Sky Parks‘ auf internationaler Ebene genügen. Diese Gebiete bieten ein einzigartiges Kulturgut für die Menschheit und sollten deshalb unbedingt geschützt werden.“

Die International Dark Sky Association (IDA) – Zertifizierungsstelle für Sternenparks
Die International Dark Sky Association in Tucson, Arizona, USA wurde 1988 mit dem Ziel des Schutzes der natürlichen Nachthimmel für gegenwärtige und zukünftige Generationen gegründet. Sie ist weltweit für ihre Kampagnen gegen Lichtverschmutzung federführend und steht daher stetig in engem Kontakt mit
der Öffentlichkeit, Stadtplanern, Legislativen, Beleuchtungsherstellern, Parks und vielen mehr. Im Jahr 2001 führte die IDA das „International Dark Sky Places“-Programm ein. Dieses nennt unter anderen Dark Sky Parks, jene Kategorie, für die eine Zertifizierung in OÖ angestrebt wurde.

International Dark Sky Park
International Dark Sky Parks sind unter Naturschutz stehende öffentliche oder private Landflächen, die eine bestimmte Dunkelheit erreichen, eine rücksichtsvolle Außenbeleuchtung garantieren und Öffentlichkeitsarbeit für Besucher anbieten. Der Nachthimmel in diesem Gebiet muss folgende
Voraussetzungen erfüllen:
 Die Milchstraße ist mit dem bloßen Auge leicht erkennbar
 In der Nähe befinden sich keine künstlichen Lichtquellen, die signifikant aufscheinen.
 Jegliche vorhandenen Lichtkuppeln sind nur sehr beschränkt und nahe des Horizonts sichtbar.

Naturpark Attersee-Traunsee mit guten Voraussetzungen
Als aussichtsreichstes Gebiet für einen Sternenpark hat sich der Naturpark Attersee-Traunsee gezeigt. Neben der geforderten Nachthimmelsqualität bietet der Naturpark durch das ausgewiesene zusammenhängende Schutzgebiet die Grundvoraussetzungen für einen Sternenpark. Um den stark fragmentierten Naturpark wurde eine einhüllende Grenze inklusive dem Gemeindegebiet von Steinbach am Attersee gezogen und ein Sternenparkgebiet von rund 106 km² geschaffen. Die Naturparkgemeinden Altmünster, Aurach am Hongar, Schörfling, Steinbach am Attersee und Weyregg am Attersee unterstützen das vom Land Oberösterreich initiierte Projekt und mit einem im Gemeinderat für verbindlich erklärten Licht-Management-Plan. Dieser legt unter anderem fest, dass

 Kunstlicht in der Nacht nur dort und dann zum Einsatz kommt, wo und wann es nötig ist
 Außenbeleuchtungen mit über 500 Lumen vollkommen abgeschirmt sind
 Leuchtmittel eine warmweiße Farbtemperatur von 3.000 Kelvin nicht übersteigen und
 Werbe- und Schilderbeleuchtungen an die Vorgaben der International Dark Sky Association abgestimmt werden. Erstmalig bei einem Dark Sky Park der IDA ist ein Ortszentrum – in diesem Fall jenes der Gemeinde Steinbach am Attersee – Teil eines Sternenparks.
Entscheidend zu diesem Gelingen war die bereits zuvor vom Land Oberösterreich unterstützte Umstellung zur Beleuchtungsmustergemeinde. Nach umfangreichen Vorarbeiten wurde der Ende November 2020 eingereichte Zertifizierungsantrag nun genehmigt. Der Sternenpark Attersee-Traunsee gehört nun zur Gruppe von derzeit 92 Dark Sky Parks weltweit und ist der erste in Österreich.

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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