Zucker aus Österreich: Anbau und Eigenversorgung absichern

Eigenversorgung Österreichs mit Zucker gefährdet

Die mögliche Schließung des AGRANA-Zuckerwerks in Leopoldsdorf ist eines der bestimmenden Themen der letzten Wochen innerhalb der agrarischen Welt. Die Zuckerrübe als wirtschaftlich interessante Feldfrucht ist ein wichtiger Bestandteil der Fruchtfolge vieler Ackerbaubetriebe. Notwendig dafür ist die Abnahmegarantie durch die Zuckerwerke der AGRANA. Der drohende Wegfall eines der beiden in Österreich bestehenden Zuckerwerke würde die Verarbeitungskapazität massiv einschränken, die Eigenversorgung Österreichs mit Zucker wäre nicht mehr gesichert. „Ausgangspunkt für die Diskussion um den AGRANA-Standort Leopoldsdorf ist die in Österreich seit Jahren sinkende Zuckerrüben-Anbaufläche. Verarbeitungsstätten können nur weiter bestehen, wenn der notwendige Rohstoff gesichert ist. Die in den letzten Jahren verstärkt auftretenden Trockenphasen samt Schädlingsbefall machen den Anbau im Osten Österreichs für viele Betriebe unrentabel. Aus dieser Abwärtsspirale gilt es nun, wieder herauszukommen“,so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

„Pakt zur Rettung des heimischen Zuckers“ unterzeichnet

In zwei von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger einberufenen Spitzengesprächen wurden gemeinsame Maßnahmen erarbeitet, um den Zuckerrüben-Anbau in Österreich wieder zu stärken und damit die Eigenversorgung mit Zucker abzusichern. Am 17. September 2020 konnte der „Pakt zur Rettung des heimischen Zuckers“ mit folgenden Maßnahmen unterzeichnet werden:

  • Wiederanbauprämie von 250 Euro pro Hektar bei Zerstörung durch Schädlinge.Die Kosten dafür teilen sich der Bund und die betroffenen Bundesländer.
  • Fortführung und Intensivierung derForschungsaktivitätenmit einer Gesamtdotation von 1 Mio. Euro, damit Ergebnisse rasch für die Praxis zur Verfügung stehen.
  • Die Bundesländer Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Burgenland und Wien bekennen sich im Rahmen ihres Zuständigkeitsbereiches zur Absicherung der Rübenproduktion.

Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger hat die Maßnahmen maßgeblich mitverhandelt: „Von Anfang an war in den Gesprächen spürbar, dass alle Beteiligten ein großes Interesse daran haben, die Zuckerproduktion in Österreich abzusichern. Zucker als wesentliches Grundnahrungsmittel sollte in ausreichendem Maße vor Ort produziert werden, umkeine Import-Abhängigkeitzu schaffen. Die Lebensmittel-Eigenversorgung ist für einen neutralen Staat wie Österreich von höchster Bedeutung. Diese sollte daher auch gesetzlich im Verfassungsrang festgehalten werden. Für den Bereich Zucker bin ich zuversichtlich, dass wir mit den ausgehandelten Maßnahmen wieder eine Steigerung der Zuckeranbaufläche schaffen werden. Wir haben in Oberösterreich in den letzten Jahren gezeigt, dass wir einen großen und noch steigenden Anteil an der österreichweiten Produktion leisten können. Ich möchte daher alle Bäuerinnen und Bauern mit geeigneten Flächen dazu aufrufen, auch selbst über die Aufnahme des Zuckerrüben-Anbaus nachzudenken.“ Die Maßnahmen und Garantien im Rahmen des Paktes zur Rettung des heimischen Zuckers sollen die notwendige Steigerung der 34.000 Hektar Anbaufläche im Jahr 2020 auf die notwendigen 38.000 Hektar 2021 möglich machen.

AGRANA-Vertragsmodell bringtPlanungssicherheit ohne Risiko

AGRANA bietet den Landwirtinnen undLandwirten –sei es bestehenden Rübenbauern oder Neueinsteigern –einen attraktiven Drei-Jahres-Vertrag, der der Zuckerrübe einen signifikanten Wettbewerbsvorsprung und damit ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Ackerkulturen bringt. Garantierte Mindestpreise bedeuten Planungssicherheit für die Landwirtinnenund Landwirte und im Falle eines Rübenumbruches wegen Rüsselkäferbefalls werden die Saatgutkosten nicht verrechnet. Das Vertragsmodell ist eingebettet in ein umfangreiches Maßnahmenpaket, das mit Landwirtschaftsministerium und dem Rübenbauernbund vereinbart wurde.

Mit diesem Paket soll der notwendige Anstieg der Rübenfläche in allen österreichischen Anbaugebieten erzielt und damit die Weiterführung der Zuckerproduktion mit zwei Fabrikenmöglich gemacht werden. Das Maßnahmenpaket im Detail.

  • 3-Jahres Vertragsmodell bis 2022 mit Mindestpreisen von 32 EUR netto (+ 2 EUR Rübenplatzmiete) für Lieferrechtsrüben. Das sind 2 EUR mehr als 2020!
  • Staatliche Wiederanbauprämie in Höhe von 250 EUR/ha nach Schädlingsbefall
  • Rübenbauern, die über die Hagelversicherung versichert sind, erhalten wie bisher für den Wiederanbau 250 EUR/ha
  • Saatgut für den Wiederanbau wird gratis zur Verfügung gestellt
  • Notfallzulassung für die Verwendung von mit Neonicotinoid-gebeiztem Saatgut wird nachpositivem Abschluss des Bienenmonitorings gewährt.
  • Zusatzeinkommen mit Kombi-Verträgen für Nassmais und Ethanolgetreide
  • Unterstützung bei überbetrieblicher Maschinenbereitstellung

AGRANA-Vorstand Dr. Fritz Gattermayer: „AGRANA bietet den Landwirtinnenund Landwirtenmit ihrem Rübenvertragsmodell eine langfristige Perspektive. Das bringt Stabilität und Wertschöpfung für die gesamte Zuckerwirtschaft und unser Angebot gilt auch für Landwirtinnenund Landwirte, die neu in den Rübenanbau einsteigen wollen. Wir glauben fest daran, dass es machbar sein sollte, die Rübenanbaufläche auf die erforderliche Zuckerrübenanbaufläche in Höhe von 38.000 Hektar zu steigern und damit den Bestand von zwei Zuckerfabriken in Österreich zu sichern. Das ist sowohl aus Produktions-als auch aus Rohstoff-und Vertriebssicht von großer Bedeutung. Denn es gilt: Ohne Rüben keine Zuckerfabrik und ohne Zuckerfabrik keine Rüben. In Oberösterreich konnte erfreulicherweise die Rübenfläche im vergangenen Jahr auf rund 6.300 Hektar ausgedehnt werden. Unser Ziel ist hier eine weitere Steigerung auf 8.000 Hektar. Die heuer in Oberösterreich erzielten Hektarerträge liegen zwischen 90 und 110 Tonnen und machen uns hinsichtlich eines weiteren Rübenflächenanstiegs in Oberösterreich zusätzlich optimistisch.“

©Land OÖ/Tina Gerstmair

AGRANA-Vorstand Dr. Fritz Gattermayer, Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger und Obmann der OÖ. Rübenbauern Franz Weinbergmair rufen zur Steigerung der Rübenanbaufläche auf.
 
Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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