Klimafitte Gemeinden – Jetzt in die Zukunft investieren

Neuer Klimawandelanpassungs-Leitfaden des Ökosozialen Forums & Praxisbeispiel Klar!-Region Freistadt

Pressekonferenz mit Gemeinde-Landesrat und Obmann des Ökosozialen Forums OÖ Max Hiegelsberger, KEM Freistadt-Manager und Geschäftsführer des EBF Norbert Miesenberger und KLAR! Freistadt-Managerin Sonja Hackl

„Das sich verändernde Klima ist eine Tatsache, darüber kann auch der relativ regenreiche Sommer 2020 nicht hinwegtäuschen. Als Garanten der Lebensqualität kommt den Gemeinden eine wichtige Rolle bei der Anpassung an den Klimawandel zu. Gleichzeitig tragen sie als Investitionsmotoren im ländlichen Raum auch maßgeblich zur Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes bei. Mit eine Milliarde Euro seitens des Bundes und dem OÖ-Gemeindepaket im Ausmaß von 344 Millionen Euro stehen auch die Mittel für diese Zukunftsinvestitionen bereit. Der Energiebezirk Freistadt zeigt es vor: Klimaschutzmaßnahmen gehen Hand in Hand mit der Klimawandelanpassung im Rahmen der KLAR!-Region“, so Gemeinde-Landesrat Max Hiegelsberger

Klimawandel erreicht unsere Gemeinden

„Bereits heute liegt die mittlere globale Temperatur um rund 1 °C über dem vorindustriellen Niveau und die Jahre 2014–2019 waren die wärmsten der bisherigen Messgeschichte. In Österreich war der Temperaturanstieg in der Vergangenheit mehr als doppelt so hoch wie im globalen Mittel und das Jahr 2019 war das bisher drittwärmste Jahr in der 252-jährigen Messgeschichte.“ (Klimaschutzbericht 2020 – Zusammenfassung Seite 1) Der Klimawandel ist bereits voll im Gange und trifft die Gemeinden und die einzelnen Regionen auf vielfältige Art und Weise. Höhere Durchschnittstemperaturen und die damit verbundenen gesundheitlichen Herausforderungen, Starkregenereignisse oder aber Dürre und Probleme bei der Trinkwasserversorgung, um nur einigeBeispiele zu nennen. Die Gemeinden sind zunehmend gefordert, Lösungen für diese Problemstellungen zu finden und damit die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner auf gewohnt hohem Niveau zu halten.

„Die Gemeinden stehen hier vor einer doppelten Herausforderung. Sie müssen sich an den bereits bemerkbaren Klimawandel anpassen und die Infrastruktur entsprechend ausbauen. Dies muss aber Hand in Hand gehen mit Klimaschutzmaßnahmen, um das Ausmaß der Veränderungen zu begrenzen. Das Gute dabei ist: Viele Projekte und Maßnahme wirken auf beide Zielsetzungen positiv. Das Gemeindepaket seitens des Landes und des Bundes legt daher einen starken Fokus auf klimarelevante Investitionen. Gemeinden werden damit zielgenau bei den anstehenden Herausforderungen unterstützt. Damit sie auch in Zukunft die Lebensqualität für die Menschen vor Ort garantieren können“, so Gemeinde-Landesrat Max Hiegelsberger.

Ökosozialer Klimakompass – Neuer Leitfaden für die Klimawandelanpassung

Die Herausforderungen, die ein sich änderndes Klima mit sich bringt, stellen sich regional unterschiedlich dar. Gleichzeitig gibt es bereits eine Vielzahl an erprobten Gegenmaßnahmen, die auch von weiteren Gemeinden umgesetzt werden können. Die neue Broschüre des ökosozialen Forums, der ökosoziale Klimakompass, sammelt diese österreichweiten Vorzeigeprojekte. Vorgestellt werden graue Maßnahmen, also bauliche Projekte wie Rückhaltebecken, grüne Maßnahmen, beispielsweise Baumpflanzungen zur Kühlung von Straßen und informative Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung. „Der ökosoziale Klimakompass ist eine konkrete und anwenderfreundliche Hilfestellung für alle Gemeindeverantwortlichen. Nicht nur die konkreten Projekte werden vorgestellt, sondern auch der Weg dazu. Die Bevölkerung aktiv mitzunehmen und Maßnahmen gemeinsam zu entwickeln, ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Klimawandelanpassung. Die Gemeinden werden damit auch zu Vorbildern für das individuelle Verhalten der Menschen. Ganz nach dem Motto: Global denken, lokal handeln“, so Gemeinde-Landesrat Max Hiegelsberger.

Vorzeige-Region Freistadt – aktiv im Klimaschutz und in der Klimawandelanpassung

Bereits seit der Gründung im Jahr 2005 ist der Energiebezirk Freistadt mit seinen 23 Mitgliedsgemeinden ein Vorzeigebeispiel für Klimaschutz auf der kommunalen Ebene. Die Initiative ist eng vernetzt mit den LEADER-Regionen vor Ort. Daraus sind in den letzten Jahren folgende Projekte entstanden:

  • MühlFerdl – E-Carsharing-Plattform im Bezirk Freistadt und Teilen von Urfahr-Umgebung
  • Mitfahrbankerl im Kernland – Initiative zur Attraktivierung des Autostoppens
  • 3Gipfelweg – Wanderweg in der Mühlviertler Alm mit Klimawandelanpassungsthemen

Verstärkt beschäftigt sich die Energieregion auch mit dem regionalen Strommarkt (Projekt OurPower – eine Energiegenossenschaft) und Bildungsmaßnahmen zum Klimaschutz.

Seit 2018 nimmt der Energiebezirk als eine von zwei Regionen inOberösterreich (neben KLAR! Inneres Salzkammergut) auch am KLAR!-Programm des Klimafonds teil. KLAR steht für KLimawandel-AnpassungsRegion. Ziel ist die Vernetzung der in der Region thematisch aktiven Personen und Institutionen. Das Programm soll das Bewusstsein für Klimawandelanpassung in der Region stärken und Maßnahmen koordinieren. Neben Bildungsmaßnahmen werden in Freistadt Projekte zum Hangwassermanagement, der Gestaltung stabiler Mischwälder und der Gesundheitsvorsorge in den Gemeinden umgesetzt. Wichtigste Ansprechpartner sind direkt Betroffene wie beispielsweise die Bäuerinnen und Bauern, welche bereits tagtäglich die Auswirkungen des Klimawandels spüren.

„Der Energiebezirk Freistadt ist ein echtes Vorbild für regionale und kommunale Maßnahmen im Bereich Klimaschutz und Klimawandelanpassung. Hier wird direkt vor Ort, gemeinsam mit den engagierten Menschen in den Gemeinden an der Zukunft gearbeitet. Aber auch in vielen anderen Regionen Oberösterreichs gehen die Gemeinden die Herausforderung Klimawandel aktiv an. Seitens des Bundes und des Landes Oberösterreich stehen die Mittel und auch Unterstützungsmaßnahmen für die Gemeinden parat. Als Garant für Lebensqualität und unmittelbarer Ansprechpartner vor Ort kommt den Gemeinden eine tragende Rolle im Umgang mit dem Klimawandel zu“,erläutert Gemeinde-Landesrat Max Hiegelsberger.

Klima- und Energiemodellregion (KEM) Freistadt

Im Programm Klima- und Energiemodellregion (KEM) Freistadt treibt der EBF seit 2010 Klimaschutzprojekte in der Region voran. Mittlerweile befindet sich die KEM Freistadt in der dritten Weiterführungsphase, welche bis Ende 2021 läuft. Dabei werden BürgerInnen, UnternehmerInnen, Kommunen und MeinungsbildnerInnen auf unterschiedlichen Ebenen zu klimafreundlichen Veränderungen motiviert. Neben Bewusstseinsbildung liegt ein starker Fokus auf erneuerbaren Energien und nachhaltiger Mobilität. Die Nutzung regionaler Potenziale und Chancen wird bei den Umsetzungsmaßnahmen konsequent mitgedacht.

Die Helios Sonnenstrom GmbH hat sich aus der KEM Freistadt entwickelt und betreibt mittlerweile eines der größten Bürgerbeteiligungskraftwerke Österreichs. Seit 2012 wächst das regionale Sonnenkraftwerk kontinuierlich und umfasst über 10 MWp (MegawattPeak) auf knapp 500 Dächern. Die Anlagen werden zu einem großen Teil durch Bürgerbeteiligung finanziert. Somit wird die Umwelt geschont, regionale Wertschöpfung generiert und die BürgerInnen können in eine sichere und innovative Technologie investieren.

Der MühlFerdl ist ein regionsübergreifendes E-Carsharing-Projekt im Mühlviertel, welches ebenfalls aus der KEM heraus entstanden ist. Der EBF betreibt mittlerweile die E-Autoflotte mit 14 Autos in unterschiedlichen Gemeinden in der Region. E-Carsharing ist der(Zweit-) Autoersatz und bietet die Möglichkeit, ein Auto dann zu nutzen, wenn es wirklich benötigt wird. Dadurch tritt der Besitz eines eigenen PKW in den Hintergrund und Mobilität wird vermehrt zu einer Dienstleistung. Der MühlFerdl ist daher eine einfache, umweltfreundliche und kostengünstige Möglichkeit der Individualmobilität.

„Die KEM Freistadt hat sich zum Ziel gesetzt, den regionalen Eigenversorgungsgrad mit nachhaltiger Energie zu heben. Erneuerbare, vielfach dezentral genutzte Energiequellen liefern saubere und leistbare Energie, machen die Region unabhängiger von Energieimporten und bergen somit viele Chancen für die regionale Wertschöpfung. Aus diesem Grund haben wir bereits verschiedene Projekte im Bezirk Freistadt realisiert. Sei es die Gründung der Helios Sonnenstrom GmbH, den Aufbau des E-Carsharings MühlFerdl oder das Mitwirken an der Energiegenossenschaft OurPower. Für die aktuelle Phase haben wir den Schwerpunkt auf nachhaltige Mobilität gelegt. Durch neue Raumplanungs- und Mobilitätskonzepte versuchen wir, den motorisierten Individualverkehr in der Region zu senken und aktive Mobilität wie Fahrrad fahren zu forcieren. Das bringt nicht nur Vorteile für die Umwelt, sondern auch für die Gesundheit“,erklärt KEM-Manager Norbert Miesenberger.

KlimawandelanpassungsmodellregionKLAR! Freistadt

m Programm Klimawandelanpassungsmodellregion (KLAR!) Freistadt versucht der EBF seit 2017, die Region klimafit zu machen. Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel betreffen dabei unterschiedliche Sektoren wie Land- und Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft, aber auch den Gesundheitsbereich sowie Privathaushalte.

Die KLAR!-Freistadt ist dabei die einzige Region in Oberösterreich, die sich seit Mai diesen Jahres in der dreijährigen Weiterführungsphase befindet. In der ersten Phase stand vor allem die Bewusstseinsbildung der Bevölkerung zu Auswirkungen von Temperaturextremen, Starkniederschlägen und Trockenheit im Vordergrund. In der Weiterführungsphase liegt der Fokus auf derVerstetigung von gelungenen, wichtigen Maßnahmen sowie die Bearbeitung von neuen Themen. Ein Schwerpunkt wird in dieser Phase auf die Umsetzung sichtbarer Maßnahmen gelegt. In der KLAR!-Klimawoche haben SchülerInnen und Schüler höherer Schulen der Region die Möglichkeit, sich eine Woche lang intensiv mit dem Thema Klimawandel und dessen Folgen in der Heimat zu beschäftigen. Im Rahmen einer Zukunftswerkstatt erarbeiten die SchülerInnen ihre persönlichen Visionen und Lösungsvorschläge für eine klimafitte Zukunft. Die Zukunftswerkstatt zielt auf ein selbstbestimmtes Lernen der SchülerInnen sowie auf Bewusstseinsbildung ab. Die KLAR!-Klimawoche wurde dafür mit dem Landespreis für Umwelt und Nachhaltigkeit 2019 ausgezeichnet.

Mit dem 3Gipfelweg in St. Leonhard bei Freistadt wird seit Frühjahr dieses Jahres das Angebot in der Region Mühlviertler Alm um einen Wanderweg erweitert. Hierbei handelt es sich um einen Rundwanderweg mit einer Länge von 21 km, insgesamt 800 Höhenmetern und einer durchschnittlichen Gehzeit von 6 Stunden. Bei 15 Informationspunkten entlang des Rundweges werden die Folgen des Klimawandels erläutert sowie der Einfluss auf unterschiedliche Lebensbereiche auf den Menschen aufgezeigt. In einer kostenlos zur Verfügung stehenden App (Hearonymus) kann nach Eingabe der Stationsnummer der jeweilige Beitrag via Handy gehört werden. Der 3Gipfelweg ist ein LEADER-Projekt des Verschönerungs- und Tourismusforums St. Leonhard in Kooperation mit der KLAR!-Freistadt.

„Die BürgerInnen und Bürger der Region Freistadt haben schon mehrfach erleben müssen, welche katastrophalen Auswirkungen der Klimawandel verursachen kann. Sei es durch Überflutungen nach extremen Starkregenereignissen, durch Schadholzbefall infolge starken Borkenkäferbefalls oder durch Ernteausfälle und Wasserknappheit nach Trockenperioden. Die Teilnahme am KLAR!-Programm ermöglicht es, das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Klimawandelanpassung zu stärken und durch konkrete Maßnahmen die Verwundbarkeit abzuschwächen, während die Potenziale der Region gezielt genutzt werden“ erläutert KLAR-Managerin Sonja Hackl.

© Land OÖ/Vanessa Ehrengruber

KLAR! Freistadt-Managerin Sonja Hackl, Gemeinde-Landesrat Max Hiegelsberger und KEM-Freistadt Manager Norbert Miesenberger präsentieren Maßnahmen der Klimawandelanpassung und des Klimaschutzes in Gemeinden.
Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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