Die Trinkhalle in Bad Ischl feiert heuer 190. Jubiläum

Um 1800 rückte die wohltuende Wirkung des Salzwassers in den Mittelpunkt des medizinischen Interesses. Vielfältige Anwendungen und Therapien fußten auf seiner Heilkraft. Die Seebäder waren weit entfernt, weshalb findige Ärzte bald auf die Salzlagerstätten kamen. Das erste Solebad entstand 1802 im damals preußischen Elmen. In rascher Folge entstanden rund um die europäischen Salinen Solebäder.

1821 reiste der Wiener Arzt Dr. Franz Wirer mit der Elite der österreichischen Ärzteschaft ins Salzkammergut. Der Ischler Salinenkontrollor Johann Michael Tänzl konnte gewonnen werden, auf eigenes Risiko das erste Badehaus einzurichten, worin 1822 die ersten 40 Kranken, die Wirer nach Ischl sandte, Linderung ihrer Leiden suchten. Das erste Badehaus war auch nach Erweiterungsbauten dem Ansturm bald nicht mehr gewachsen.

Und so wurde von 1829 bis 1831 auf dem ehemaligen Grund der Familie Auböck das neue zeitgemäße Badehaus vom Wiener Architekten Franz Lössl (1801-1885) errichtet. Eine große Eröffnung gab es offenbar nicht, die einzige bekannte Festivität im Sommer 1831 war der erste Geburtstag des „Salzprinzen“, dem späteren Kaiser Franz Joseph.

Immer neue Kurtherapien wurden angewendet, westlich des Bades wurde 1838 eine Wandelhalle für Molkenanwendung gebaut. Nachdem die hölzerne Halle bald morsch geworden war, entschieden die Verantwortungsträger, sie im Wirerbad zu integrieren und bauten westlich und östlich zwei Flügel an. Das Gebäude hatte damit drei Flügel und war jetzt Badeanstalt, Trinkkur-Anstalt und Wandelbahn.

Badhaus und Trinkhalle unter einem Dach (ca. 1855)

Das 1875 im Kurpark errichtete neue Kurhaus entwickelte sich rasch zu einem neuen Zentrum und auch weitere, moderne Therapiezentren entstanden in Ischl und drohten dem altväterischen Wirerbad den Rang abzulaufen. International sah man sich ebenfalls einer investitionsfreudigen Konkurrenz gegenüber: Abbazia, Meran und Teplitz schufen zeitgemäße Zentralbäder, während in Ischl vier bis fünf Standorte existierten.

Das Innere des Wirerbades um 1900

Erst nach dem 1. Weltkrieg, ab 1923 konnten die Betreiber an neue Planungen denken. Diesmal sollte anstelle des Rudolfbades (heute Standort des EurothermenResorts) ein Zentralbad entstehen und das als veraltete empfundene Wirerbad abgerissen werden. Aber erst 1931 konnte dann, genau zum 100. Bestandsjubiläum der alten Lokalität, das Vorhaben realisiert werden, glücklicherweise ohne den Abbruch des Wirerbades.

In den 1960er Jahren wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt, 1963/64 erfolgte eine umfassende Restaurierung. 2005 übernahm die Stadtgemeinde die Trinkhalle und nach der erfolgreichen Landesausstellung 2008 „Menschen, Mythen und Monarchen“, zogen der Tourismusverband und die Kulturplattform Bad Ischl ein.

Team des Tourismusverbands vor der Trinkhalle Bad Ischl, 2021

Heute ist die Trinkhalle das „Haus des Gastes“ und ist für kulturelle, touristische und gesellschaftliche Zwecke fest im Leben der Stadt verankert. Mit einer Fläche von 500 m², zweier abtrennbarer Flügel und dem eindrucksvollen Eingangsbereich ist sie eines der wichtigen Gebäude für Feste, Konzerte, Ausstellungen und Veranstaltungen aller Art. Die Trinkhalle und das Tourismusbüro haben Montag bis Samstag von 8:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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