Zahl der Behandlungen in Tageskliniken ist ausbaufähig; Katheterwechsel sollten patientenfreundlich in Wohnortnähe erfolgen

Der LRH hat die urologische Versorgung in OÖ auf eigene Initiative geprüft. Die Bevölkerung wird immer älter und so wird der Bedarf an urologischen Leistungen steigen. Die stationären Betten sollen daher bis 2025 von 238 (2019) auf 246 aufgestockt werden. Das sieht der Regionale Strukturplan Gesundheit OÖ 2025 vor. Aktuell ist die urologische Versorgung in den oö. Fondskrankenanstalten aus Sicht des LRH ausreichend. Das gilt auch für den niedergelassenen Bereich, obwohl von dort – aufgrund längerer Wartezeiten – teilweise Leistungen in die Spitalsambulanzen verlagert werden. Hier gilt es weiterhin gegenzusteuern. Verglichen mit anderen Bundesländern (z. B. Niederösterreich) ist Oberösterreich auch gut mit roboter-assistierten Operationssystemen ausgestattet. Bei den Leistungen, die tagesklinisch erbracht werden, ist das Potential noch nicht ausgeschöpft. Das Einsetzen oder der Wechsel von Kathetern sollte künftig möglichst am Wohnort erfolgen; die Leistungs­prozesse sollten umgestellt werden.

„Das bestehende Versorgungsangebot in Oberösterreich erfüllt die gesetzlichen Vorgaben und ist, was die Krankenhäuser betrifft, ausreichend“, erklärt LRH-Direktor Dr. Friedrich Pammer. Grundsätzlich trifft das auch für den niedergelassenen Bereich zu; in manchen Gebieten gehen die Patienten aber in Spitalsambulanzen, weil ihnen die Wartezeiten auf einen Arzttermin zu lange dauern. „Um die ambulanten Ressourcen nicht zu überlasten, muss diese Entwicklung beobachtet und gegebenenfalls gegengesteuert werden“, sagt Pammer.

Gut ausgestattet ist Oberösterreich aus Sicht des LRH mit roboter-assistierten Operations­systemen, die an vier Standorten für elektive Eingriffe bereitstehen. „Patienten können diese in Anspruch nehmen – unabhängig davon, wo sie wohnen“, erörtert der LRH-Direktor. Dennoch möchten mehrere Krankenhäuser diesbezüglich nachrüsten. Das Land sollte sich mit dieser Thematik – insbesondere den Einsatzgebieten und die Ressourcenerfordernisse – umfassend auseinandersetzen.

Immer mehr urologische Behandlungen in Ambulanzen

Entsprechend den Zielsetzungen des Regionalen Strukturplans Gesundheit OÖ 2025 werden stationäre Leistungen zunehmend in den Ambulanzbereich verlagert. In Zahlen ausgedrückt stellt sich das folgendermaßen dar: Von 2016 bis 2019 wurden 139.450 stationäre Leistungen abgerechnet; bis 2018 sind diese kontinuierlich angestiegen. Ab 2019 reduzierten sie sich um rund 22 Prozent auf weniger als 30.000 Leistungen im Jahr. Die Gesamtzahl der ambulanten Leistungen lag zwischen 2017 und 2019 bei rund 647.300 Leistungen, von 2018 auf 2019 stiegen sie um mehr als 23.000 an.

Für die Ambulanzversorgung gilt ein Bepunktungsmodell, das in Oberösterreich erst seit 2019 verpflichtend umzusetzen ist. „Hier muss die Datenqualität noch verbessert werden, um mehr Aussagekraft für künftige Planungen zu bekommen“, erklärt der LRH-Direktor.

Bei den bundesweit beobachtet und verglichenen urologischen Leistungen erhöhte sich 2019 der Tagesklinik-Anteil in Oberösterreich um 0,4 Prozent auf 57,6 Prozent. Ziel wären 60 Prozent gewesen; diese haben aber nur einzelne Krankenanstalten in Oberösterreich erreicht. „Die Zielvereinbarungen zur Steigerung des Tagesklinik-Anteils sehen wir positiv; es gilt aber, das Potential stärker auszuschöpfen, denn die geprüften Einzelleistungen haben doch eine recht hohe Bandbreite beim Tagesklinik-Anteil gezeigt“, sagt Pammer.

Versorgungsprozesse umstellen, damit Katheterleistungen zum Wohl der Patienten näher am Wohnort erfolgen

27.901 der spitalsambulanten Leistungen entfielen von 2017 bis 2019 auf die Anlage oder den Wechsel eines Katheters. Die betroffenen Patientinnen und Patienten sind zumeist älter oder auch weniger mobil und müssen mittels Krankentransport in die Ambulanz gebracht werden. Diese Leistungen wären grundsätzlich im niedergelassenen Bereich zu erbringen; gesetzlich dürfen auch fachlich versierte Pflegekräfte auf ärztliche Anordnung Katheterwechsel vornehmen. „Im Sinne der Patientenfreundlichkeit sehen wir hier Handlungsbedarf, um den Patienten diese Dienste möglichst wohnortnahe beim Arzt oder direkt in Alten- und Pflegeheimen anzubieten“, sagt Pammer abschließend.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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