AK Oberösterreich erkämpft 35.000 Euro für diskriminierte Arbeitnehmerin

Nach wie vor werden Frauen wegen ihres Geschlechts in der Arbeitswelt benachteiligt. Besonders häufig ist Diskriminierung beim Einkommen. In der Gleichbehandlungsberatung der AK Oberösterreich konnte ein Fall abgeschlossen werden, der leider ganz typisch ist und bei dem es um sehr viel Geld ging: Eine Beschäftigte wurde gleich von zwei unterschiedlichen Dienstgebern in Sachen Einkommen diskriminiert. Die AK erwirkte für sie rund 35.000 Euro Nachzahlungen und Schadenersatz. Kein Einzelfall. „Von tatsächlicher Gleichstellung sind wir im Berufsleben noch meilenweit entfernt“, kritisiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Die Arbeitnehmerin wandte sich an die Arbeiterkammer Oberösterreich, weil sie das Gefühl hatte, von ihrem Arbeitgeber nicht fair bezahlt zu werden. Sie war gut ausgebildet und in Führungspositionen eingesetzt. Die Expertinnen in der AK-Gleichbehandlungsberatung stellten fest, dass die Frau recht hatte. Ihr wurden Vordienstzeiten nicht korrekt angerechnet, die Einstufung in die Verwendungsgruppe des betreffenden Kollektivvertrags hat nicht gepasst und zusätzlich haben ihr beide Dienstgeber weniger bezahlt als ihren männlichen Kollegen in vergleichbaren Positionen.  Die AK erwirkte für die Frau in gerichtlichen Vergleichen Gehaltsnachzahlungen und Schadenersatzzahlungen in der Höhe von insgesamt rund 35.000 Euro.

Gesetze dürfen nicht nur auf dem Papier gelten

„In diesem Fall handelte es sich ganz klar um eine sogenannte Entgeltdiskriminierung aufgrund des Geschlechts. Es war kein sachlicher Grund feststellbar, warum die Frau beim Einkommen anders eingestuft worden war als die Männer“, berichtet AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Das Gleichbehandlungsgesetz verbietet Diskriminierung in der Arbeitswelt aufgrund des Geschlechts, der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion oder Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung. 

Die AK Oberösterreich sorgt dafür, dass diese Gesetze nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern auch angewandt werden. Kalliauer: „Wir informieren Frauen über ihre Rechte, wir stärken ihnen den Rücken und wir helfen ihnen mit Beratung und Vertretung dabei, sich gegen Benachteiligungen zur Wehr zu setzen.“ Leider ist Diskriminierung nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich. Gerade beim Einkommen. „Über Geld spricht man nicht“ – dieses Sprichwort wird vor allem in Bezug auf Löhne und Gehälter in den Betrieben nach wie vor sehr intensiv gelebt – Betroffene wissen daher häufig gar nicht, dass sie gegenüber anderen Kollegen/-innen benachteiligt sind. „Jene, die sich an unsere Gleichbehandlungsberatung wenden, sind nur die Spitze des Eisbergs, die Dunkelziffer ist weit höher“, so Kalliauer. Er fordert mehr Transparenz in den Unternehmen zu Höhe der Einkommen, zu Prämien und Zulagen. Diese müssen für die Belegschaft transparent und nachvollziehbar sein. Beim konkreten Verdacht auf Entgeltdiskriminierung müssen Firmen nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht haben, Vergleichsdaten an die Interessenvertretung und Gleichbehandlungsanwaltschaft zu übermitteln. 

Oberösterreich bei Fraueneinkommen Schlusslicht

Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen sind in Oberösterreich übrigens besonders stark ausgeprägt. Selbst wenn eine Frau das ganze Jahr über Vollzeit arbeitet, hat sie am Jahresende im Schnitt um mehr als ein Fünftel weniger am Lohnkonto als ein Mann. 2018 machte dieser Unterschied nach AK-Berechnungen 12.500 Euro pro Jahr aus. Schlechter schneidet hier im Bundesländervergleich nur Vorarlberg ab. Ein Grund dafür ist auch, dass typische Frauenberufe nach wie vor schlechter entlohnt werden als Jobs in Männerbranchen. Weitere top-aktuelle Zahlen und Fakten zur Arbeits- und Lebenssituation präsentiert die AK Oberösterreich am 19. Oktober 2020 in der Neuauflage des „AK-Frauenmonitors“.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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