Landwirtschaftskammerwahl 2021: Persönlichkeiten und Programm für die oberösterreichische Landwirtschaft

„Für unsere Höfe. Für unsere Heimat.“ Spitzenkandidatin LK-Präsidentin Michaela Langer-Weninger und Bauernbund Landesobmann LR Max Hiegelsberger präsentieren Kandidatinnen und Kandidaten sowie das Programm des OÖ. Bauernbundes zur Landwirtschaftskammerwahl am 24. Jänner 2021, bei der 129.178 wahlberechtigte Bäuerinnen und Bauern sowie Grundeigentümer 35 Mitglieder der Landwirtschaftskammer-Vollversammlung wählen. Gleichzeitig entscheidet das Wahlergebnis auf Ortsebene über die Zusammensetzung von 424 Ortsbauernausschüssen, in denen insgesamt 3.236 Mandate zu vergeben sind.

Am 24. Jänner 2021 wird in Oberösterreich die Vollversammlung der Landwirtschaftskammer, und damit auch die Zusammensetzung der Ortsbauernausschüsse gewählt. Die Wahl fällt bedingt durch die Corona-Pandemie in sehr herausfordernde Zeiten. „Gerade diese Situation im vergangenen Jahr hat deutlich gemacht, wie notwendig eine stabile und sichere Vertretung für uns Bäuerinnen und Bauern ist“, betont die Spitzenkandidatin Michaela Langer-Weninger. Sie führt die 93 Kandidatinnen und Kandidaten umfassende Landesliste „OÖ. Bauernbund – Team Langer-Weninger“ an.

„Diese Vielfalt an Persönlichkeiten und agrarischen Betriebstypen in unterschiedlichen Regionen Oberösterreichs ist uns sehr wichtig. Denn nur der Bauernbund setzt sich für die Gesamtheit der Landwirtschaft in unserem Bundesland ein“, so Langer-Weninger. Neben der agrarischen Vielfalt freut sich Langer-Weninger auch über eine Verjüngung und eine deutliche Anhebung der Frauenquote. „Mit unserer aktuellen Landesliste werden wir im Vergleich zu den derzeitigen Kammerräten den Frauenanteil von 29 % auf fast 38 % steigern und das Durchschnittsalter von 48 auf unter 43 Jahre senken“, freut sich Langer-Weninger.

Neuer Stil. Neue Perspektiven.

„Wir stellen nicht nur auf Landesebene, sondern auch in den Orten ausgezeichnete Kandidatinnen und Kandidaten für die Landwirtschaftskammerwahl auf“, ist Hiegelsbergerüberzeugt. Und das ist für die Landwirtschaft auch besonders wichtig. Denn wo andere vor der Wahl groß reden ist oft nach der Wahl niemand mehr da. Bis zu einem Drittel der Mandate in den Ortsbauernschaften werden von manch anderen Fraktionen nicht besetzt. „Im Prinzip ist eine Stimme für solch eine Fraktion damit eine verlorene Stimme“, so Hiegelsberger.

Der Bauernbund hingegen ist auch in den sechs Jahren zwischen den Wahlen der bäuerlichen Vertretung eine tragende Säule für die Bäuerinnen und Bauern. „Nur, wenn wir in den Gremien vertreten sind, können wir unsere Themen und Anliegen auch auf Augenhöhe einbringen, verhandeln und durchsetzen“, betont Hiegelsberger: „denn in einer Demokratie braucht es Mehrheiten“.

„Für uns ist es selbstverständlich, dass die Landwirtschaft systemrelevant ist. In der politischen Praxis reicht dieses Wissen aber nicht. Da braucht es bäuerliche Vertreter in den zuständigen Gremien, die für die Bäuerinnen und Bauern verhandeln und Überzeugungsarbeit leisten. Das und vieles mehr ist dem Bauernbund im vergangenen Jahr gelungen“, erklärt Hiegelsberger.

Gerade für die Zukunft, in der es nicht nur zahlreiche agrarische Themen zu verhandeln gilt, sondern in der es auch um eine intensive Kommunikation in Richtung Konsumenten, verarbeitende Betriebe und Handel geht, braucht es Persönlichkeiten, die die Landwirtschaft mit Weitblick vertreten.

„Ob die Verhandlungen für die Gemeinsame Agrarpolitik, die dringend nötigen Hilfen für Rinder- und Schweinebauern, die Umsetzung der Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie, die Ablehnung des EU-Mercosur-Freihandelsabkommens oder vieles mehr – diese Themen werden eine starke agrarische Vertretung benötigen. Wir sind dafür bereit und bestens aufgestellt“, betont Spitzenkandidatin Langer-Weninger.

Intensives Wahlprogramm als positive Zukunftsausrichtung

Mit einem ambitionierten Wahlprogramm geht der OÖ Bauernbund in die Wahlen zur Landwirtschaftskammer. Das Programm macht deutlich, wie verankert der Bauernbund und die Bäuerinnen und Bauern in den Regionen, in ihrer Heimat sind.

„Wir wollen gemeinsam mit unseren Bäuerinnen und Bauern unsere Heimat weiterentwickeln. Wir wollen in den politischen Gremien für unsere Höfe und für unsere Familien sprechen und mitentscheiden. Darum brauchen wir einen starken Bauernbund, der diese Mitsprache ermöglicht“, ist Hiegelsberger überzeugt.

Auszug aus dem Wahlprogramm (gesamt unter www.ooe.bauernbund.at/wahl)

Dafür steht der Bauernbund:

•    für eine flächendeckende, wettbewerbsfähige und nachhaltige Bewirtschaftung durch bäuerliche Familienbetriebe

•    für eine professionelle und moderne Landwirtschaft mit unternehmerischen Betriebsführerinnen und Betriebsführern, die für ihre Betriebe selbst und eigenständig Entscheidungen treffen

•    für eine stabile Weiterentwicklung der heimischen Landwirtschaft in all ihrer Vielfalt an Betriebstypen und Bewirtschaftungsformen

•    für eine starke Interessenvertretung durch die einzige politische Kraft für alle Bäuerinnen und Bauern in Österreich

Familienbetriebe stärken

Der bäuerliche Familienbetrieb macht die österreichische Landwirtschaft aus. Er ist ein wirtschaftliches und soziales Erfolgsmodell. Ihn gilt es zu schützen und zu stärken. Gleichzeitig ist die Land- und Forstwirtschaft stark von politischen Rahmenbedingungen geprägt. Das betrifft besonders Direkt- und Ausgleichszahlungen der Gemeinsamen Agrarpolitik sowie steuer- und sozialrechtliche Aspekte. Der bäuerliche Familienbetrieb muss deshalb im Mittelpunkt der österreichischen Agrarpolitik stehen. Unabhängig von Größe und Ausrichtung müssen die Bäuerinnen und Bauern die Möglichkeit haben, gewinnbringend und zukunftsorientiert die Höfe weiterzuentwickeln.

Der Bauernbund setzt sich daher ein für:

■ Stabile Finanzierung durch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP)

■ Attraktive Junglandwirteförderung

■ Unterstützung der Modernisierung durch gezielte Förderprogramme

■ Absicherung und Weiterentwicklung des Einheitswertes und Pauschalierungssystems

■ Absicherung des bäuerlichen Sozialversicherungssystems und starke bäuerliche Vertretung in der neuen Sozialversicherung der Selbständigen

■ Weiterer marktorientierter Ausbau der biologischen Landwirtschaft

Kommunikation verbessern

„Tu Gutes und sprich darüber“: In der Landwirtschaft ist die Öffentlichkeitsarbeit zu einer der wichtigsten Aufgaben geworden. Warum? Weil Konsumentinnen und Konsumenten immer mehr den Bezug zur Landwirtschaft verlieren, gleichzeitig aber das „Wie“ der Lebensmittelproduktion stärker hinterfragen. Der Bruder der bayerischen Kabarettistin Monika Gruber brachte es in einem Zitat (sinngemäß) auf den Punkt – „96 Prozent der Österreicher wissen wie Landwirtschaft funktioniert, aber nur 4 Prozent führen sie aus.“ Dass die Bäuerinnen und Bauern Gutes tun, wissen die Bäuerinnen und Bauern. Aber wissen es auch die Konsumentinnen und Konsumenten? Es gibt jedenfalls noch viel zu tun.

Der Bauernbund setzt sich daher ein für:

■ Unterstützung der Bäuerinnen und Bauern bei ihrer persönlichen Öffentlichkeitsarbeit, weil sie die besten Botschafter sind

■ Stärkung der Direktvermarkter, Urlaub-am-Bauernhof- und Schule-am-Bauernhof-Betriebe, der Angebote der Seminarbäuerinnen und der Bäuerinnenorganisationen

■ Kontinuierliche Medienarbeit, um Zeitungs-, Fernseh- und Radiomacher vom Wert der heimischen Landwirtschaft zu überzeugen und die Themenführerschaft zurückzubekommen

■ Ausbau der Kommunikationsmöglichkeiten vor allem im Bereich der sozialen Medien

■ Integration der Themen „Landwirtschaft und Ernährung“ in Lehrpläne und Lehrerausbildungen

Herkunft kennzeichnen

Man stelle sich vor, man geht in eine Kantine und sieht, dass das Fleisch auf dem Teller aus brasilianischer Massentierhaltung ist, der Kaiserschmarrn für den Nachtisch mit uruguayischem Flüssigei hergestellt wurde und die Milch für den Kaffee eine lange Reise aus Norddeutschland am Buckel hat. Wahrscheinlich würde sich das Konsumverhalten ändern. Die Konsumentinnen und Konsumenten würden eher zu heimischen Produkten greifen, wenn die Herkunft ersichtlich ist, wird in Studien wiederholt festgestellt. 99 Prozent der Bäuerinnen und Bauern wollen ebenso eine Herkunftskennzeichnung, wie eine aktuelle Umfrage der Landwirtschaftskammer OÖ zeigt. Es geht also nur um die Umsetzung.

Der Bauernbund setzt sich daher ein für:

■ eine Herkunftskennzeichnung in der Gemeinschaftsverpflegung, also zB in Krankenhäusern und Kantinen, sowie in einem weiteren Schritt auch in der Gastronomie und Hotellerie

■ die Verhinderung der Täuschung und Irreführung bei der Kennzeichnung im Handel

■ den Ausbau der Position Oberösterreichs als Genussland durch gezielte Förderprogramme

■ weitere Bewusstseinsbildung bei den Konsumentinnen und Konsumenten über den Wert heimischer Lebensmittel

Eigenversorgung sicherstellen

Corona hat es gezeigt: Wenn Grenzen dichtgemacht werden und der Handel beinahe zum Erliegen kommt, rückt die Versorgungssicherheit in den Mittelpunkt und die Lebensmittel erhalten jenen Stellenwert, den sie eigentlich immer verdienen würden. Die heimischen Bäuerinnen und Bauern haben gezeigt, dass sie systemrelevant sind. Langfristig kann die Versorgung in Krisenzeiten aber nur dann bewerkstelligt werden, wenn auch sonst heimische Produkte nachgefragt werden.

Der Bauernbund setzt sich daher ein für:

■ eine Erhöhung der Eigenversorgung mit heimischen Lebensmitteln

■ attraktive Investitionsförderungen für die verschiedenen Sparten

■ ein starkes Auftreten gegenüber dem Handel als bestimmende Marktmacht

■ eine Stärkung der Position der Direktvermarkter sowie die Forcierung von innovativen Absatzkanälen

■ die strikte Ablehnung von Mercosur: keine Handelsabkommen auf dem Rücken der Bauern

■ eine Stärkung der inländischen Eiweißproduktion

■ steuerliche Begünstigungen für regionale Lebensmittel und Klimazölle für Lebensmittelimporte in die EU

Bäuerliches Eigentum wahren

Es scheint ein Phänomen der heutigen Gesellschaft zu sein, dass sie zwischen Mein und Dein zu unterscheiden verlernt. Man hat den Eindruck, dass dies besonders bei land- und forstwirtschaftlichem Grund gilt, wenn zB im Wald eine Fahrradschneise „errichtet“ wird, auf Äckern ohne Genierer Kürbisse eingepackt werden oder auf Almweiden Selfies mit Kühen gemacht werden – so geschehen im vergangenen Sommer. Aber nicht nur die Freizeit- und Tourismuswirtschaft spielt hier eine Rolle. Auch im Bereich des Umwelt- und Naturschutzes führen zunehmende öffentliche Nutzungsinteressen zur Einschränkung von Eigentumsrechten. Und nicht zuletzt sind immer wieder diskutierte Vermögenssteuern ein Angriff auf Grund und Boden.

Der Bauernbund setzt sich daher ein für:

■ den Respekt der Gesellschaft vor bäuerlichem Eigentum: Keine steuerlichen Eingriffe und keine Vermögenssteuern

■ Beschränkung von Haftungsrisiken gegenüber Freizeitnutzern – besonders bei der Alm- und Weidehaltung und der Forstwirtschaft

■ Sicherung der Produktionsgrundlage Boden und kritische Prüfung von Infrastrukturprojekten

■ gerechte Grundablösen bzw. Entschädigungen, wenn land- und forstwirtschaftlicher Grund „aufgegeben“ werden muss

Tierhaltung garantieren

Oberösterreich ist das Tierhaltungsbundesland Nummer 1. Diese Position hat Oberösterreich in den vergangenen Jahren in mehreren Sparten weiter ausgebaut. Die Kleinstrukturiertheit ermöglicht eine sehr intensive Betreuung der Tiere, bedeutet aber auch einen vergleichsweisen höheren finanziellen Aufwand. Dass es den Tieren gut geht, liegt im ureigensten Interesse der Bauern. Dieses Tierwohl fordern die Konsumentinnen und Konsumenten verstärkt ein und auch 83 Prozent der OÖ Bäuerinnen und Bauern erachten laut einer aktuellen Landwirtschaftskammer-Umfrage die Entwicklung von Tierwohlprogrammen als sehr wichtig bzw. wichtig. Trotzdem muss Tierhaltung auch wirtschaftlich bleiben.

Der Bauernbund setzt sich daher ein für:

■ die Förderung und den Ausbau der Qualitätsproduktion und eine verstärkte Marktorientierung der Betriebe

■ eine attraktive Investitionsförderung, erhöhte Fördersätze für Tierwohlmaßnahmen

■ eine raschere Abwicklung von Stallbauverfahren

■ praxistaugliche Tierschutzbestimmungen

■ den Ausbau und die Weiterentwicklung von AMA-Marketing-Aktivitäten

■ die Ablehnung von Handelsabkommen auf dem Rücken der Bauern (zB Mercosur)

Planungssicherheit scha­ffen

Bäuerinnen und Bauern sind es gewohnt, eigenständig Entscheidungen zu treffen. Nationale und internationale Regelungen sind zwar in einem gewissen Ausmaß verständlich und notwendig, oft schießen sie aber übers Ziel hinaus und drohen die Produktion einzuschränken. Vor allem praxisfremde Forderungen zu Tierschutz und Umweltschutz hemmen die Bewirtschaftung. Bäuerinnen und Bauern brauchen praktikable gesetzliche Rahmenbedingungen, die Beständigkeit aufweisen. Landwirtschaft ist eine langfristige Sache und braucht Planungssicherheit. Nationale Alleingänge mit höheren Auflagen gefährden die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft.

Der Bauernbund setzt sich daher ein für:

■ machbare gesetzliche Rahmenbedingungen und eine faire Abgeltung von Umwelt-, Natur- oder Tierschutzleistungen

■ praktikable Umsetzung von EU-Vorgaben und ausreichend Übergangsfristen

■ keine weiteren Verschärfungen der nationalen und EU-weiten gesetzlichen Auflagen, insbesondere in den Bereichen Tier- und Pflanzenschutz ohne Gegenleistung

■ die Sicherung der Lebensqualität für die Bäuerinnen und Bauern

■ praxisorientierte Aus- und Weiterbildungen

■ einen kontinuierlichen Bürokratieabbau

Klima und Umwelt schützen

Auch wenn es oft anders dargestellt wird: Die österreichische Landwirtschaft hat als einziger Wirtschaftssektor ihre Treibhausgase seit 1990 um 14 Prozent reduziert. Österreich gilt außerdem weithin als Musterland, was die Teilnahme der Bäuerinnen und Bauern an Agrarumweltprogrammen betrifft. Trotzdem: Um Umwelt und Klima zu schützen, braucht es eine gemeinsame nationale und internationale Kraftanstrengung. Nicht zuletzt deshalb, weil die Land- und Forstwirtschaft den Klimawandel am massivsten zu spüren bekommt.

Der Bauernbund setzt sich daher ein für:

■ eine ökosoziale Agrarwirtschaft, in der wirtschaftliche, ökologische und soziale Ziele im Gleichklang verfolgt werden

■ eine umsichtige Raumordnung zur Reduktion des Bodenverbrauches

■ die Fokussierung auf regionale Energieträger und die öffentliche Unterstützung der Bioenergieproduktion

■ die Unterstützung der klimaeffizienten Forstwirtschaft und Initiativen für die Forcierung des Holzbaues

■ die Absicherung und den Ausbau von öffentlichen Unterstützungen für Agrarrisikoversicherungen

■ eine stärkere Berücksichtigung von Klima- und Umweltstandards bei der Besteuerung von Lebensmitteln (Klimazölle)

Info Präsidentin Michaela Langer-Weninger:

Michaela Langer-Weninger (25. Jänner 1979) bewirtschaftet mit ihrer Familie einen Bio-Hof mit Heumilcherzeugung in Innerschwand am Mondsee (Bezirk Vöcklabruck). Sie ist seit 2009 Landtagsabgeordnete und seit 2014 Landesobmann-Stellvertreterin im OÖ. Bauernbund. Seit 27. Juni 2019 ist sie die erste Präsidentin der OÖ. Landwirtschaftskammer.

v.l. LK-Präsidentin Michaela Langer-Weninger, LK-Vizepräsident Karl Grabmayr und Landesbäuerin Johanna Haider
Bildquelle: OÖ Bauernbund

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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