Erblicher Brustkrebs – Wenn der Krebs in den Genen liegt

Das Risiko für Frauen, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken, beträgt zehn bis zwölf Prozent. Rund die Hälfte der Brustkrebsfälle treten nach dem 60. Lebensjahr auf und sind durch das Lebensalter oder andere Risikofaktoren bestimmt. Bei fünf bis zehn Prozent der Betroffenen sind aber genetische Veränderungen die Ursache. In diesen Fällen spricht man von erblich bedingtem Brustkrebs. Tritt Brustkrebs familiär gehäuft auf, macht sich bei vielen Frauen Unsicherheit breit: Was bedeutet es für sie selbst oder ihre Kinder, wenn die Mutter oder die Großmutter schon in jungen Jahren an Krebs erkrankten? Am Brust-Gesundheitszentrum des Ordensklinikum Linz werden genetische Beratung und Tests angeboten, und Frauen mit der Diagnose „erblicher Brustkrebs“ interdisziplinär unterstützt.

„Tritt das Mammakarzinom innerhalb einer Familie gehäuft und vor allem in jungen Jahren auf, so muss auch immer daran gedacht werden, dass es sich um erblich bedingten Brustkrebs handeln könnte. Auch Fälle von Eierstockkrebs können ein Hinweis in diese Richtung sein“, sagt OÄ Dr.in Ruth Helfgott, Leiterin des Brust-Gesundheitszentrums am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern. Die Vererbung erfolgt autosomal-dominant. Dies bedeutet für Kinder eines betroffenen Elternteiles ein Risiko von 50 Prozent, das veränderte Gen zu erben. Das Brustkrebsgen kann dabei auch durch den Vater vererbt werden.

Genetische Beratung am Brust-Gesundheitszentrum

Am Brust-Gesundheitszentrum werden Beratungsgespräche sowie Tests zur Diagnose genetischer Veränderungen angeboten. „Jeder Fall wird von unseren Fachärztinnen und Fachärzten individuell bewertet. Auf Basis der bisherigen Erkrankungskonstellationen in der Familie wird entschieden, ob ein Gentest durchgeführt werden soll“, erklärt OÄ Dr.in Helfgott.

Bei einem solchen Test wird den Patientinnen Blut abgenommen und dieses auf bekannte genetische Veränderungen der BRCA1- und BRCA2-Gene (BReast CAncer Gene 1 und 2) untersucht. Ist der Test positiv, bedeutet dies für die Betroffenen ein deutlich erhöhtes Risiko, an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Bei 60 bis 80 Prozent dieser Frauen muss im Laufe ihres Lebens die Diagnose Brustkrebs gestellt werden, für das Auftreten von Eierstockkrebs beträgt die Wahrscheinlichkeit 20 bis 45
Prozent. „Mittlerweile kennt man neben den beiden Hochrisikogenen BRCA1 und BRCA2 noch eine Reihe weiterer Genveränderungen, die für ein erhöhtes Brustkrebsrisiko verantwortlich sein können. Diese haben aber ein unterschiedliches Risikoprofil für die Betroffenen, weshalb man immer die Familienanamnese miteinbeziehen muss, um eine valide Aussage über das tatsächliche Risiko treffen zu können“, sagt OÄ Helfgott.

Spezialisierte Fachärzte und psychoonkologische Betreuung

Die Diagnose „vererbtes Brustkrebsrisiko“ bedeutet oft Angst und Unsicherheit für die Betroffenen. Den Patientinnen steht deshalb am Brust-Gesundheitszentrum des Ordensklinikum ein interdisziplinäres Team aus spezialisierten Fachärzten und psychologischer Betreuung zur Seite. „Wird bei einer gesunden Frau mittels Tests eine krankheitsverursachende Genveränderung festgestellt, hat sie mehrere Optionen,“ so die Zentrumsleiterin. „Zum einen gibt es ein spezielles Früherkennungskonzept, hier hat die jährliche MR-Mammographie neben den regelmäßigen gynäkologischen Kontrollen einen hohen Stellenwert. Damit kann eine Krebserkrankung zwar nicht vermieden, aber doch zumindest möglichst früh erkannt und damit auch besser behandelt werden.“

Effektiv, das heißt um über 90 Prozent gesenkt werden kann das Erkrankungsrisiko durch vorbeugende Operationen. Dies bedeutet die Entfernung des Brustgewebes – in der Regel erfolgt gleichzeitig ein plastischer Wiederaufbau. Bei abgeschlossenem Kinderwunsch können auch die Eierstöcke operativ entfernt werden. „Diese Eingriffe sind für die Patientinnen natürlich belastend und werden daher nur Frauen mit Hochrisikogenen empfohlen, bei denen die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken dadurch drastisch reduziert würde“, sagt OÄ Helfgott. Auch eine Betreuung im Rahmen von Studien, in denen die Anwendung vorbeugend wirksamer Medikamente untersucht wird, können Frauen mit hohem genetischem Risiko am Brust-Gesundheitszentrum des Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern in Anspruch nehmen.

Das Brust-Gesundheitszentrum Linz am Ordensklinikum Linz betreut ca. ein Drittel aller oberösterreichischen Patientinnen mit Brusttumoren. Nähere Informationen: https://www.ordensklinikum.at/de/patienten/medizinische-zentren/brust-gesundheitszentrum/

Foto:
© Ordensklinikum Linz:
OÄ Dr.in Ruth Helfgott, Leiterin des Brust-Gesundheitszentrum am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern 
Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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