Asiatischer Laubholzbockkäfer in Gallspach erfolgreich ausgerottet – Österreich nach zwanzig Jahren wieder befallsfrei

Der Asiatische Laubholzbockkäfer, ein gefürchteter Schädling für nahezu alle heimischen Laubgehölze, hat in den vergangenen Jahren in Verpackungsholz den Weg nach Europa gefunden. Das erste Auftreten des Asiatischen Laubholzbockkäfers in Braunau konnte erst nach zwölf Jahren getilgt werden. 2012 wurde dann ein Auftreten in St. Georgen bei Obernberg und 2013 in Gallspach registriert. Der oberösterreichische Landesforstdienst hat umfangreiche Gegenmaßnahmen wie regelmäßige Sichtkontrollen, den Einsatz von Baumsteigern und Spürhunden durchgeführt. Mit der nunmehr dritten erfolgreichen Ausrottung des Asiatischen Laubholzbockkäfers in Oberösterreich ist Österreich damit nach 20 Jahren wieder befallsfrei.„Nach zwanzig Jahren konsequenter Arbeit kann ich nun mit Freude verkünden, dass Österreich wieder befallsfrei ist. Die Gegenmaßnahmen des Forstdienstes des Landes Oberösterreich haben nun auch in Gallspach die Etablierung dieses gefährlichen Baumschädlings erfolgreich verhindert. Damit wurde dieser gefährliche Baumschädling ausgerechnet im internationalen Jahr der Pflanzengesundheit 2020 in Österreich wieder ausgerottet“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Im Jahr 2001 wurde erstmals in Europa, im Stadtgebiet von Braunau, das Auftreten des EU-Quarantäneschädlings Asiatischer Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) festgestellt. Dieser Befall konnte erst nach zwölf Jahren intensiver Monitoring- und Bekämpfungsmaßnahmen gestoppt und der Schädling wieder ausgerottet werden.

Nach einem weiteren Befall in St. Georgen bei Obernberg im Bezirk Ried im Innkreis wurde Ende 2013 ein drittes oberösterreichischen Befallsgebiet im Ortszentrum von Gallspach, Bezirk Grieskirchen, entdeckt. Die aufwendigen und teuren Bekämpfungsmaßnahmen konnten 2020 erfolgreich abgeschlossen werden.

„Diese erfolgreichen Ausrottungen des Asiatischen Laubholzbockkäfers, der zu den 100 weltweit gefährlichsten Baumschädlingen zählt, sind ein Verdienst des oberösterreichischen Landesforstdienstes und der lokalen Verantwortlichen. Auch hier in Gallspach führte die gute Zusammenarbeit zwischen der betroffenen Bevölkerung und Gemeinde mit den für die Ausrottung zuständigen amtlichen Stellen schlussendlich zum Erfolg. Die Bevölkerung konnte mit offener Information gut eingebunden werden“, erläutert Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger: „Nachdem in Gallspach mit Ablauf des Jahres 2020 vier Jahre lang keine Befallssymptome gefunden wurden, können wir auch hier die erfolgreiche Bekämpfung des Schädlings verkünden.“

Gefürchteter Laubholz-Schädling

Der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) ist ein gefährlicher Laubholzschädling, der trotz entsprechender Importholzkontrollen auch immer wieder nach Europa mit unzureichend behandeltem Verpackungsholz aus dem südostasiatischen Raum eingeschleppt wird. Die Gefahr einer Einschleppung ist weiterhin permanent gegeben. Dieser gefährliche Schädling, der bei uns eine zweijährige Entwicklungszeit im Holz der Bäume durchläuft, kann in Europa nahezu alle heimischen Laubgehölze befallen und bei starkem Befall auch gesunde Bäume innerhalb weniger Jahre zum Absterben bringen. In der EU gilt diese Art daher als Quarantäneschädling, die zwingend zu bekämpfen ist. Inzwischen sind mehr als 40 Befallsgebiete in zehn europäischen Ländern aufgetreten. In 18 Befallsgebieten, davon drei in Oberösterreich, konnte dieser auch für gesunde Laubhölzer gefährliche Baumschädling nach aufwendigen und teuren Bekämpfungsmaßnahmen wieder erfolgreich ausgerottet werden.

„Wie Stichprobenkontrollen an Warenimporten zeigen, ist die Gefahr einer Neueinschleppung von gefährlichen Schädlingen weiterhin gegeben. Die in den vergangenen 20 Jahren intensiven und teuren Überwachungs- und Bekämpfungsmaßnahmen des Landes Oberösterreich zeigen, dass die Forderung nach einer konsequenten und lückenlosen Importholzkontrolle zum Schutz der Bäume erforderlich ist“, so Landesforstdirektorin DIin Elfriede Moser.

Aufwendiges Monitoring und Bekämpfungsmaßnahmen

Im Jahr 2001 wurde der Asiatische Laubholzbockkäfer im Stadtgebiet von Braunau im Bezirk Braunau am Inn erstmals in Europa entdeckt. Bei den Bekämpfungsmaßnahmen konnte noch nicht auf gesicherte Erfahrungswerte zurückgegriffen werden, sodass die Monitoring- und Bekämpfungsmethoden im Laufe der Zeit vom Forstdienst des Landes gemeinsam mit dem Bundesforschungszentrum für Wald erst kontinuierlich entwickelt wurden.

Entscheidend für eine erfolgreiche Bekämpfung ist die stetige Kontrolle aller Laubbäume auf Befallsmerkmale. Der rund 2 bis 3,5 cm große Käfer macht sich durch reiskorngroße Eiablagen in Rindenritzen an Stamm und Ästen der Bäume und kreisrunde Ausbohrlöcher am Ende der meist zweijährigen Entwicklung bemerkbar. Alle Laubhölzer im abgegrenzten Befallsgebiet werden durch die regelmäßige Sichtkontrolle im unteren Stammbereich, durch den Einsatz entsprechend ausgebildeter Spürhunde sowie von Baumsteigern für die Kontrolle in den Baumkronen auf Befallsanzeichen untersucht. Befallene Bäume werden schnellstmöglich entfernt und verbrannt, der Schädling damit an der Fortpflanzung gehindert.

Erst die Kombination dieser Maßnahmen hat zum Erfolg und den erfolgreichen Ausrottungen geführt. Die Bekämpfungsmaßnahmen wurden auch von EU-Kontrollorganen mehrmals überprüft, als zielführend bestätigt und in anderen europäischen Befallsgebieten übernommen.

Schutz des historischen Baumbestandes im Befallsgebiet Gallspach

Der Befall der Bäume im Ortszentrum von Gallspach wurde Anfang November 2013 entdeckt. Nach einer noch im Jahr 2013 durchgeführten ersten Befallskontrolle wurden 98 vom Asiatischen Laubholzbockkäfer befallene Bäume gefunden und das Befallsgebiet vorläufig abgegrenzt. Das Befallsgebiet befindet sich im Zentrum des Luftkurortes Gallspach mit Gesundheitseinrichtungen und dem barocken Wasserschloss. Aufgrund des besonderen gesellschaftlichen, kulturellen und ökologischen Wertes der dort befindlichen Bäume entschied Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger von der vorgeschriebenen vorsorglichen Fällung aller unbefallenen Wirtsbäume im 100 Meter Radius abzusehen und stattdessen ein umfassenden Monitoring durchzuführen. Die Bekämpfungskosten wurden seitens des Landes OÖ unterstützt. 

„Nachdem in unserem Ortszentrum bereits knapp 100 Bäume durch den Befall mit dem Asiatischen Laubholzbockkäfer vorsorglich gefällt worden waren, hätte eine Fortsetzung dieser Maßnahme in einem 100 Meter-Umkreis um die erste Befallsstelle die Komplettfällung des historischen Baumbestandes um unser wunderschönes Wasserschloss bedeutet.

In dieser Situation haben wir mit dem bekannten Schweizer Baumwissenschaftler Matthias Brunner MSc der Eidgenössischen Technischen Hochschule Kontakt aufgenommen und ihn mit Unterstützung des Instituts Zeileis zu einer Gesprächsrunde mit dem Bundesforschungsinstitut für Wald und mit NAbg. Roman Haider eingeladen. Matthias Brunner hat sehr erfolgreich in Europa und Asien Bauminjektionen zur Schädlingsbekämpfung durchgeführt.

Das Resultat dieser Gespräche war ein Stopp der Baumfällungen und eine mit dem Land OÖ erarbeitete alternative Lösung: die systematische Erfassung und Kontrolle aller Laubgehölze im abgegrenzten Bereich und eine individuelle und regelmäßige gründliche Untersuchung der Bäume auf Anzeichen eines Befalles. Für diese systematischen Kontrollen wurde eine Datenbank und für die Bevölkerung ein GIS-basierter Zugang mit Informationen über den aktuellen Stand der Kontrollen eingerichtet“, erläutert der Bürgermeister von Gallspach Dieter Lang.

Von den im Frühjahr 2014 erfassten rund 11.000 Laubgehölzen mit mehr als zwei Zentimeter Stärke wurden 2.000 mit Zustimmung der Eigentümer präventiv gefällt. Der restliche Bestand wurde zumindest jährlich kontrolliert. Über die Jahre fanden insgesamt mehr als 27.000 Baumkontrollen, davon mehr als 9.000 Baumkontrollen durch Baumsteiger, statt. Insgesamt 168 Bäume mit ALB-Symptomen wurden entdeckt und nach einer genauen Erfassung der Befallssymptome verhäckselt und verbrannt.

Gute Zusammenarbeit aller betroffenen Institutionen

Die Ausrottung des Asiatischen Laubholzbockkäfers in Oberösterreich wurde vom Oberösterreichischen Landesforstdienst organisiert und von den betroffenen Bezirkshauptmannschaften Braunau, Ried im Innkreis und Grieskirchen-Eferding als zuständige Behörden durchgeführt. Die Bemühungen der betroffenen Gemeinden und der Bevölkerung waren aber ebenso entscheidend für den Erfolg der Unternehmung. Die Kosten für das Land Oberösterreich beliefen sich auf insgesamt mehr als drei Millionen Euro, davon rund zwei Millionen Euro in Gallspach. Rund 40 Prozent der in Gallspach aufgewendeten Bekämpfungskosten trug die Europäische Union.

Landesrat Max Hiegelsberger spricht diesbezüglich der Bevölkerung und den Gemeinden in den oberösterreichischen Befallsgebieten einen besonderen Dank aus. Da eine Gefahr der Neueinschleppung von Importschädlingen durch den vermehrten Warenverkehr nach wie vor gegeben ist, sollten alle Baum- und Gartenbesitzer/innen auch in ihrem Bereich auf verdächtige Befallsmerkmale achten und diese gegebenenfalls den Gemeinden oder den zuständigen Behörden melden.

Bildtexte

Laubholzbock 1: Landesforstdirektorin DIin Elfriede Moser, Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger und Bürgermeister von Gallspach Dieter Lang verkünden die erfolgreiche Ausrottung des Vorkommens des Asiatischen Laubholzbockkäfers in Gallspach

Laubholzbock 2: Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger mit einem präparierten Exemplar des gefürchteten Laubbaum-Schädlings

Laubholzbock 3: Auch speziell trainierte Hunde wurden zur Suche befallener Bäume eingesetzt

Laubholzbock 4: Alle Äste über einer Dicke von einem Zentimeter mussten regelmäßig kontrolliert werden

Laubholzbock 5: Der gefürchtete Schädling kann auch gesunde Laubbäume innerhalb weniger Jahre zum Absterben bringen.

Fotos: Land Oberösterreich/Ernst Grilnberger

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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