Erster neurochirurgischer Hybrid-OP in Österreich am Neuromed Campus des Kepler Universitätsklinikums eröffnet

Die neurochirurgische Therapie bei Erkrankungen der Blutgefäße des Gehirns zählt zu den chirurgisch technisch schwierigsten und aufwändigsten Eingriffen in der Humanmedizin. Diese Operationen umfassen die Klippung cerebraler Aneurysmen, die Resektion cerebraler Angiome (Blutschwamm) und arteriovenöser Fisteln sowie die cerebrale Bypasschirurgie. Dafür ist eine rasch verfügbare, intraoperative, hochauflösende Bildgebung zur Erfolgskontrolle der chirurgischen Maßnahmen zwingend erforderlich. Mit Juni steht dafür nun an der Universitätsklinik für Neurochirurgie (Vorstand: Univ.-Prof. Dr. Andreas Gruber) der erste rein NEUROCHIRURGISCHE Hybrid-OP Österreichs am Neuromed Campus des Kepler Universitätsklinikums zur Verfügung.

Einen neurochirurgischen OP mit einfacher Hybridfunktion gab es erstmals in den 1990ern an der Neurochirurgie am AKH Wien. Diese Technik wurde natürlich in den letzten Jahren wesentlich weiterentwickelt, sodass nun am Neuromed Campus der erste rein neurochirurgische Hybrid-OP nach internationalen Standards (Roboterarm, intraoperative Angiographieanlage, gleichzeitig die Möglichkeit ein intraoperatives CT oder eine intraoperative Hirndurchblutungsmessung mit der Angiographieanlage selbst machen zu können) in Österreich zur Verfügung steht.

„Ich bin stolz und beeindruckt von den Möglichkeiten, die sich durch den neuen Hybrid-OP für die Patientinnen und Patienten am Neuromed Campus ergeben. Diese innovative technische Lösung  wird  sowohl für die Patient/-innenversorgung als auch für Lehre und Forschung am Kepler Uniklinikum wertvolle Dienste leisten und passt somit hervorragend in die Vision eines Medical Valleys in Oberösterreich“, sagt Landeshauptmann-Stellvertreterin Mag.a Christine Haberlander.

Hybrid-OPs stellen eine der innovativsten Entwicklungen im Bereich der Neurochirurgie dar. Die erfolgreiche Durchführung neurochirurgischer Eingriffe ist eng mit einer intraoperativen angiographischen Erfolgskontrolle verbunden. Da die tolerable cerebrale Ischämiezeit in diesen Hirngebieten nur wenige Minuten beträgt, ist eine rasch verfügbare intraoperative Angiographieeinheit von höchster Bildqualität und Auflösung unerlässlich. Die damit gewonnenen Informationen sind essentiell für den weiteren Operationsverlauf und für den eigentlichen Operationserfolg notwendig. Höchstauflösende Bilddaten können sofort geliefert werden.

Die Durchführung einer intraoperativen cerebralen Angiographie während neurochirurgischer Eingriffe stellt erhebliche Anforderungen an das gesamte Team. Intraoperative monoplane Angiographieanlagen, deren Strahlungsquelle und Detektor über einen Roboterarm direkt in das Operationsgebiet eingeschwenkt werden können, können optimal angewendet werden. Das bedeutet eine wesentliche Verkürzung der Eingriffszeit, Verbesserung der Behandlungsqualität und Reduktion der eingriffsassoziierten Komplikationsraten.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit im neurochirurgischen Hybrid-OP

„Konzeptionell ist der neurochirurgische Hybrid-OP darauf ausgelegt, dass mehrere Disziplinen wie Neurochirurgie, Radiologie und Anästhesiologie perfekt aufeinander abgestimmt miteinander arbeiten. Teamarbeit mit fach- und berufsgruppenübergreifender Zusammenarbeit im Sinne der bestmöglichen Versorgung, das ist die große Stärke. Davon werden unsere Patientinnen und Patienten unmittelbar profitieren. Mit dieser innovativen medizinischen Einrichtung geben wir ein sehr klares Bekenntnis zum medizinischen Fortschritt und zur Modernisierung unseres Uniklinikums ab“, freut sich Mag. Dr. Franz Harnoncourt, Geschäftsführer des Kepler Universitätsklinikums.

„Die Aufgabe der diplomierten Pflegekräfte ist auch das Führen des Dialogs innerhalb eines Teams unterschiedlicher Berufsgruppen. Dies passiert mit dem Ziel, die pflegerischen und technischen Komponenten im Bereich zu optimieren, einen wesentlichen Beitrag zum qualitätsgesicherten Gelingen der Operation zu leisten, somit eine sichere Umgebung für die Patientin bzw. den Patienten zu schaffen und ihnen bei all ihren Ängsten, Sorgen und Bedürfnissen, die in dieser besonderen Lebenslage bestehen, beizustehen“, ist es Pflegedirektorin Simone Pammer, MBA, ein Anliegen.

Nationales und internationales Alleinstellungsmerkmal

Kombiniert neurochirurgisch, neurointerventionelle Eingriffe sind komplexe Behandlungen, welche ein nationales und internationales Alleinstellungsmerkmal darstellen und den Universitätsstandort Linz rasch international sichtbar machen.

Neben der mikrochirurgischen Behandlung cerebrovaskulärer Erkrankungen besteht die Möglichkeit, besonders komplexe Pathologien durch gleichzeitig kombinierten Einsatz neurochirurgischer und neurointerventioneller Techniken zu behandeln. Solche Eingriffe umfassen beispielsweise die Ausschaltung cerebraler, weder chirurgisch noch neurointerventionell alleine behandelbarer Aneurysmen durch vorbereitende Bypasschirurgie und unmittelbar darauffolgenden neurointerventionellen Gefäßverschluss, sowie die prä- oder intraoperative Teilembolisation cerebraler Angiome oder arteriovenöser Fisteln. Diese Eingriffe zählen zu den chirurgisch und technisch schwierigsten Operationen im Bereich der Neurochirurgie.

Dieser neurochirurgische Hybrid-OP wird sowohl für die Versorgung der Patientinnen und Patienten als auch für
Lehre und Forschung am Kepler Universitätsklinikum wertvolle Dienste bieten.


Univ.-Prof. Dr. Andreas Gruber, Vorstand der Universitätsklinik für Neurochirurgie zeigt sich sehr erfreut: „Die hohen Anforderungen an die intraoperative angiographische Bildgebung während komplexer cerebrovaskulärer Operationen sowie kombiniert neurochirurgisch neurointer-ventioneller Eingriffe werden nun im neurochirurgischen HybridOP in bestmöglicher Weise erfüllt.“

Zusammengefasst die Vorteile des neurochirurgischen Hybrid-OPs

  • Höchste Bildqualität
  • Raschest mögliche Verfügbarkeit durch Verortung im Operationssaal
  • Höchste Mobilität von Detektor und Strahlungsquelle, auch im sterilen Operationsfeld, durch Führung mittels Roboterarm
  • Möglichkeit zur neurointerventionellen Tätigkeit im Operationsaal, gegebenenfalls während der laufenden Operation
Foto: Kepler Universitätsklinikum
Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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