Hier wächst der Wald der Zukunft –Starke Nachfrage nach standortgerechten Forstpflanzen

Der Waldumbau in Oberösterreich hin zu mehr Baumartenvielfalt und einem höheren Laubbaumanteil ist in vollem Gange. Dabei können sich die rund 42.000 Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer auf starke Forstpflanzenzüchter im Land verlassen. Oberösterreich zeichnet für rund die Hälfte der im Inland produzierten Forstpflanzen verantwortlich. Damit ist gesichert, dass unsere Waldbesitzer den richtigen Baum für den richtigen Standort aus der Region beziehen können.“

Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger

Der Wald als unsere gemeinsame Verantwortung

Gut 42 Prozent der Landesfläche Oberösterreichs sind mit Wald bedeckt. Wald ist damit der bestimmende Lebensraumtyp, hat als natürlicher Lebensraum, als Wirtschaftsfaktor für die starke heimische Holzverarbeitung und als Erholungsraum und Schutzraum für die Bevölkerung eine überragende Bedeutung. Corona hat die Nutzung der Wälder zur Erholung noch einmal beträchtlich verstärkt. Oberösterreich ist ganz klar ein Waldland und soll es auch bleiben. Um den kommenden Generationen gesunde Waldgesellschaften zu überlassen, ist konsequente Waldpflege und Wiederaufforstung notwendig.

„Der Klimawandel macht unseren Wäldern zu schaffen und fordert unsere 42.000 Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in Oberösterreich massiv. Vor allem Fichtenreinbestände geraten in Bedrängnis, wie die Borkenkäferschäden aufgrund der Trockenheit der letzten Jahre leidvoll vor Augen geführt haben. Das Zauberwort heißt daher: Waldumbau! Ziel des Umbaus sind stabile und strukturreiche Mischwälder, die zu mindestens 30 Prozent aus Laubbäumen bzw. Tanne und Douglasie bestehen“, gibt Agrar- Landesrat Max Hiegelsberger das Ziel vor.page2image3002617552

1

Es gibt zwei Wege, um Wälder umzubauen. Einerseits durch Naturverjüngung, andererseits durch die Aufforstung von vorgezogenen Forstpflanzen. Um den laufenden Waldumbau weiter vorantreiben zu können, kommt daher den Forstpflanzenzüchtern eine entscheidende Rolle zu.

Oberösterreich befindet sich mitten im Waldumbau

In Hinblick auf den Klimawandel und seine Folgen sind die Wahl der Baumarten und die Genetik der Forstpflanzen entscheidend für stabile und schadensresistente Bestände. Das einmal gewählte Pflanzgut ist Produktionsgrundlage für viele Jahrzehnte und erfolgsbestimmender Faktor für einen ertragreichen Waldbestand. Die Waldbesitzer/innen entscheiden heute über den Wald der nachkommenden Generationen.

Die Tendenz zu ökologisch wertvollen Laubwäldern setzt sich fort, das zeigen die Zahlen der geförderten Aufforstungen. Baumarten wie Stieleiche, Rotbuche oder Bergahorn führen hier die Laubholzstatistik an.
Aber auch die wirtschaftlich notwendigen Nadelhölzer wie Tanne, Lärche und Douglasie wurden gepflanzt. „Einen wesentlichen Anreiz zur notwendigen Wiederaufforstung leisten die vom Oö. Landesforstdienst abgewickelten forstlichen Förderungen. Diese haben in den letzten Jahren eine immer wichtigere Rolle eingenommen, wie Abbildung 2 zeigt. Mit 20 Millionen Euro an Landesmitteln wurden in den letzten fünf Jahren 15 Millionen Bäume gepflanzt. Der entstehende Jungwald ist mit seiner erhöhten Baumartenvielfalt entschieden besser an die sich verändernden klimatischen Bedingungen angepasst“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger (siehe Abbildung 1).

Die zur Aufforstung verwendeten Baumarten bestehen je zur Hälfte aus Laub- und aus Nadelholz. Beim Laubholz führen die Eichenarten mit 20 Prozent die Statistik an, gefolgt von Buche mit 15 Prozent, Bergahorn mit 10 Prozent sowie fünf Prozent an verschiedenen Edellaubhölzern wie Vogelkirsche und Nussbäume. Beim Nadelholz gibt es eine andauerndepage3image3011968368

2

Verschiebung weg von der reinen Fichte hin zu mehr Vielfalt. Die Verteilung gliedert sich in 15 Prozent Fichte, 15 Prozent Weißtanne, 12 Prozent Lärche und 8 Prozent Douglasie. Vor 35 Jahren lag der Anteil der Fichte noch bei rund 90 Prozent.

Abbildung 1: Baumartenzusammensetzung bei geförderten Wiederaufforstungen (Quelle: Abteilung LFW, Land OÖ)

In den tieferen Lagen ersetzen Tanne, Lärche und Douglasie zunehmend die Fichte und stellen gleichermaßen interessante Wirtschaftsbaumarten dar. Unter den Nadelhölzern weisen sowohl Tanne als auch Douglasie höhere Zuwächse als die Fichte auf und kommen auch besser mit wärmeren und trockeneren Bedingungen zurecht.

Durch den auf Bundesebene eingerichteten Waldfonds werden auch Pflegemaßnahmen wie Durchforstungen gefördert. Die Stammzahlreduktion verbessert die Stabilität, Vitalität und Qualität der Bestände. Derartige Pflegemaßnahmen sind daher klar im öffentlichen Interesse.page4image3002996704

3page5image3012089824

Abbildung 2: Entwicklung der beantragten Förderungen (Quelle: Abteilung LFW, Land OÖ)

Heimische Forstpflanzenzucht ist wichtige Grundlage der erfolgreichen Forstwirtschaft

Es ist für Oberösterreich wichtig, dass leistungsfähige Forstgärten den Pflanzenbedarf – insbesondere nach Katastrophen – decken können. In Oberösterreich entstehen rund 40 bis 50 Prozent der gesamten österreichweiten Produktion. Schwerpunkte der Branche sind das Innviertel sowie das östliche Mühlviertel, wo die bäuerlichen Forstpflanzenzüchter mit Obfrau DI in Viktoria Jachs-Kastler ihren Sitz haben. Hier sichert die Forstpflanzenproduktion die Existenz mehrerer Familienbetriebe.

Dem Verband der österreichischen Forstbaumschulen steht Mag. Hannes Gadermair vor, dessen Betrieb im Innviertel produziert. Die Produktion der für die Wiederbewaldung der großen Kahlflächen benötigten Jungpflanzen fordert die gesamte Branche. Auch wenn die Bedeutung der Naturverjüngung zugenommen hat, so erfordert gerade der Klimawandel auch die Einbringung klimafitter Baumarten von außen.page5image3032544224

4

„Waldökosysteme reagieren sehr empfindlich auf die klimatischen Veränderungen. Bäume sind an das herrschende Klima ihrer Lebensräume optimal angepasst und tun sich mit dem aktuell sehr rasch voranschreitenden Klimawandel schwer. Um ein optimales Wachstum auch in den kommenden Jahrzehnten zu erreichen, gilt es neben der Änderung der Baumartenzusammensetzung auch die Genetik der Bäumchen an das zukünftige Klima anzupassen. Dazu werden Herkünfte aus wärmeren Gebieten verwendet. Bei der Wiederbewaldung von Kahlflächen hat die gezielte Aufforstung neben der Naturverjüngung daher eine große Bedeutung, um einen klimastabilen Bestand zu erhalten“, so Mag. Hannes Gadermair.

Auf die Gene kommt es an – auch bei Forstpflanzen

Die genetische Variation innerhalb einer Baumart ist ein wichtiger Bestandteil der biologischen Vielfalt der Wälder. Es ermöglicht den Waldökosystemen, sich an Veränderungen der Umwelt anzupassen. Der Einfluss der Genetik auf das Wachstum der Bäume wird oft unterschätzt. Ein fachgerecht gepflanzter Baum wächst meistens auch, doch kann er das vorhandene Standortspotential auch optimal nutzen? Passen Bodentyp und klimatische Bedingungen zu den Standortansprüchen seiner Gene?

Wie ein Vergleich von Weißtannenherkünften aus Österreich (Hausruck und Gosau) mit Herkünften aus Süditalien (C120 und C39) zeigt (siehe Abbildung 3), wächst die Herkunft aus den Süden jetzt schon deutlich besser als die einheimischen. Durch den Klimawandel wird sich diese Tendenz noch verstärken. Die richtige Herkunft hat nicht nur Einfluss auf den Ertrag, sondern auch auf die CO2-Bindung im Holz. Die österreichischen Forstpflanzenproduzenten erzeugen generell zertifizierte Forstpflanzen entsprechend dem Forstlichen Vermehrungsgut Gesetz. Die Forstpflanzen bekommen bereits bei der Saatgutbeerntung ein vom Bundesamt für Wald vergebenes Stammzertifikat – vergleichbar mit denpage6image3032686160

Ohrmarken bei Nutztieren 

das während dem gesamten

5

Produktionsprozess »mitläuft«. Zurzeit arbeitet das Bundesforschungszentrum für Wald in Zusammenarbeit mit dem Verband der österreichischen Forstbaumschulen ein erweitertes Zertifizierungsverfahren aus, das die genetische Überprüfbarkeit der am Markt befindlichen Pflanzen verbessern soll“, so Gadermair.

Abbildung 3: Zuwachsleistung verschiedener Weißtannenherkünfte auf einer Versuchsfläche in Niederneukirchen (Quelle Abteilung LFW, Land OÖ)

Verband österreichischer Forstbaumschulen stellt sich auf neue Baumartenauswahl ein

Der Verband österreichischer Forstbaumschulen weist 21 Mitglieder aus ganz Österreich auf, darunter auch die beiden „Big Player“ Murauer und Lieco. Die Mitgliedsbetriebe erzeugen rund 75 Prozent der in Österreich produzierten Forstpflanzen.page7image3032866736page7image3032867024page7image3032867328

6

Die Baumartenzusammensetzung hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren grundlegend geändert. War vorher Fichte mit zwei Drittel der Menge absolut vorherrschend, so haben Tanne, Douglasie und die Laubholzarten (besonders Eichenarten) stark aufgeholt.

Die Produktion muss langfristig umgestellt werden, da Nadelhölzer rund vier Jahre und Laubhölzer drei bis vier Jahre Produktionszeit haben. Bei Laubbäumen kommt als Herausforderung hinzu, dass das Saatgut nicht sehr lange lagerbar ist, besonders im Vergleich zu Fichte oder Lärche.

Verein bäuerlicher Forstpflanzenzüchter

Der BFZ wurde 1963 auf Initiative der Landwirtschaftskammer OÖ gegründet. Er vereinigte viele bäuerliche Betriebe des Mühlviertels, welche im Zusatzerwerb zur Landwirtschaft Forstpflanzen produzierten, zu einem Erzeugerverein. Die Zentrale in Helbetschlag (Grünbach bei Freistadt) ist mit einem speziellen Mantelkühlhaus, Büro und Verkaufsstelle Dreh- und Angelpunkt des Vereins.

„Mit dem Erwerb der OÖ Landesforstgärten 2006 und weiteren vier Verkaufsstellen in OÖ und NÖ ist der Verein mit jährlich über 2,2 Millionen erzeugten Pflanzen einer der größten Forstpflanzenproduzenten Österreichs. Ein wesentlicher Kundenkreis sind bäuerliche Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, aber auch Forstverwaltungen, Genossenschaften, andere Baumschulen und viele mehr dürfen wir zu unseren Kunden zählen“, erläutert Obfrau DI in Viktoria Jachs-Kastler: „Wie die Abbildung 4 zeigt, verlagert sich die Verteilung der verkauften Baumarten in den letzten Jahren massiv. Die Fichte verliert stark an Anteilen, Lärche, Tanne und Stieleiche sind stark am Steigen.“

Die Produktpalette erstreckt sich von unterschiedlichsten Nadel- und Laubhölzern in verschiedenen Sortierungen (auch im Container) bis hin zu einer großen Auswahl an Landschaftsgehölzen und Christbaumpflanzen. Auf Wunsch werden auch Aufforstungen als Dienstleistung angeboten und durchgeführt.page8image2932545376

7page9image2932610176page9image2932610368

Abbildung 4: Änderung der Verkaufszahlen in Prozent beim Verein Bäuerlicher Forstpflanzenzüchter weg von der Fichte (Quelle: BFZ)

Firma Gadermair – Forstlicher Komplettanbieter

Die Baumschule Gadermair hat sich auf die Produktion von Forstpflanzen, Wildsträucher und Christbaumpflanzen spezialisiert. Der Betrieb ist ein Gesamtanbieter im Bereich forstlicher Jungbestand.
Es werden wurzelnackte Pflanzen produziert, die forstlichen Hauptbaumarten werden auch als Containerpflanzen angeboten.

Neben den Pflanzen werden auch alle Arbeiten rund um eine erfolgreiche Aufforstungsmaßnahme angeboten. Im späten Frühjahr 2021 geht ein neuer Onlineshop in Betrieb. Gadermair beschäftigt zur Saisonspitze bis zu 16 Mitarbeiter/innen.

Produktions- und Vorbereitungsfläche Baumschule: ca. 20 ha 8page9image3012167216

Produktions- und Vorbereitungsfläche Christbäume: ca. 8 ha
Verkauf, Auslieferung und das Kühlhaus befindet sich in Untersunzing in der Gemeinde Mining.
Produktionsstandorte sind Geinberg, Mühlheim und Mining.

Forstbaumschule Jachs – Familienbetrieb in dritter Generation

Die Forstbaumschule Jachs aus Leopoldschlag wird in dritter Generation von DI Viktoria und Martin Jachs-Kastler geführt und ist seit der Gründung des BFZ ein Mitgliedsbetrieb.
Auf zirka 11 Hektar Freilandfläche werden die wichtigsten Laub- und Nadelgehölze der Region für Landschaft und Wald sowie ein gut ausgewähltes Sortiment an Christbaumpflanzen gezogen und kultiviert.

Um die Herkunftssicherheit garantieren zu können und auf frisches und qualitativ hochwertiges Saatgut für die Forstpflanzen zurückgreifen zu können, werden genetisch anerkannte und gut geeignete Bestände selbst beerntet. Mit jahrelanger Erfahrung wird das Saatgut mit höchster Sorgfalt in der betriebseigenen Klenge aufbereitet, geklengt und getrocknet, um somit das bestmögliche Ausgangsmaterial für die eigenen Forstpflanzen und die der weiteren Mitgliedsbetriebe des BFZ zu erhalten.

Bildtext: DI Christoph Jasser von der Abteilung Land- und Forstwirtschaft, Mag. Hannes Gadermair – Obmann des Verbandes der österreichischen Forstbaumschulen, Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger und DI Viktoria Jachs-Kastler – Obfrau des Vereins der Bäuerlichen Forstpflanzenzüchter (BFZ) auf einer Tannen-Versuchsfläche in der Nähe von St. Florian

Fotos: Land OÖ/ Lisa Schaffner bzw. Tina Gerstmair

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error: (c) by salzTV