„16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ – Die Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ warnt vor erhöhter Gefahr familiärer Gewalt während des Lockdowns

Zwischen dem 25. November – dem internationalen Gedenktag für alle Frauen und Mädchen, die Opfer von Gewalt wurden – und dem 10. Dezember – dem internationalen Tag der Menschenrechte – findet auch heuer wieder die weltweite Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“ statt. Dadurch soll auf das Ausmaß und die verschiedenen Ausprägungen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam gemacht werden. Zeitgleich erleben wir in Österreich einen weiteren „Lockdown“ zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, der mit einer Umstellung auf Distance-Learning und erheblichen Ausgangsbeschränkungen einhergeht. Beides erhöht die Gefahr für Kinder und Jugendliche, Opfer von häuslicher Gewalt zu werden, und erschwert es ihnen gleichzeitig, Hilfe und Unterstützung zu bekommen, weil der regelmäßige Kontakt zu wichtigen Bezugspersonen und sozialen Unterstützungssystemen fehlt.

Eine aktuelle Studie (österreichweite Jugendstudie „Recht auf Schutz vor Gewalt“, Institut für Jugendkulturforschung im Auftrag der Österreichischen Kinder- und Jugendanwaltschaften, 2020) hat ergeben, dass Mädchen in hohem Ausmaß von Gewalt, insbesondere auch von sexueller Gewalt, betroffen sind. Das zeigen auch die Beratungserfahrungen der Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ. „Besorgniserregend ist, dass in den vergangenen Jahren deutlich mehr Mädchen und junge Frauen von Gewalterfahrungen berichten. Viele von ihnen sind auch von Cybermobbing betroffen“, meint die OÖ Kinder- und Jugendanwältin, Mag.a Christine Winkler-Kirchberger.

Auch über 30 Jahre nach der Verabschiedung der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, in der der Schutz aller Kinder vor Gewalt festgeschrieben ist, und der Einführung des gesetzlichen Verbots jeglicher Gewalt in der Erziehung in Österreich ist die Familie für viele Kinder noch immer kein sicherer Ort. Gewalt durch die engsten Bezugspersonen, die eigentlich für den Schutz des Kindes verantwortlich wären, wirkt besonders traumatisierend. Die Bandbreite reicht von psychischer oder physischer Gewalt über Vernachlässigung bis hin zu sexuellem Missbrauch. Darüber hinaus leiden Kinder immer auch dann mit, wenn sie Gewaltsituationen gegen ihre Mütter miterleben müssen. 

Hinter Gewalt gegen Mädchen steht häufig ein überkommenes Rollenverständnis. Neben rascher Hilfe für Betroffene ist daher auch eine umfassende Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft unabdingbar. Eine wirksame Gewaltprävention muss möglichst früh ansetzen: Gewaltfreie Kommunikation, Gleichstellung der Geschlechter, Nicht-Diskriminierung etc. sind Themen, die von Kindheit an gelernt und geübt werden müssen.

Viele Mädchen und junge Frauen, die von Gewalt betroffen sind, zögern aus Scham oder aus Angst, dass man ihnen nicht glaubt, oft lange, Hilfe und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Es braucht daher ein dichtes Netz an spezialisierten, möglichst niederschwelligen Anlaufstellen, die die Betroffenen kompetent unterstützen und begleiten.

Auch die Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ bietet Hilfe – vertrauliche Beratung, kostenlos und auf Wunsch anonym. Ergänzt wird das Beratungsangebot durch ein breites Spektrum an Informationsmaterialien. Die Broschüren „Gewalt an Kindern“ und „Sexuelle Gewalt an Kindern“ wurden nun rechtlich auf den aktuellen Stand gebracht und neu aufgelegt. Sie sollen informieren, aufklären und stärkende Botschaften für Kinder vermitteln. Bezugspersonen von betroffenen Kindern und Multiplikator*innen erhalten Tipps und Hinweise, wie sie reagieren können, wenn der Verdacht auf Gewalt oder sexuellen Missbrauch an einem Kind vorliegt, und welche Institutionen und Behörden in diesen Prozess in welcher Form eingebunden sind. Die Broschüren können kostenlos bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ angefordert werden und stehen unter www.kija-ooe.at zum Download bereit.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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