Beschäftigte in Altersheimen rasch durch externe Testteams entlasten

Die nun gültige vierte Covid-19-Schutzmaßnahmenverordnung sieht vor, dass Beschäftigte in Alters- und Pflegeheimen alle drei Tage getestet werden müssen, ebenso muss dies Bewohner/-innen, die das Heim z.B. für einen Spaziergang oder einen Einkauf verlassen, so oft angeboten werden. Ansonsten muss diesen einmal pro Woche ein Test ermöglicht werden. Diese Tests werden fast ausschließlich in den Heimen durch hauseigenes Personal, d.h. diplomierte Pflegekräfte, vorgenommen. Abstrich nehmen, Auswertung und Verständigung der Betroffenen – all das bindet enorm viele Ressourcen beim Personal, das jetzt schon am Limit ist. „Die ohnehin schon überlasteten Beschäftigten in den Heimen brauchen dringend Entlastung durch den Einsatz externer Testteams“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer (Titelbild).

Die bisherigen zusätzlichen Mitarbeiter/-innen durch das Arbeitslosenprojekt mit dem FAB – 207 Personen für 117 Heime in ganz Oberösterreich – werden vor allem für das Besuchsmanagement und unterstützende Tätigkeiten eingesetzt. Testungen dürfen nur durch Fachpersonal vorgenommen werden. „Leider werden ständig neue Verordnungen erlassen, ohne an die bereits überlasteten Pflegekräfte zu denken. Das ständige an und über die Grenzen gehen der Beschäftigten in den Alten- und Pflegeheimen geht letztlich auch zu Lasten der Heimbewohnerinnen und Heimbewohner sowie deren Angehörigen. Bei allem Verständnis für die Sinnhaftigkeit des wiederholten Testens, aber ohne zusätzliche personelle Ressourcen kann das von den Beschäftigten nicht länger geleistet werden“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Stellvertretend für ihre Berufskollegen/-innen berichtet eine Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin aus ihrem Berufsalltag: „Pro Bewohnerin und Bewohner benötige ich durchschnittlich 12 Minuten fürs Testen. Dazu kommt noch die Zeit, um den gesamten Ablauf zu dokumentieren. Ein eigener Dienst arbeitet von morgens bis abends nur an den Testungen. Am Nachmittag unterstützt die diensthabende Diplompflegerin das Testen. Das Testen der Beschäftigten benötigt durchschnittlich acht Minuten pro Person.“ Hochgerechnet benötigen die 134 Heime in Oberösterreich mindestens 200 Personaleinheiten zusätzlich– und das zu einer Zeit, in der auch sonst die Arbeit, z.B. für Hygienemanagement sowie Gespräche, um die Vereinsamung der Bewohner/-innen zu mildern, immer mehr wird.

Die AK OÖ fordert eine rasche Unterstützung in den Alters- und Pflegeheimen bei den Testungen durch zusätzliches Fachpersonal oder fliegende, externe Testteams. Außerdem braucht es eine dringende Rückkehr zum Mindestpflegepersonalschlüssel als absolute Untergrenze – derzeit ist nicht einmal diese eingehalten.

Mobile Pflege wird völlig vergessen

Der AK-Präsident kritisiert außerdem, dass auf die Mobile Pflege und Betreuung völlig vergessen wird: „Die Regierung spricht immer nur von den Heimen. Für die Mobile Pflege fehlt es völlig an Klarheit und Rechtssicherheit. Den Organisationen einfach die Tests zu schicken, ist zu wenig. Hier braucht es explizite gesetzliche Klarstellungen zu Testintervallen und dazu, dass diese in der Arbeitszeit stattfinden.“ Das schaffe auch Sicherheit für die Gepflegten. Gleiches gelte fürs Impfen: Es brauche Klarheit, wer wann drankomme. Hier dürfe der Fokus nicht nur auf die Heime gerichtet werden. Wenn man als Regierung immer wieder davon spreche, dass die Pflege daheim jener im Heim vorzuziehen sei, dann dürfe man die in der Mobilen Pflege arbeitenden Menschen nicht derartig ignorieren, so Kalliauer. Darüber hinaus bleiben die grundsätzlichen Forderungen der AK zur Pflege aufrecht: höhere Bezahlung und deutlich höhere Personalbemessung.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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