Wirtschafts-Landesrat Markus ACHLEITNER, Präsident des Instituts für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik (IAA):


Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben

Die Corona-Pandemie hat nach wie vor schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen, auf die Gesellschaft und auf weite Teile der Wirtschaft. Daneben hat das Virus aber auch verschiedene Entwicklungen massiv beschleunigt: Corona war ein Turbo für die Digitalisierung, so war in vielen Unternehmen eine Weiterarbeit nur noch im Homeoffice möglich. Das hat auch bisher festgefahrene unterschiedliche Haltungen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Seite über den Nutzen von Homeoffice in Bewegung gebracht. Um zu erforschen, wie es den Betrieben und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im vergangenen Jahr mit dem Arbeiten im Homeoffice ergangen ist, wie sie jeweils diesen Umbruch in der Arbeitswelt beurteilen und welche Sichtweisen es in Bezug auf Homeoffice- Möglichkeiten auch nach der Pandemie gibt, hat das Institut für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik (IAA) auf meine Initiative hin im Herbst des vergangenen Jahres eine große Arbeitsmarktstudie zum Thema ‚Homeoffice in Oberösterreich‘ gestartet“, betont Wirtschafts- Landesrat Markus Achleitner, Präsident des Instituts für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik (IAA).

Das IMAS-Institut hat dazu im Dezember 2020 und im Jänner 2021 sowohl 400 Unternehmer/innen, die 2020 Homeoffice angeboten haben, als auch rund 350 unselbständig Erwerbstätige, die 2020 im Homeoffice waren, befragt. Die Ergebnisse der Studie, an der auch Arbeitsrechtsexperte und IAA-Beiratsmitglied Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Mazal mitgewirkt hat, werden in die künftige Arbeitsmarkt- undWirtschaftspolitik in Oberösterreich einfließen“, erklärt Achleitner.

Corona als Turbo für die Digitalisierung:

Corona hat vielfach auch digitale Geschäftsmodelle beschleunigt: So wie Homeoffice oft die einzige Möglichkeit war weiterzuarbeiten, so konnten viele Unternehmen ihre Produkte nur noch über Webshops anbieten. Daher hat das Land OÖ bereits im Frühjahr des Vorjahres gemeinsam mit der Wirtschaftskammer OÖ das Förderprogramm „Digital Starter“ für den Einstieg von Betrieben in die Digitalisierung gestartet:

 Bis jetzt wurden 1.860 Digitalisierungsvorhaben von Unternehmen in Oberösterreich mit sieben Mio. Euro gefördert.

Homeoffice braucht schnelles Internet:

Der aufgrund der Auswirkungen des Corona-Virus steigende Bedarf an Datenvolumen aufgrund von Homeoffice und Videokonferenzen, aber etwa auch e-Learning hat ebenfalls als Turbo für die Digitalisierung gewirkt. Damit hat sich als richtig erwiesen, dass Oberösterreich schon seit längerem den Ausbau seiner Infrastruktur für schnelles Internet massiv vorangetrieben hat. Der Breitbandausbau in Oberösterreich wird auch weiterhin intensiv fortgesetzt.

  •   Für den Ausbau von schnellem Internet ist es ein entscheidender Faktor, dass Oberösterreich bei den bisher zugesagten Förderungen aus der Breitband-Milliarde des Bundes von allen Bundesländern die mit Abstand meisten Mittel abgeholt hat. Mit 276,4 Mio. Euro ist es beinahe das Doppelte der ursprünglich unserem Bundesland vorgesehenen Fördersumme, bei insgesamt 801,9 Mio. Euro gewährten Förderungen für alle Bundesländer.
  •   „Insgesamt werden im Zeitraum von 2018 bis 2022 406 Mio. Euro an öffentliche Mittel – von Land OÖ, Bund und EU – in den Glasfaserausbau in unserem Bundesland investiert. Dadurch werden Investitionen von rund 650 Mio. Euro in den Breitbandausbau in Oberösterreich ausgelöst. Im Rahmen des ‚Oberösterreich-Planes‘ werden nun noch zusätzlich 25 Mio. Euro in den Ausbau des schnellen

Homeoffice braucht Sicherheit für Betriebe und Mitarbeiter/innen:

„Die Arbeitsmarktumfrage hat auch ergeben, dass sowohl seitens der Betriebe als auch der Mitarbeiter/innen die Flexibilität als größter Vorteil des Homeoffice gesehen wird. Zugleich gibt es aber auch von beiden Seiten den starken Wunsch nach klaren Regelungen für Homeoffice gibt. Dieser Erwartungshaltung ist der Bund mit dem Ende Jänner präsentierten ‚Homeoffice-Paket‘ nachgekommen. Oberösterreich hat sich in die Verhandlungen auf Bundesebene zwischen Regierung und Sozialpartner ebenfalls eingebracht“, erklärt Achleitner.

 „Planungssicherheit ist eine wesentliche Voraussetzung für die Akzeptanz von Homeoffice. Die Regelungen im ‚Homeoffice-Paket“ des Bundes bringen die gewünschte Klarheit für die Betriebe und ihre Beschäftigten“, so Landesrat Achleitner.

Homeoffice erhöht Effizienz und spart Zeit und Ressourcen:

Videokonferenzen haben sich aus der ursprünglichen Notwendigkeit heraus als sinnvolle Alternative für Besprechungen mit physischer Anwesenheit erwiesen.

  •   Homeoffice erhöht die Effizienz und spart auch Zeit und Ressourcen. Videokonferenzen können auch schnell und kurzfristig organisiert werden und ersparen auch Anfahrtswege.
  •   „Homeoffice hat 2020 auch spürbare Auswirkungen auf das Verkehrsgeschehen gehabt, auch der PKW-Verkehr hat sich massiv verringert. Nicht zuletzt aufgrund der Stauproblematik auf dem Weg von und zur Arbeit wird es sinnvoll sein, dass Betriebe auch nach der Pandemie Homeoffice zumindest tageweise anbieten“, betont Achleitner.

Homeoffice wird künftig wichtige Ergänzung für den Arbeitsmarkt sein:

Die Studie hat weiters ergeben, dass Arbeitnehmer/innen zu rund 50 % zuhause arbeiten wollen, während Unternehmer/innen 1/3 Homeoffice und 2/3 Büro als Zukunftslösung sehen. Das zeigt, dass wohl eine Mischform das Modell der Zukunft sein wird,

  •   „Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben, Aber nicht als generelle Alternative zur Tätigkeit im Betrieb, sondern als wichtige Ergänzung. Vielfach wurde der Verlust an sozialen Kontakten sowohl zu den Kolleg/innen als auch zu den Kund/innen als Nachteil angeführt. Auch ist beispielsweise die Lehrlingsausbildung ohne physische Anwesenheit nicht vorstellbar“, unterstreicht Landesrat Achleitner.
  •   „Es wird daher künftig verstärkt Mischformen geben. Gerade vor dem Hintergrund des trotz Corona nach wie vor bestehenden Fachkräftebedarfs wird es auch ein zunehmend wesentlicher Faktor für die Attraktivität von Arbeitgebern sein, dass sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch geeignete Homeoffice-Möglichkeiten bieten“, hebt Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner hervor.

DDr. Paul EISELSBERG, Senior Research Director IMAS International:

Hohe Zufriedenheit mit dem Homeoffice, künftig Mischform gewünscht

„Ziel dieser empirischen Untersuchung im Rahmen der Arbeitsmarktstudie ‚Homeoffice in Oberösterreich‘ war es, zentrale Einstellungen, Erfahrungen und Einschätzungen von oö. Unternehmer mit mehr als fünf Mitarbeitern, die 2020 Homeoffice angeboten haben, rund um das Homeoffice zu erheben und im Vergleich zu den Sichtweisen von unselbständig Erwerbstätigen in Oberösterreich, die 2020 im Homeoffice waren, darzustellen“, erklärt DDr. Paul Eiselsberg, Senior Research Director IMAS International.

  •   Befragt wurden einerseits 400 oö. Unternehmer/innen im Zeitraum vom 15. bis 18. Dezember 2020 sowie vom 11 bis 14. Jänner 2021.
  •   Ebenso wurden andererseits 346 unselbständig Erwerbstätige im Zeitraum vom 18. Dezember 2020 bis 10. Jänner 2021 befragt.

Zentrale Ergebnisse aus der Befragung „Homeoffice in “:

Starke Veränderung der Arbeitswelt ist spürbar:

  •   Ein eindeutiges Bild gibt es sowohl bei Unternehmern als auch Beschäftigten: Corona verändert die Arbeitswelt nachhaltig. Digitale Meetings und Homeoffice sind gekommen um zu bleiben.
  •   Aber auch Veränderungen im Bereich Weiterbildung und zusätzlichen Bedarf an technischen Wissen und Ausrüstung werden erwartet. Die Führung von Mitarbeitern definiert sich teilweise neu.

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Hohe Zufriedenheit mit Homeoffice – sowohl bei Unternehmern als auch bei Erwerbstätigen:

 Die Zufriedenheit mit dem Homeoffice ist hoch, mehr als 3 von 4 der befragten Unternehmen stellen ein zumindest gutes Zeugnis aus, unter den Erwerbstätigen rund jeder Zweite.

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Flexibilität Hauptgrund für Zufriedenheit mit dem Homeoffice:

  •   Flexibilität und freie Zeiteinteilung waren sowohl für Unternehmer als auch Erwerbstätige der Hauptgrund für die Zufriedenheit mit dem Homeoffice.
  •   Weitere wesentliche Gründe waren das problemlose Funktionieren sowie „kein Anfahrtsweg, Zeit- und Kostenersparnis, kein Stau“ und die schnelle Schaffung der technischen Voraussetzungen mit Hard- und Software.

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Voraussetzungen für Homeoffice: Technische Ausstattung, rechtliche Sicherheit in Bezug auf Datenschutz und Unfällen sowie Breitband:

  •   Sowohl in den Augen der befragten Unternehmen als auch der Erwerbstägigen gibt es für Homeoffice viele Voraussetzungen: neben der technischen Ausstattung ist die rechtliche Absicherung sehr wichtig, etwa in Bezug auf den Datenschutz oder auch bezüglich Unfällen zuhause. Wobei die Befragung noch vor der Präsentation des „Homeoffice-Pakets“ des Bundes durchgeführt worden ist.
  •   Weiters ist auch die Breitbandversorgung als vordringlich genannt worden.

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Trotz Zufriedenheit mit dem Homeoffice zeigen sich auch Vorteile für die Berufstätigkeit im Büro:

  •   Für Homeoffice spricht eindeutig die Flexibilität, weitere Aspekte wie Gruppendynamik, soziale Kompetenz, Kommunikation und Kundenorientierung werden eher dem Büro zugesprochen.
  •   Auch die Integration von neuen Mitarbeitern gilt als schwierig, die Einarbeitung von Lehrlingen gilt überwiegend als unmöglich.

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Homeoffice als Herausforderung für oö. Betriebe und die Erwerbstätigen:

 Sowohl die befragten Unternehmen als auch die Erwerbstätigen haben das Homeoffice zu einem überwiegenden Teil im Vergleich zur Zeit davor als herausfordernder erlebt, die Erwerbstätigen nicht ganz so ausgeprägt.

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Führung von Mitarbeitern Im Homeoffice wichtiger geworden:

 Für mehr als die Hälfte der Unternehmen ist die Führung von Mitarbeitern durch das Homeoffice wichtiger geworden, für 40 % ist das allerdings unverändert geblieben.

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Idealer Homeoffice Anteil liegt bei den Unternehmen bei einem Drittel und bei Erwerbstätigen bei rund 50 – Prozent Mischvariante wird bevorzugt, aber mit hohem Anteil Büro:

 Die befragten Arbeitgeberbetriebe sprechen sich klar für eine Mischvariante aus. Der Anteil an Homeoffice sollte im Durchschnitt bei 31 Prozent liegen.

 Die Erwerbstätigen wünschen sich rund 50 Prozent Homeoffice.

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Freitag, 5. Februar 2021

LR Achleitner / DDr. Eiselsberg / Univ.-Prof. Mazal / GF Derntl

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang MAZAL, Institutsvorstand-Stv. für Arbeits- und Sozialrecht an der Uni Wien:

Homeoffice als wesentlicher Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf

„In zahlreichen Settings kann Homeoffice auch ein wichtiger Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sein. Dabei kommt es vor allem darauf an, ein welchem Ausmaß Familienarbeit und Erwerbsarbeit zueinander stehen, wie die Wohnbedingungen sind, und wie die innerfamiliale Tätigkeit einschließlich familiennaher Dienstleistungen organisiert ist“, betont Univ.- Prof. Dr. Wolfgang Mazal, Institutsvorstand-Stv. für Arbeits- und Sozialrecht an der Universität Wien und IAA-Beiratsmitglied.

Homeoffice-Paket des Bundes guter Schritt:

„Das Homeoffice-Paket des Bundes, das auf Vorschlägen der Sozialpartner beruht, ist ein guter Schritt, um arbeitsrechtliche, sozialversicherungsrechtliche und steuerrechtliche Fragen zu regeln“, unterstreicht Univ.-Prof. Dr. Mazal. Wobei arbeitsrechtlichen Themen auch auf dem Boden des geltenden Rechts durch Vertragsgestaltung in der einzelvertraglichen Ebene sowie im Rahmen der bestehenden Kompetenzen für Betriebsvereinbarungen gelöst werden können. Auch das Arbeitnehmer- Schutzrecht und das Unfallversicherungsrecht enthalten bereits geeignete Regelungen.

Homeoffice als Unterstützung für den ländlichen Raum:

„Homeoffice in einer besonderen Spielart kann schließlich auch einen Beitrag zur Belebung von Ortskernen darstellen, wenn dort Co-Working-Spaces entstehen, in denen die Vorteile des Arbeitens im wohnnahen Umfeld mit den Vorteilen extrafamilialer Kommunikation verbunden werden“, so Univ.-Prof. Dr. Mazal.

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Freitag, 5. Februar 2021

LR Achleitner / DDr. Eiselsberg / Univ.-Prof. Mazal / GF Derntl

Über das Institut für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik (IAA):

Das IAA ist ein vom Land Oberösterreich basisfinanziertes, interdisziplinäres und unabhängiges Forschungsinstitut. Im Rahmen der Arbeitsmarkt- und Fachkräftestrategie „Arbeitsplatz OÖ 2030“ beobachtet und gestaltet das IAA welche Trends und Entwicklungen auf Personalverantwortliche sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter künftig zukommen und unterstützt Entscheidungsträger/innen bei der Planung umsetzbarer Maßnahmen.

Auch Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner tauscht sich regelmäßig mit Mitarbeiter/innen aus den verschiedensten Bereichen aus, die im Homeoffice sind.

Foto: Auch Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner tauscht sich regelmäßig mit Mitarbeiter/innen aus den verschiedensten Bereichen aus, die im Homeoffice sind.

©Land OÖ

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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