Weiße Weihnachten? Wahrscheinlichkeit halbierte sich in letzten Jahrzehnten

Die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten hat sich in den tiefen Lagen Österreichs in den letzten Jahrzehnten halbiert, wie eine Auswertung der ZAMG zeigt.

Weiße Weihnachten kommen in den tiefen Lagen Österreichs nicht allzu oft vor und sind in den letzten Jahren noch seltener geworden. „Im Zeitraum von 1951 bis 1980 gab es in den Landeshauptstädten noch doppelt so oft einen 24. Dezember mit einer geschlossenen Schneedecke wie von den 1980er-Jahren bis heute. In tiefen Lagen hat sich die Chance auf weiße Weihnachten somit in den letzten Jahrzehnten halbiert“, sagt Klimatologe Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

In den meisten Landeshauptstädten nur alle drei bis fünf Jahre weiß

Für die letzten 30 Jahre gilt: Statistisch gesehen gibt es in Wien, Eisenstadt, St. Pölten und Linz nur jedes fünfte Jahr am 24. Dezember eine geschlossene Schneedecke. Bregenz, Salzburg, Graz und Klagenfurt sind durchschnittlich jedes dritte Jahr weiß. Am besten stehen die Chancen in Innsbruck, hier liegt statistisch gesehen jedes zweite Jahr am 24. Dezember Schnee.

Längste Serie mit grünen Weihnachten

Die Zahlen für die letzten 30 Jahre setzen sich allerdings aus sehr unterschiedlichen Zeiträumen zusammen. In den 1990er-Jahren gab es weiße Weihnachten noch einigermaßen regelmäßig (in Graz zum Beispiel waren damals fünf von zehn Jahren weiß). In den sehr milden 2000er-Jahren sind weiße Weihnachten aber markant seltener geworden und die meisten Landeshauptstädte verzeichnen mittlerweile die jeweils längste Serie an Weihnachten ohne Schnee am 24. Dezember. So erlebt St. Pölten seit 2008 schon zwölf Jahre in Serie grüne Weihnachten, in Bregenz, Salzburg, Linz, Graz, Klagenfurt sind es seit 2011 neun Jahre ohne Schnee zu Weihnachten. In Wien und Eisenstadt gab es zuletzt 2012 eine dünne Schneedecke am 24. Dezember und in Innsbruck 2017.

Natürliche Schwankungen und Klimaänderung

ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik sieht zwei Gründe für die Zunahme von grünen Weihnachten: „Zum einen brachten die 1960er-Jahre viele relativ kalte Dezember. Das wirkt sich auf die Weihnachtsstatistik stark aus. Von 1961 bis 1965 zum Beispiel war Österreich zu Weihnachten fast jedes Jahr flächendeckend weiß. In Klagenfurt lag sogar von 1961 bis 1971 jedes Jahr am 24. Dezember Schnee. Zum anderen ist der wenige Schnee zu Weihnachten aber natürlich auch eine Folge der Klimaerwärmung. Der Dezember ist in Österreich seit den 1950er-Jahren um 1,0 bis 1,5 °C wärmer geworden. Seit 2011 gab es sogar keinen einzigen relativ kalten Dezember, es war durchwegs wärmer als in einem durchschnittlicher Dezember im Zeitraum 1981 bis 2010. Das wirkt sich auf die Schneelage zu Weihnachten aus, weil es öfter regnet als schneit beziehungsweise gefallener Schnee schneller wieder schmilzt“.

Weihnachtsrekord: 96 Zentimeter Schnee in Innsbruck

Die weihnachtlichen Schneerekorde sind schon sehr alt, in den meisten Landeshauptstädten mindestens 50 Jahre. Den Rekord aller Landeshauptstädte hält für den 24. Dezember die Wetterstation Innsbruck-Flughafen mit 96 Zentimeter Schnee am 24. Dezember 1962. Die weiteren Schneerekorde der Landeshauptstädte am 24. Dezember sind: 53 cm in Graz im Jahr 1994, 50 cm in St. Pölten 1969, 47 in Klagenfurt 1994 cm, 40 cm in Salzburg 1962, 39 cm in Eisenstadt 1969, 30 cm in Wien 1969, 25 cm in Bregenz 1969 und in Linz ist die Rekordschneehöhe 24 cm am 24. Dezember 1969.

Wärmerekord: knapp 20 °C

Häufiger als Weihnachten mit Schnee ist in den tiefen Lagen Österreichs ein Weihnachtstauwetter, wenn aus dem Westen oder Südwesten milde Luft nach Mitteleuropa strömt. Im Extremfall erleben wir zu Weihnachten sogar knapp 20 °C. Den weihnachtlichen Wärmerekord hält Salzburg mit 19,1 °C am 25. Dezember 2013.

Kälterekord: knapp -30 °C

Das Weihnachtsfest der Kälterekorde erlebte Österreich im Jahr 1962. Damals lag die Höchst(!)temperatur am 25. Dezember in Vils (Tirol, Bezirk Reutte) bei
-19,8 °C. In Kitzbühel lag die Tiefsttemperatur in der Nacht von 24. auf 25. Dezember 1962 bei -27,9 °C.

Und Weihnachten 2020?

Beim Wetterverlauf für die Weihnachtsfeiertage 2020 zeigen die Vorhersagemodelle noch keine einheitliche Linie. Diese Wochen dominiert noch ruhiges Hochdruckwetter mit Nebel und Sonne. Ab dem Wochenende kommt mehr Bewegung ins Wetter. Für die gesamte nächste Woche zeichnet sich eine wechselhafte Wetterlage ab, bei der von Westen her zeitweise Regen- und Schneewolken durchziehen. Ein genauer zeitlicher Ablauf für die Weihnachtsfeiertage ist derzeit aber noch nicht vorhersagbar.

Wo weiße Weihnachten gesichert sind

Wo jetzt schon genügend Schnee liegt, stehen die Chancen gut, dass es bis Weihnachten weiß bleibt. Generell gilt das ab einer Höhenlage von ungefähr 1000 Meter. Somit sind in den meisten Tälern zumindest die umliegenden Berghänge weiß. Aber auch in einigen Regionen unterhalb von 1000 Meter Seehöhe liegt eine Schneedecke, die sicher bis Weihnachten hält. Derzeit liegen zum Beispiel in Kötschach-Mauthen rund 90 Zentimeter Schnee, in Lienz und in Dellach im Drautal 60, in Spittal an der Drau 30 Zentimeter, in Weitensfeld 15 und in Zeltweg rund 10 Zentimeter.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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