Weihnachtsbraten muss nicht fliegen – mit heimischen Lebensmitteln zu mehr Klima- und Umweltschutz

Weihnachtszeit ist Genusszeit. Wer beim Einkauf auf die Herkunft der Lebensmittel achtet, bemerkt: Vieles wird im Ausland produziert – obwohl der CO₂-Ausstoß bei importierten Produkten im Durchschnitt um 32 Mal höher ist als bei regionalen Lebensmitteln. Beim Rindfleisch beispielsweise hat sich der Import in den vergangenen 25 Jahren verdreifacht. Auf der Strecke bleiben dabei die heimischen Bauern, Qualität und Umwelt. Der Oberösterreichische Bauernbund appelliert deshalb, beim Weihnachtseinkauf darauf zu achten, woher die Ware kommt: Nicht nur, um Mogelverpackungen mit falschen Herkunftsangaben zu entgehen, sondern auch, weil jeder Griff ins Regal zum Schutz des Klimas und der österreichischen Landwirtschaft beiträgt.

Festtagsbraten, Knödel und Kekse: Zu Weihnachten kommt bei den meisten Familien etwas Besonderes auf den Tisch. Als eines der wenigen Dinge soll sich das auch in diesem Jahr nicht ändern. Vor dem Hintergrund der genussvollsten Zeit im Jahr schwingt jedoch einmal mehr ein bitterer Beigeschmack mit: Lebensmittel aus dem Ausland setzen die heimischen Bauern unter großen Preisdruck. Die Konsequenz liegt auf den Tellern der Österreicher: Fleisch, Butter, Gemüse und Co, die tausende Kilometer hinter sich haben und in entfernten Ländern zu niedrigeren Qualitäts- und Produktionsstandards produziert werden. Im Dezember hat der Bauernbund 34 Supermarkt-Filialen einem Reality-Check unterzogen. Mit folgendem Ergebnis: Von den über 400 Butter-Proben stammten nur 70 Prozent aus Österreich.

55.000 Tonnen Rindfleisch wurden 2019 importiert

Obwohl die Corona-Krise eindrucksvoll darlegt, dass sich die Österreicherinnen und Österreicher auf die bäuerlichen Familienbetriebe verlassen können, treibt die Pandemie die Preisschlacht im heimischen Lebensmittelhandel einmal mehr an. Heimisches Fleisch wird zu weit höheren Klima-, Tierwohl- und Umweltstandards produziert und kostet dadurch mehr, was den Import billigerer Ware antreibt. Ein Blick auf die Außenhandel-Statistik verdeutlicht die langjährige Entwicklung: Beim Rindfleisch beispielsweise haben sich die Importe seit 1995 verdreifacht – bei durchschnittlich gleichbleibendem Fleischkonsum (von 13,1 auf 11,9 Kilogramm pro Kopf von 1995 bis 2019). 1995 wurden jährlich rund 15.000 Tonnen Rindfleisch importiert. 2019 waren es rund 55.000 Tonnen. „Diese Entwicklung geht nicht nur auf Kosten unserer heimischen Landwirtschaft, indem sie österreichische Produkte verdrängt“, so Bauernbund Landesobmann Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger. „Sondern hat auch fatale Auswirkungen auf unser Klima und die Umwelt.“

Ganz abgesehen von der sozialen Komponente: „Wer unnötigerweise importierte Produkte kauft, unterstützt damit die zum Teil katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen im Ausland. Landarbeiter müssen unter prekären Bedingungen arbeiten und erhalten dafür einen Lohn, der kaum zum Überleben reicht. Grundlegende Arbeitnehmerrechte werden ihnen genauso verwehrt wie eine angemessene Unterweisung im Umgang mit Pestiziden sowie Schutzkleidung“, schildert Oberösterreichs Landesbäuerin Johanna Haider.

Billige Preise für lange Reisen

Das Problem betrifft die gesamte Lebensmittel-Branche. Auch beim Lieblingsobst der Österreicher, dem Apfel, werden zum Teil Arbeitskräfte ausgenutzt, wobei der Boden weder nachhaltig noch umweltschonend bewirtschaftet wird – es fehlen einfach Regelungen. Es wird mit Pestiziden gearbeitet, die in der EU verboten sind. „Und das dafür, dass der Apfel 9.000 Kilometer um die Welt geflogen wird, während in Österreich jährlich rund 160.000 Tonnen Äpfel geerntet werden?“, hinterfragt die Landesbäuerin.

Zu Gunsten der Qualität kann es nicht sein: Ob Rindfleisch 9.600 Kilometer von Südamerika nach Österreich zurücklegt, bis es zu Weihnachten aufgetischt wird, oder ob es unmittelbar aus der Region stammt, macht einen großen Unterschied. „Wenn ein Nahrungsmittel um die halbe Welt transportiert und im Supermarkt trotzdem billiger angeboten wird – hier kann nur von ungleicher Qualität und fragwürdigen sozialen und ökologischen Produktionsbedingungen ausgegangen werden“, so Haider.

Fleischproduktion: Österreichs Landwirtschaft hat geringste Emissionen

Entgegen der regionalen Wertschöpfung durch heimische Bauern legen importierte Produkte eine durchschnittlich 51 Mal längere Wegstrecke zurück. Dabei ist der CO₂-Ausstoß um 32 Mal höher als bei regionalen Lebensmitteln. „Unsere Bäuerinnen und Bauern produzieren Lebensmittel in exzellenter Qualität unter Einhaltung höchster Standards. Wer heimische Produkte genießt, handelt klimaschonend und trägt dazu bei, die Vielfalt der österreichischen Kulturlandschaft zu bewahren und die bäuerlichen Familienbetriebe in Österreich zu erhalten“, betont Hiegelsberger. 

Eine Studie des Joint Research Centre Österreich bestätigt: Die österreichische Landwirtschaft verursacht bei der Milch- und Fleischproduktion EU-weit die niedrigsten Treibhausgasemissionen. Am Beispiel des Rindfleisches: Im EU-Durchschnitt werden für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch 22 Kilogramm CO₂ benötigt. Um 35 Prozent weniger, nämlich 14,2 Kilogramm CO₂, sind es in Österreich, während es in Brasilien um ein Vielfaches höher ist: Dort werden 80 Kilogramm CO₂ für die Rindfleischproduktion emittiert.

„Die österreichische Landwirtschaft konnte als einziger Sektor ihre Treibhausgasemissionen seit 1990 um 14 Prozent reduzieren und trägt dadurch wesentlich im Kampf gegen die Klimakrise bei“, so Landesobmann LR Hiegelsberger und führt weiter aus: „Regionalität ist das Gebot der Stunde, aber nicht zu jedem Preis. Der Handel muss ein Stück seines Kuchens an die Landwirtschaft abgeben. Nur so können unsere Bäuerinnen und Bauern überleben. Außerdem trägt jeder Einzelne mit jedem Griff ins Supermarkt-Regal wesentlich zum Klimaschutz bei.“

„Achten Sie darauf, woher die Produkte im Einkaufswagen stammen. Vertrauen Sie auf die heimische Qualitätssicherheit und das AMA-Gütesiegel. Nur da steckt zu hundert Prozent Österreich drinnen. Setzen Sie auf kurze Transportwege und faire Produktionsbedingungen – im Sinne der heimischen Familienbetriebe und der Nachhaltigkeit“, fügt Landesbäuerin Haider hinzu.

Bild:
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Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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