OÖ Bauernbund: Faire Preise – Faire Löhne

Der kürzlich veröffentlichte Grüne Bericht 2020 mit den Zahlen von 2019 zeigt es deutlich: Die Einkommen aus der Land- und Forstwirtschat stagnieren seit dem Jahr 2016.

Das durchschnittliche Einkommen eines österreichischen land- und forstwirtschaftlichen Betriebes liegt bei 27.966 Euro und ist gegenüber dem Jahr 2018 um 0,2 Prozent gesunken. „Schuld an dieser negativen Entwicklung sind einerseits die klimawandelbedingten Schäden und andererseits die zu geringen Erlöse aus den Produktverkäufen. Der Borkenkäfer führte zu einem hohen Schadholzanteil und sehr niedrigen Holzpreisen. Die Trockenheit und Engerlinge verursachten Futtermangel. Doch die Fixkosten für die bäuerlichen Familienbetriebe steigen“, erläutert OÖ Bauernbund-Landesobmann LR Max Hiegelsberger.

Wertschöpfung wieder ermöglichen

Die Bäuerinnen und Bauern leiden unter dem Druck des Handels. Sie stehen mit ihren erstklassigen Qualitäts-Lebensmitteln am Beginn der Wertschöpfungskette. Allerdings ist die Gewinnaufteilung sehr unterschiedlich. Denn das größte Stück des „gemeinsamen Kuchens“ landet bei den Lebensmittelketten. „Es gilt den Wertschöpfungsanteil für die Bäuerinnen und Bauern zu erhöhen. Nur so kann auch dauerhaft die kleinstrukturierte bäuerliche Landwirtschaft in Österreich erhalten werden. Das Beispiel eines Eierzeugers zeigt es deutlich. Er verkauft um zwölf Cent an den Großhandel. Der verkauft wiederum um 49 Cent und letzten Endes kostet die Ware in der Aktion im Geschäft 99 Cent. Da passt etwas nicht zusammen. Daher muss die Kluft zwischen den Produzenten und Endverkäufern minimiert werden. Der Gewinn darf nicht ausschließlich beim Handel liegen“, betont Hiegelsberger.

Regionale Lebensmittel sind etwas wert

Die bäuerlichen Familienbetriebe befinden sich in einem internationalen Wettbewerb. Aktuell geben Herr und Frau Österreicher nur neun Prozent ihrer Einkommen für Lebensmittel aus. So wenig wie noch nie. Gleichzeitig wird ein Drittel der Lebensmittel oft noch ungeöffnet entsorgt. Für eine „faire Produktion“ müssten die Konsumentinnen und Konsumenten jedoch 20 Prozent mehr für ihre Lebensmittel bezahlen. Der Konsument bestimmt mit seinem Einkauf schlussendlich wie und was produziert wird. „Das Mithalten in diesem Rennen gleicht einer Art „bäuerlichen Überlebenskampfes“. Regional erzeugte Lebensmittel haben einen Mehrwert. Denn heimische Lebensmittel werden klimaschonend und unter hohen Umwelt- und Tierhaltungsstandards produziert. Standards, wie sie nirgends auf der Welt zu finden sind. Aktionen mit Lebensmittel aus aller Herren Länder, und der Griff zu diesen, ruiniert langfristig betrachtet die österreichische Qualitäts-Landwirtschaft. Damit es den Endverbrauchern leichter fällt sich bewusst für ein österreichisches Lebensmittel entscheiden zu können ist die im Regierungsprogramm vorgesehene verpflichtende Herkunftskennzeichnung, insbesondere bei verarbeiteten Produkten und der Gemeinschaftsverpflegung, neben der gerechteren Gewinnaufteilung ein weiterer Schlüssel, um den Bäuerinnen und Bauern ihr finanzielles Auskommen zu ermöglichen. Eine rasche Umsetzung der verpflichtenden Herkunftskennzeichnung durch Gesundheitsminister Rudolf Anschober wäre dringend nötig“, so OÖ Landesbäuerin Johanna Haider.

Mercosur gefährdet heimische nachhaltige Landwirtschaft

Das EU-Mercosur-Handelsabkommen steht in klarem Widerspruch zu den Zielen des sogenannten „Green Deals“ (Konzept für eine nachhaltige europäische Wirtschaft). Billig produzierte Lebensmittel, die in keiner Weise den hohen Produktions- und Umweltstandards Österreichs und auch der EU entsprechen, würden zu Lasten der Bäuerinnen und Bauern importiert werden. Außerdem darf die enorme Umweltzerstörung durch die Abholzung des Regenwaldes, dem unkontrollierten Ausbringen von bei uns in Europa schon lange nicht mehr zugelassenen Pestiziden nicht außer Acht gelassen werden. „In einer Welt in der der Klimawandel mittlerweile zu einem bedrohenden Faktum geworden ist, müssen sich alle zur heimischen Qualitäts-Landwirtschaft und der Regionalität bekennen. Nur so können wir dem Nachhaltigkeitsgedanken und dem Erhalt der österreichischen Landwirtschaft Rechnung tragen“, betont Haider.

Projekt – „Das isst Österreich“

Das neue Regionalitäts-Projekt „Das isst Österreich“ mit dem Slogan „Schau auf regionale Qualität“ ist eine Initiative des Landwirtschaftsministeriums, die von zahlreichen agrarischen Organisationen (Bundesländer, Landwirtschaftskammer, AMA-Marketing, Netzwerk Kulinarik) und unter anderem auch vom OÖ Bauernbund unterstützt wird. Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten achten beim Einkauf bewusst darauf, woher die Lebensmittel stammen. „Es geht darum die Vorteile des Einkaufes sowie der Produktion regional erzeugter Lebensmittel für die Konsumentinnen und Konsumenten aufzuzeigen und das Bewusstsein für die Vielfalt regionaler Lebensmittel zu schärfen. Das AMA-Gütesiegel und das Genuss Region-Siegel stehen für beste regionale Lebensmittel“, so Haider.

Begleitet wird diese Initiative durch eine bundesweite Medienoffensive, einer Kooperation mit der ORF-Kochsendung mit Silvia Schneider, der Website www.das-isst-österreich.at, einer Plakat- und Feldaufsteller Challenge der Landjugend sowie Aktionstage der Landwirtschaftskammern in allen Bezirken. Eine digitale „Genuss-Landkarte“ bietet den Konsumentinnen und Konsumenten die Möglichkeit sich einfach über Direktvermarkter, Manufakturen oder regionale Gastronomiebetriebe informieren zu können.

©OÖ Bauernbund

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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