Corona-Krise: AK fordert mehr Mittel für die Schulen und Sofortlösung bei den digitalen Endgeräten

Die Corona-Krise verdeutlicht, wie wichtig ein gut funktionierendes Schulsystem ist. Die Schließung der Schulen während der ersten Pandemiewelle hat die Jugendlichen hart getroffen: Zwölf Prozent aller Schüler/-innen in AHS-Unterstufe und Mittelschule und sogar 36 Prozent der benachteiligten Schüler/-innen konnten laut einer IHS-Umfrage im „Heimunterricht“ nicht oder nur schlecht erreicht werden. „Die Krise vergrößert die ohnehin schon großen sozialen Unterschiede beim Zugang zu Bildung, wenn nicht rasch gegengesteuert wird“, zeigt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer auf. „Negative Auswirkungen sind vor allem bei den Bildungs- und Berufschancen benachteiligter Schülerinnen und Schüler zu befürchten.“ Er fordert deshalb mehr und gezieltere Mittel für die Bildung sowie eine Sofortlösung im Falle einer mangelnden Ausstattung mit digitalen Endgeräten.

Die Schulschließungen im Frühjahr führten zu hohen Belastungen bei Schülern/-innen, Eltern und Lehrern/-innen, die noch immer nachwirken – und ein Teil der Schüler/-innen ist schon wieder in Homeschooling. „Wir müssen jetzt mehr denn je vorausschauend reagieren und die Zukunftschancen aller Kinder sichern. Langzeitfolgen wie Bildungsabbrüche oder geringere Karrierechancen wirken sich nicht nur persönlich auf die Betroffenen negativ aus, sondern auch volkswirtschaftlich“, sagt Kalliauer. Die Arbeiterkammer hat schon vor der Corona-Krise ein Modell entworfen, das mehr Gerechtigkeit brächte und den Schulen auch die Unterstützung und die Mittel gäbe, die sie für diese Aufgabe brauchen – den Chancenindex.

Was bringt ein Chancenindex? 

Der Chancenindex misst den Förderbedarf an einem Schulstandort und stellt, falls notwendig, zusätzliche Mittel zur Verfügung. Basis für die Berechnung des Index sind der Bildungshintergrund der Eltern und die Alltagssprache der Kinder. Durch zusätzliche Mittel können die Schulen und die Pädagogen/-innen den speziellen Erfordernissen Rechnung tragen – durch mehr Förderangebote, mehr pädagogisches Unterstützungspersonal und administrative Unterstützung.

Ein österreichweites Pilotprojekt für 100 Schulen wurde bereits im Regierungsprogramm verankert, aber im Budget mit lediglich 15 Millionen Euro bedacht. Nach dem AK-Chancen-Index-Modell würde es alleine für diese 100 Schulen zwischen 45 und 60 Millionen Euro brauchen. „Angesicht bestehender Bildungsbenachteiligungen und befürchteter Lernverluste von vielen Schüler/-innen sind die veranschlagten Investitionen viel zu wenig“, so der AK-Präsident. Die AK fordert mehr Mittel und die Ausweitung des Pilotprogrammes auf 500 Schulen. „Der AK-Chancenindex ist ein wirksamer Hebel, um beste Bildung mehr Schülerinnen und Schülern zugänglich zu machen, damit niemand nach der Corona-Krise zurückbleibt.“

Digitale Endgeräte

Die Corona-Pandemie hat bereits im Frühjahr aufgezeigt, dass nicht alle Kinder Zugang zur notwendigen digitalen Infrastruktur haben und nicht alle Pädagogen/-innen über die notwendigen Kompetenzen im Umgang mit Endgeräten, den Lernprogrammen und den Plattformen verfügen. Auch die hohe Kostenbelastung vieler Familien für Investitionen in die digitale Ausstattung wurde sichtbar. Vor allem Tablets und Laptops, Drucker und Druckerpatronen mussten dafür angeschafft werden. 40 Prozent der Familien mit Haushaltseinkommen unter 2.500 Euro konnten sich diese Anschaffungen laut einer AK-Umfrage kaum leisten.

Die vom Bildungsminister für 2021/22 angekündigte Ausstattung mit digitalen Endgeräten bringt keine akute Verbesserung, vor allem auch nicht für ältere Schülerinnen und Schüler, die sich gerade im „Fernunterricht“ befinden. Die digitalen Endgeräte werden für Schulen erst ab dem Herbst 2021 für die 5. und 6. Schulstufen zur Verfügung gestellt. „Wir sind jetzt mitten in der zweiten Pandemiewelle und teilweise im der zweiten Homeschooling-Phase. Es braucht daher früher eine gesicherte Ausstattung und bei Bedarf eine unbürokratische Sofortlösung. Auch muss alles getan werden, um die Schulen während dieser Pandemie offen zu halten“, fordert AK-Präsident Kalliauer.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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