Moorschutz ist Klimaschutz. Umweltbaustelle der Alpenvereinsjugend am Wilden Kaiser

Die einzigartigen Moorlandschaften auf der Südostseite des Wilden Kaisers schützen und dem Drüsigen Springkraut den Kampf ansagen – das haben sich neun Freiwillige bei der Umweltbaustelle der österreichischen Alpenvereinsjugend in der „Moor & more“ Erlebniswelt in St. Johann in Tirol vorgenommen. Vom 2. bis zum 8. August tragen die ehrenamtlichen HelferInnen damit tatkräftig zum regionalen Naturschutz und Klimaschutz bei.

Die Kernaufgabe im Rahmen der Umweltbaustelle war es, die Ausbreitung des Drüsigen Springkrautes (Impatiens gladulifera) zu unterbinden und das Moorgebiet von den bereits etablierten Beständen zu befreien. Die Pflanze ist ein invasiver Neophyt, also eine nicht heimische Art die sich rasant ausbreitet und hiesige Pflanzen verdrängt. Sie ist eine Bedrohung für die regionalen Ökosysteme und sehr schwierig zu beseitigen. Dies ist insbesondere im Angesicht der aktuellen Klimakrise problematisch, denn Moore sind der weltweit größte und effizienteste Kohlenstoffspeicher an Land. Obwohl sie nur 3% der Landfläche bedecken, beinhalten sie ca. 600 Gt Kohlenstoff, das ist mehr als doppelt so viel wie alle Wälder der Erde zusammen1,2. Deshalb ist es unerlässlich Moore zu schützen und sicherzustellen, dass die gefährlichen Treibhausgase nicht in die Atmosphäre gelangen. [Zudem haben Moore eine enorme Wasserspeicherkapazität. Sie saugen Regenwasser wie ein Schwamm auf, speichern es und geben es verzögert wieder ab. Dadurch können sie Extremwetterlagen, wie wir sie immer häufiger erleben, abpuffern und Überschwemmungen sowie Dürren vermindern.]

Es ist bereits die zweite Gruppe der Alpenvereinsjugend die heuer unter der Leitung von Elisabeth Pali, Umweltabteilungsleiterin der Marktgemeinde St. Johann in Tirol, tatkräftig ans Werk ging. „Die Umweltbaustelle ist super, weil der Einsatz von intrinsisch motivierten jungen Leuten sehr effiziente ist und wir ohne sie die Arbeitsmenge kaum bewältigen könnten.“

Dass der intakte Naturraum mit hoher Artenvielfalt und gepflegten Ökosystemen nicht nur unsere Lebensgrundlage, sondern auch das Hab und Gut der Region ist, betont Martina Foidl, Geschäftsführungsstellvertreterin des Tourismusverbandes St. Johann in Tirol. Deshalb begrüßt sie das Engagement der jungen UmweltschützerInnen und die Initiative der Gemeinde sehr. Die Bedrohung durch Neophyten sei schon länger ein Thema, doch bisher gab es nur vereinzelte kleinere Maßnahmen. „Es ist toll, dass es durch Elisabeth eine zentrale Koordination der Projekte gibt und dadurch das Umweltschutzkonzept effizient und ganzheitlich umgesetzt wird.“, so Foidl.

Für die TeilnehmerInnen bietet das Projekt nicht nur die Möglichkeit der Natur etwas Gutes zu tun, sondern auch einen einmaligen Einblick in die Ökosysteme und die komplexen Zusammenhänge zwischen Naturschutz und Klimaschutz. „Ich bin fasziniert von der Schönheit der Landschaft, es ist toll was wir hier alles lernen und es macht mir wahnsinnig viel Spaß eine Woche lang an der frischen Luft aktiv zu sein.“, so Miriam, eine der Freiwilligen. Als Dank für die viele Arbeit organisierte die Alpenvereins-Sektion Wilder Kaiser ein umfangreiches Freizeitprogramm mit Wanderungen, Kletter-action und Badespaß.

Referenzen:
1 Joosten, H., & Couwenberg, J. (2008). Peatlands and Carbon. In F. Parish, et al. (Eds.), Assessment on Peatlands,

Biodiversity and Climate Change : Main Report. Global Environment Centre, Kuala Lumpur and Wetlands International, Wageningen.
2 Yu, Z., Loisel, J., Brosseau, D. P., Beilman, D. W., & Hunt, S. J. (2010). Global peatland dynamics since the Last Glacial Maximum. Geophysical Research Letters, 37. https://doi.org/10.1029/2010GL043584

Hintergrundinformationen:

  • Die Moorlandschaften des Wilden Kaisers sind ein echtes Naturjuwel. Seit 2013 stehen sie unter dem Schutz des „Ramsar-Abkommens“, der gesamte Gebirgszug ist bereits seit den 1960er Jahren ein Naturschutzgebiet. Sie sind eine wertvolle Bereicherung für die Vielfalt der Landschaft, beheimaten besondere und geschützte Pflanzen- und Tierarten und tragen maßgeblich zur Regulation des regionalen sowie globalen Klimas bei.
  • Das Ramsar-Schutzgebiet umfasst 37,8 km2, 480-2.344m Seehöhe und ist Teil der Gemeinden Kufstein, St. Johann in Tirol, Kirchdorf in Tirol, Going, Ellmau und Scheffau. Die Bilder stehen zur honorarfreien Verwendung im Zuge der Berichterstattung zum Bergwaldprojekt „Moor & more“:
  • Bild 1: Markus und Xiang beim Entfernen des Drüsigen Springkrautes. (Foto: Salzger)
    Bild 2: Janina zeigt stolz ihre Ernte: besonders wichtig ist es, die blühenden Pflanzen zu entfernen bevor sie ihre Samen durch das aufspringen des Fruchtstandes verschleudern können. (Foto: Salzger) Bild 3: Jessica beim Entfernen des Drüsigen Springkrautes. (Foto: Salzger)
  • Bild 4: Bernadette und Miriam zeigen wie Teamwork geht: so bekommen sie selbst in steil abfälligem Gelände alle Triebe des Drüsigen Springkrautes. (Foto: Salzger)
  • Bild 5: Markus blickt stolz auf die vom Drüsigen Springkraut befreite Fläche und das darunter liegende Moor, welches die Gruppe der Alpenvereinsjugend durch ihr Engagement schützt. (Foto: Salzger) Bilder 6 & 7: Drüsiges Springkraut (Impatiens gladulifera). (Foto: Salzger)
Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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