Wie steht es um die heimischen Banken?

FMA-Vorstand Eduard Müller referierte kürzlich auf Einladung der Sparte Bank und Versicherung der Wirtschaftskammer Oberösterreich zum Thema „Finanzmarkt zwischen Covid-19, Digitalisierung und Nachhaltigkeit“. In seinen Ausführungen betonte er die besondere Herausforderung der Aufsichtsbehörde zur Schaffung einer ausgewogenen Balance zwischen Sicherung der Finanzmarktstabilität, der Forcierung weiterer Digitalisierungsmaßnahmen im Banken- und Versicherungssektor und einem besonderen Augenmerk auf die Nachhaltigkeit bei Finanzierungsprojekten (Stichwort „green finance“). Besonders hervorgehoben wurde von Müller auch die wesentlich bessere Krisenresilienz der heimischen Banken im Vergleich zu früheren wirtschaftlichen Krisen. Diesen antifragilen Zustand der heimischen Finanzwirtschaft gilt es zu erhalten bzw. weiter auszubauen. 

Maßnahmen der FMA, um Unsicherheiten zu reduzieren
Die Covid-19-Krise forderte von der FMA besondere Aufmerksamkeit und Maßnahmen, um durch die Krise entstandene Unsicherheiten sowohl für Beaufsichtigte (Finanzwirtschaft) und im Besonderen auch für die Verbraucher zu reduzieren. Dazu zählten insbesondere ein eigener Infopoint auf der FMA-Homepage, ein strukturierter Dialog auf allen Ebenen der betroffenen Institutionen des Finanzsektors und regelmäßige Informationen bzw. Aussendungen zu Online-Betrugsversuchen bei Verbrauchern aber auch Unternehmen. Auch die Anpassungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit Kreditstundungen, temporären Erleichterungen oder Adaptierungen beim laufenden Monitoring haben größtmögliche Flexibilität geschaffen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der großen Dynamik bei der weiteren Digitalisierung des Finanzmarktes. Die große Herausforderung ist dabei die Integration dieser Digitalisierungsschritte in die bestehenden Regularien des Finanzmarktes. Einerseits zum Schutz der Verbraucher, andererseits ist die Verminderung der IT- und Cyber-Risiken das zentrale Thema, um diesen Digitalisierungsturbo nicht zu bremsen. Das Gebot der Stunde ist, die neu entstehenden Fintechs, Startups usw. in den Finanzmarkt einzubinden. 

Auswirkungen auf die heimischen Banken
Michaela Keplinger-Mitterlehner, Obfrau der Sparte Bank und Versicherung der WKOÖ, präsentierte die Entwicklung der oberösterreichischen Banken im ersten Halbjahr 2020. Einem stark ausgeprägten Einlagenwachstum von rund 7,2 Prozent steht auch eine gute Entwicklung des Kreditwachstums um 4,8 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode gegenüber. Für das verbleibende Jahr 2020 ist laut Prognosen mit einer deutlichen, coronabedingten Abschwächung der Ertragslage bei den heimischen Kreditinstituten zu rechnen. Die Herausforderungen der Banken für die kommenden Jahre steigen deutlich.

Leistung der oö. Banken in Zeiten von Covid-19 bis Ende des 3. Quartals 2020
„Wir haben in Oberösterreich in den ersten Monaten der Krise wirklich Gewaltiges geleistet, u. a. 4500 Überbrückungsfinanzierungen im Rahmen von zwei Mrd. Euro — ein Kraftakt im Dienst unserer Kunden. Zudem haben wir mehr als 23.000 Stundungen umgesetzt, die ein Volumen von 252 Mio. Euro umfassen. Wenn man diese Ziffern ansieht, dann wird bestätigt, dass bei dieser Krise die Banken Teil der Lösung waren — im Gegensatz zu 2008, wo die Banken, wenngleich nicht die Regionalbanken, ein Teil des Problems waren“, so die Spartenobfrau.

ReStart-Programme
Seitens der Sparte Bank und Versicherung ist bundesweit ein umfangreiches „Recovery“-Programm erarbeitet worden, welches eine rasche Umsetzung erforderlich macht. Diese Maßnahmen sehen vor, dass Erleichterungen bei der Eigenkapitalaufbringung österreichischer Betriebe umgesetzt werden und die Kapitalmarktstruktur eine Stärkung erfährt. Weiters werden Erleichterungen bei der privaten Vorsorge gefordert und die Digitalisierung bzw. Ökologisierung der Wirtschaft vorangetrieben. Beispielsweise enthalten sind dabei Vereinfachungen bei Private Equity Investitionen, die Berücksichtigung von fiktiven Eigenkapitalzinsen, eine allgemeine KESt-Senkung, sonstige Steuererleichterungen, Erleichterungen bei der Pensionsvorsorge, Förderung der privaten Pflegevorsorge, Gesetzesanpassungen im Rahmen der Digitalisierung (Grundbuchsgesetz etc.), technologieneutrale Regulierungsmaßnahmen und Erleichterungen bei Ökologisierungsmaßnahmen (green finance). „Mit der Umsetzung dieser Forderungen ist ein großer Schritt für eine neue wirtschaftliche und gesellschaftliche Wachstumsphase möglich“, ist Spartenobfrau Keplinger-Mitterlehner überzeugt.

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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