OÖ Bauernbund: „Made by Bauern“ versus „Made in Austria” – ein Faktencheck

Seit dem Skandal über die FFP2-Masken der Firma Hygiene Austria wird auch verstärkt über die Herkunftsbezeichnung „Made in Austria“ gesprochen. „Im Gegensatz zum „rot-weiß-roten AMA-Gütesiegel“, welches zu 100 Prozent die österreichische Herkunft garantiert, finden sich aber bei der Bezeichnung „Made in Austria“ viele Ungereimtheiten wieder“, erklärt OÖ Bauernbund-Landesobmann LR Max Hiegelsberger.

Das Label „Made in Austria“ ist allgemeinhin bekannt und jeder hat es mehr oder weniger bewusst schon wahrgenommen. Viele Menschen verbinden damit ein qualitativ hochwertiges Produkt das aus Österreich stammt. Doch das ist leider nur selten der Fall. Die österreichische Rechtsordnung definiert keine Regeln für das Anbringen und die Verwendung des Labels, jedoch dürfen irreführende Angaben (§ 2 Abs. 1 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb) über die Herkunft eines Erzeugnisses nicht gemacht werden.

Ein OGH-Urteil aus dem Jahre 2015 betreffend eines österreichischen Familienunternehmens ging sogar noch einen Schritt weiter. Die Forellenfilets stammten aus Italien wurden aber in Österreich geräuchert und verpackt. Laut der Wirtschaftskammer Österreich trug die Vorderseite der Verpackung folgende Aufschriften:

  • Geräuchertes Forellenfilet
  • über feinem Buchenholz in Österreich geräuchert
  • Österreichischer HACCP und IFS-zertifizierter Familienbetrieb

Das Gericht kam zu dem Urteil, dass die Konsumenten bezüglich der Herkunft der Fischteile getäuscht wurden, da ein Verbraucher annimmt, dass das gesamte Produkt aus Österreich stammt. Der Hinweis hinsichtlich der italienischen Herkunft der Rohware auf der Verpackungsrückseite ist nicht geeignet diese Irreführung aufzuheben.

AMA-Gütesiegel – Konsumenten haben großes Vertrauen

Eine Statista-Umfrage hat ergeben, dass das „klassische, rot-weiß-rote“ AMA-Gütesiegel und das AMA-Bio-Siegel bei mehr als 60 Prozent der Befragten Vertrauen genießen.

Das AMA-Gütesiegel ist das bekannteste Gütesiegel am österreichischen Lebensmittelmarkt und steht für heimische Produktion und Spitzenqualität. Über 45.000 landwirtschaftliche Betriebe produzieren für das AMA-Gütezeichen. In weiterer Folge werden ihre Produkte von knapp 800 Betrieben weiterverarbeitet, zum Kauf verfügbar gemacht und mit dem AMA-Gütesiegel versehen. „Was jedoch viele nicht wissen ist, dass ein Produkt, um dieses Siegel zu bekommen, nicht nur in Österreich hergestellt, sondern auch verarbeitet werden muss. Dies gilt für alle (Teil-)Zutaten, sofern diese in Österreich herstellbar sind. Es darf also keiner der Produktionsschritte im Ausland stattfinden. Diese Kriterien werden auch streng überprüft“, versichert Bauernbund-Landesobmann LR Max Hiegelsberger.

Verpflichtende Herkunftskennzeichnung ermöglicht Wahlfreiheit

Die Umsetzung einer verpflichtenden nationalen Herkunftskennzeichnung (im Regierungsprogramm beschlossen) sowohl für die Gemeinschaftsverpflegung als auch bei verarbeiteten Produkten ist durch Gesundheitsminister Rudolf Anschober immer noch ausständig. „Es geht bei der Herkunftskennzeichnung nicht um Patriotismus, sondern darum, den Konsumenten die Wahlfreiheit beim Einkauf zu ermöglichen. Unzählige Umfragen haben den Wunsch der Konsumenten nach einer verpflichtenden Herkunftsangabe bestätigt. Und auch für die Umwelt und unsere Bäuerinnen und Bauern wäre eine rasche Umsetzung nur begrüßenswert“, erklärt Hiegelsberger.

Bildquelle: OÖ Bauernbund
Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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