Fitnessbetriebe: Die vergessene Branche

„Die österreichischen Fitnessbetriebe mit 1,2 Millionen Trainierenden wären Teil der Lösung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Alle Experten sind sich einig, dass gezieltes Muskeltraining das Immunsystem und die Abwehrkräfte des Körpers stärkt und somit ein wesentlicher Baustein bei der Vorbeugung gegen Volkskrankheiten ist. Es ist die Grundlage zur Bewältigung des privaten und sportlichen Alltags, das Verletzungsrisiko wird durch eine gute Grundkonstitution minimiert. Trotz dieses Wissens bleiben, durch ausstehende und aktuelle Entscheidungen der Politik, die Fitness-Betriebe geschlossen und werden in ihrer Existenz gefährdet“, kritisiert der Fitness-Branchensprecher der WKOÖ, Christian Prechtl.

Es habe keinen einzigen Cluster in einem gewerblichen Fitnessbetrieb gegeben, laut Sanitätsdirektionen der Länder liege das Infektionsgeschehen unter einem Prozent. Das Contact Tracing sei dort jederzeit lückenlos möglich, die Leitung der Besucherströme und die Abstandsregeln sind realisiert, die Hygienestandards extrem hoch. Um so irritierender sei es, dass bei den Lockerungen die Fitnessbetriebe nicht berücksichtigt wurden. Im Gegenteil, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wurden nochmals verschlechtert.

Fitnessbetriebe haben im Durchschnitt im Jahr 2020 mehr als 25 Prozent ihrer Kunden verloren und sie müssen auf diesem niedrigen Niveau wiedereröffnen. Die Kompensation durch Neukundengewinnung wird bis zu fünf Jahre dauern. Dieses Umsatzminus wird die Betriebe einige Jahre belasten, wenn sie die Krise überhaupt überleben.

Prechtl: „Die Reduzierung des Umsatzersatzes auf 50 Prozent ist eine Bedrohung. Die Kalkulationen und Kostenrechnungen in der Fitnessbranche sind nicht mit denen in anderen Branchen vergleichbar. Die 50 Prozent decken nicht einmal die Betriebskosten. Es gibt auch keine Möglichkeit alternativer Umsätze, wie Liefer- oder Abholservices, verlorene Umsätze sind in der Fitnessbranche nicht aufzuholen. Deswegen fordern wir 80 Prozent Umsatzersatz. Es braucht auch die definitive Zusage zur Öffnung am 7. Jänner 2021, um Planungssicherheit zu haben. Immerhin ist der Jänner der stärkste Monat für die Neukundengewinnung.“

Schon im März wurden drei Forderungen an Bund und Länder übergeben: Erstens die Senkung der Mehrwertsteuer für die Mitgliedsbeiträge auf 10 Prozent, zweitens die Abschreibfähigkeit der Beiträge für Unternehmen im Rahmen der Firmenfitness ohne Sachbezug für die Mitarbeiter und drittens die Absetzbarkeit von Fitnessbeiträgen im Einkommenssteuerbescheid. Prechtl: „All das, um Chancengleichheit am Markt zu haben. Viele Branchen und Vereine sind bessergestellt, so haben zum Beispiel Gastronomiebetriebe bis Ende 2021 einen reduzierten Mehrwertsteuersatz von fünf Prozent auf ihre Haupteinnahmequelle, bei den Studios ist dieser Satz unverändert 20 Prozent. Weder im März, noch aktuell, hatten wir Branchenvertreter die Möglichkeit mit einem zuständigen Vertreter aus der Politik über diese Forderungen und Lösungen zumindest zu diskutieren.“

Die Forderungen der Fitnessbranche in der Übersicht:

  • Umsatzersatz von 80 Prozent für Dezember
  • Definitive Öffnungszusage für 7.1.2021
  • Senkung der Mehrwertsteuer auf 10 Prozent für Mitgliedsbeiträge
  • Abschreibbarkeit der Mitgliedsbeiträge für Unternehmen im Rahmen von Firmenfitness
  • Kein Sachbezug für Mitarbeiter bei Teilnahme an Firmenfitness-Programmen
  • Absetzbarkeit der Fitnessbeiträge bei der Einkommenssteuererklärung
Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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