„Arbeit. Wohlstand. Macht. – Ganz Steyr ist Landesausstellung“

I N F O R M A T I O N zur Pressekonferenz mit
Landeshauptmann Mag. Thomas STELZER
Bürgermeister Gerald HACKL
Mag.a Dr.in Herta NEISS Univ.-Prof. Dr. Michael JOHN
Roland PICHLBAUER
am Dienstag, 14. Juli 2020, um 10:00 Uhr, Oö. Presseclub zum Thema
„Arbeit. Wohlstand. Macht. – Ganz Steyr ist Landesausstellung“

Landesausstellung 2021 in Steyr: Eine Stadt erzählt die Geschichte unserer Gesellschaft

Die Entwicklung von Steyr ist geprägt von einem intensiven und sich über die Jahrhunderte stets wiederholenden Wechselspiel zwischen Phasen der Hochblüte und tiefgreifenden Krisen. Gesellschaftlicher Aufstieg und tiefer Fall, aber auch die Fähigkeit, Wohlstand mit den eigenen Händen zu schaffen, Produkte mit Weltruhm zu entwickeln und zu produzieren – alle diese Themenfelder werden am Beispiel Steyr deutlich sichtbar und bieten die ideale Grundlage für die thematische Aufbereitung im Zuge einer Landesausstellung.

Das Besondere an der Landesausstellung 2021 ist, dass wir nicht nur historische Ereignisse behandeln, sondern auch gesellschaftliche Fragestellungen der Gegenwart und Zukunft thematisieren“, so Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer.

Die OÖ. Landesausstellung „Arbeit. Wohlstand. Macht.“ von 24. April bis 7. November 2021 zeigt die Entwicklung unserer Gesellschaft vom Mittelalter bis in die Gegenwart am Beispiel der Stadt Steyr. Drei Standorte – Museum Arbeitswelt, Innerberger Stadel und Schloss Lamberg – geben Einblicke in das Leben von Adel, Bürgertum und Arbeiterschaft.

Zusätzlich ist die OÖ. Landesausstellung Plattform für eine kritische Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit, mit Gesellschaftskonzepten und Fragen zur Gestaltung unserer Zukunft.

Nachhaltig für Kultur, Umwelt und Gesellschaft

Analog zur Landesausstellung 2018 setzt die Landesschau auch 2021 den Weg der kulturellen Nachhaltigkeit fort, so wird am Standort Innerberger Stadel das neu gestaltete Stadtmuseum erhalten bleiben“, betont Stelzer.

Auch im Museum Arbeitswelt und im Schloss Lamberg bleiben Teile der Landesausstellung für die Zukunft erhalten.

Die OÖ. Landesausstellung wird 2021 erstmals als Green Event im Sinne von Nachhaltigkeit, einem sparsamen Umgang mit Ressourcen und sozialer Verantwortung umgesetzt. Dazu gehören: Einfache Anreise-Möglichkeit mit klimaschonenden öffentlichen Verkehrsmitteln, Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben, Abfallvermeidung und -trennung sowie positive Impulse für die Zeit nach der Landesausstellung für die Stadt und die Menschen, die in ihr leben.

Bürgermeister Gerald Hackl: „Wir freuen uns und sind stolz, Gastgeber für das kulturelle Jahreshighlight des gesamten Bundeslandes sein zu dürfen. Die OÖ. Landesausstellung eröffnet der Stadt Steyr die Chance, sich nach 1987 (Arbeit-Mensch- Maschine) wieder einmal im Rahmen einer Landesausstellung einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren: als wunderschöne und historisch interessante Stadt mit überdurchschnittlich hoher Lebensqualität und breitgefächertem Bildungsangebot.“

Die ganze Stadt ist Landesausstellung

Die Landesausstellung wird erstmals nicht nur an konkreten Orten stattfinden, sondern sich mit der ganzen Stadt verweben. Neben den Angeboten in den Ausstellungen schickt die Vermittlung die Besucher/innen hinaus auf Erkundungstour durch Steyr. Denn überall in der Stadt verstecken sich Geschichten.

Mit dem Projekt „Wege und Plätze“ (Arbeitstitel) greift die OÖ. Landesausstellung den Wunsch vieler Steyrer/innen auf, sich den Stadtraum zurück zu erobern und eine lebendige und pulsierende Stadt zu präsentieren. Dabei soll der öffentliche Raum zwischen den Ausstellungsorten auf unterschiedlichste Weise zu kulturellen Begegnungszonen gestaltet werden (z.B. Ruhezonen und konsumfreie Zonen, die zum Verweilen einladen, Kunst im öffentlichen Raum, etc.).

Ein bunter Veranstaltungskalender mit vielfältigen Unterhaltungs- und Diskurs-Formaten soll die Besucher/innen und die Steyrer Bevölkerung gleichermaßen ins Freie locken. Steyr bietet bereits jetzt eine kreative und innovative Kulturszene und ein vielfältiges Kulturprogramm. Im Jahr der Landesausstellung wird das Bestehende mit neuen Ideen gebündelt. Noch bis 31. Oktober 2020 können Projekte eingebracht werden (Kontakt: Martin Selinger; +43 660 7393310, MartinSelinger@gmx.net).

„Wir sind Landesausstellung“ – auch über das Jahr 2021 hinaus

Rund um die OÖ. Landesausstellung 2021 wird Steyr vielfältig und kreativ bespielt. Bereits zwei Jahre davor haben sich engagierte Bürger/innen im Rahmen von „NOI – Nature of Innovation“ Gedanken gemacht, wie die Landesausstellung in und für die Stadt, die Besucher/innen und Bürger/innen kreativ genutzt werden kann. Acht konkrete Projekte sind entstanden. Einige davon sollen bis zum Start der OÖ Landesausstellung 2021 realisiert werden.

Arbeit. Wohlstand. Macht.

In einem barocken Schloss, einer Fabrik der Gründerzeit (Museum Arbeitswelt) und in einem Handelshaus aus der Renaissance (Innerberger Stadel) spürt die Ausstellung

„Arbeit. Wohlstand. Macht.“ Spannendes und Überraschendes auf. Sie erzählt persönliche Geschichten und ermöglicht so das Verstehen vergangener Lebenswelten. Historische Beispiele werden um aktuelle ergänzt, so wird Geschichte erlebbar.

Steyr, einst die zweitgrößte Stadt Österreichs, war und ist stets eine große Welt im Kleinen, ein Beispiel für Tradition und Bodenständigkeit ebenso wie für Innovation und Internationalität. Adel, Bürgertum und Arbeiterschaft waren in der Entwicklung der Stadt von zentraler Bedeutung. Sie standen in einem konfliktreichen Wechselspiel und waren doch voneinander abhängig.

Während Adel und Bürgertum seit Jahrhunderten Handel in ganz Europa trieben, fanden Arbeiter/innen aus der gesamten Monarchie in den Steyrer Fabriken Beschäftigung. Die Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg führte tausende Familien in die Arbeitslosigkeit und zwang viele zur Auswanderung. Doch nach Bürgerkrieg, Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg sollte Steyr erneut zu einem Zentrum der Industrie werden.

Zwar steht die alte Eisenstadt Steyr im Mittelpunkt, doch wird das Thema breiter behandelt. Vor dem Hintergrund der historischen Erzählungen stellt die Ausstellung

„Arbeit. Wohlstand. Macht.“ entscheidende Fragen zu gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Gegenwart und beschäftigt sich auch mit Visionen der Zukunft. Der Raum Steyr und das gesamte Bundesland Oberösterreich beherbergen heute modernste Produktionsstätten und Start-ups voller Ideen.

Innerberger Stadel

Der formschöne Renaissancebau diente lange als Handelshaus. Thronfolger Franz Ferdinand setzte sich seinerzeit persönlich für den Fortbestand des Gebäudes ein. Im Inneren des Hauses wird das Publikum von ausgewählten Figuren des Steyrer Kripperls, einem immateriellen Kulturerbe der UNESCO empfangen. Beginnend mit der

Stadtgeschichte werden die großen Entwicklungsschritte der Stadt in einer Art Zeitraffer zusammengefasst. Anschließend geht es über die Zünfte in die Arbeitswelt der Nagelschmiede und der Sensenschmiede. Im zweiten Stock wird die private Welt des Steyrer Bürgertums thematisiert. Bürgerliche Wohnkultur im Biedermeier, Forderungen nach politischen Rechten, wirtschaftlicher Aufstieg und Wohlstand werden ebenso angesprochen wie Privatheit, Vereinskultur und das Thema der Bildung. Der Stock darunter widmet sich dem Unternehmertum der Bürger/innen, dem Handel, der Mobilität, dem Erfolg, auch den Krisen, letztlich dem Aufstieg durch Innovation und Kreativität vom 19. bis ins 21. Jahrhundert.

Schloss Lamberg

In der vorderseitig gelegenen Galerie werden die Besucher/innen in adeligem Ambiente empfangen. Barocke Schlittenfahrten geben einen ersten Eindruck vom luxuriösen Freizeitvergnügen in adeligen Kreisen. Stammbäume, Wappen, Besitzungen, verwandtschaftliche Verflechtungen zeigen die Bedeutung dieses Adelsgeschlechts und auch den Niedergang des Hauses Lamberg auf. In den historischen Prunkräumen werden Persönlichkeiten aus dem Hause Lamberg und ihre Besitztümer dargestellt. Im

18. Jahrhundert umgebaut, zählt die Bibliothek des Schlosses mit 12.000 Bänden zu den bedeutendsten Privatbibliotheken Österreichs. Beeindruckten sind auch die an die Wände gemalten und erst vor einigen Jahren durch Zufall bei Renovierungsarbeiten wieder entdeckten Bilder der Besitztümer des Hauses Lamberg im „Tapetenzimmer“.

Museum Arbeitswelt

Wo sonst als im Museum Arbeitswelt, 2019 mit dem österreichischen Museumspreis ausgezeichnet, sollten die Themen Arbeit, Arbeiterschaft und Arbeitswelt präsentiert werden. Nach dem eleganten Oldtimer „Made in Steyr“ in der großen Mittelhalle, taucht man in die Welt der Industrialisierung, der Fabriken und der Gewerbe ein. Ausgangspunkt ist die von Josef Werndl initiierte „Elektrische Landes-, Industrie-, Forst- und kulturhistorische Ausstellung“ 1884, eine „Weltausstellung“ im Kleinen, die auch der Kaiser besuchte. Weiter führt der Weg durch die Geschichte des Nationalsozialismus, die Krisen der 70er und 80er Jahre bis in die Gegenwart. Die Ausstellung schließt mit den Fragen nach der Zukunft der Arbeit und der Arbeiterschaft.

Kulturvermittlung: Reden wir über Arbeit, Wohlstand und Macht

Drei Ausstellungsstandorte eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf eine bewegte Vergangenheit. Doch was bedeuten die historischen Ereignisse für uns heute? Was können sie uns über die Gegenwart, über unsere Gesellschaft und über uns selbst erzählen?

An allen drei Standorten lädt die Ausstellung ein, sich vor dem Hintergrund der historischen Erzählungen mit ihren eigenen Erfahrungen und Gewohnheiten auseinanderzusetzen und sich darüber auszutauschen. Die Besucher/innen werden mit Aktionspässen ausgestattet und auf eine interaktive Reise geschickt. Jeder Standort bietet ein eigenes Erlebnis. So nimmt man im Museum Arbeitswelt an einer Feldforschung rund um aktuelle Arbeitsfragen teil, fühlt im Innerberger Stadel zugespitzten „Wohlstandsformeln“ auf den Zahn und lässt sich im Schloss Lamberg auf die „Spiele der Macht“ ein.

Das Vermittlungskonzept der diesjährigen Landesausstellung wird von zunder zwo (Martina Affenzeller, Renate Woditschka, Konrad Zirm) entwickelt und umgesetzt. www.zunderzwo.at

Aktionsorientierte Vermittlungsprogramme für Schulen an drei Standorten
Speziell für Kinder und Jugendliche von sechs bis 18 Jahren werden dialogorientierte und aktionsreiche Führungen konzipiert, die besonderen Wert auf methodische und didaktische Vielfalt sowie auf Berücksichtigung der altersgemäßen Interessen und Fähigkeiten legen.

Die interaktiven Stationen der Ausstellung werden den Schulstufen entsprechend in die Vermittlungsprogramme integriert. Aktive Teilnahme ist ausdrücklich erwünscht, denn nur durch Ausprobieren, Erforschen und Nachdenken ist kreatives und nachhaltiges Lernen möglich.

Für Pädagog/innen stehen mit Ausstellungsbeginn auf der Webseite der OÖ. Landesausstellung umfangreiche Materialien zur Vor- und Nachbereitung zum Download zur Verfügung. Die Vermittlungsangebote für Schulen werden im Mai 2021 in Steyr vorgestellt. Termine und Informationen zu den Veranstaltungen auf www.landesausstellung.at

OÖ. Landesausstellung 2021 setzt noch stärker auf Barrierefreiheit

Das Angebot in den Ausstellungen und in der Vermittlung wird um Gebärdensprachvideos, Texte in Einfacher Sprache, taktile Elemente, speziell geschultes Personal und um Vermittlungsformate für Menschen mit Seh- und Hörbeeinträchtigungen erweitert. Dabei steht der OÖ. Landesausstellung das Museum Arbeitswelt beratend zur Seite, das als Teil des EU-Projekts „COME-IN!“ in Sachen Barrierefreiheit neue europäische Standards mitentwickelt hat.

Kooperationen

Die OÖ. Landesausstellung holt beliebte oö. Kulturformate in die Region nach Steyr (SCHÄXPIR und Kepler Salon) und vernetzt sich auch mit lokalen Institutionen und Vereinen (KinderUni, Röda, Steyr Werke, FH Steyr u.v.m.).

Öffnungszeiten

24. April bis 07. November 2021

täglich von 09.00 bis 18.00 Uhr (letzter Einlass 17.00 Uhr) Eröffnung: Freitag, 23. April 2021, Stadtplatz Steyr

Preise & Ermäßigungen

Das Ticket beinhaltet den einmaligen Eintritt in alle drei Ausstellungsstandorte. Das Ticket ist übertragbar und für die gesamte Ausstellungsdauer gültig.

KategoriePreise in Euro
Vollzahler/in (1 EW + alle Kinder bis 19 J.)10,00
Ermäßigt8,00
Familie20,00
Familie mit Familienkarte (alle Bundesländer)16,00
Schüler*in im Klassenverband2,50
Führung2,50

Ermäßigt: Gruppen ab 12 Personen, Senior/innen, Menschen mit Beeinträchtigung, Präsenz- und Zivildienende, Lehrlinge und Studierende, Kulturvermittler/innen, LPA- Ausweis, 4youCard, AK Mitglieder, ÖAMTC Club, OÖNcard, Ö1 Club, „Die Presse“- Club-Karte. Mit dem Ausweis „Hunger auf Kunst & Kultur“ ist der Eintritt frei.

Tickets ab 2021 online buchen: www.landesausstellung.at

Kurzbiografien der historischen Persönlichkeiten auf dem Sujet der Landesausstellung 2021

KATHARINA VON LAMBERG (1824–1889) war eine ungewöhnliche Frau: Die Gemahlin von Fürst Gustav Joachim von Lamberg, war eigentlich von „niederem Stand“. Die nicht standesgemäße Ehe der beiden führte ebenso wie die Tatsache, dass Gustav Joachim 1832 an einem politischen Attentat beteiligt war, zu einem Prestigeverlust des Steyrer Familienzweigs. Kateřina Hrádková, wie sie damals hieß, war die Tochter des Gutsverwalters der böhmischen Besitzung Čejkovy. Aus der Ehe gingen zehn Kinder hervor. Nach dem Tod ihres Mannes verloren sie und ihre Kinder die Ländereien im Raum Steyr und zogen sich auf ihr Schloss in Kitzbühel zurück.

JOSEF WERNDL (1831–1889), einer der reichsten Industriellen der Habsburgermonarchie galt zugleich als besonders innovativer Unternehmer. Seiner politischen Ansichten und wirtschaftlichen Ausrichtung wegen war der sogenannte

„König von Steyr“ einerseits umstritten, andererseits engagierte er sich stark in sozialen Belangen. Und nicht nur das: Er war einer der Gründer des Arbeiterbildungsvereins in Steyr, lehnte eine Nobilitierung ab, verheiratete seine Töchter jedoch in adelige Kreise. Der Waffenproduzent Werndl gilt auch als Pionier auf dem Gebiet der Elektrizitätswirtschaft, baute er doch das erste europäische Laufkraftwerk. Damit war Steyr die erste größere Stadt, die mit Strom aus Wasserkraft beleuchtet wurde. Ihm zu Ehren wurde ein eindrucksvolles Denkmal in bester Lage in Steyr errichtet.

FRANZ DRABER (1913-1996) war ein österreichischer Widerstandskämpfer. Weil er für Angehörige inhaftierter Widerstandskämpfer Geld sammelte und beim Aufbau einer Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus in Steyr aktiv war, wurde er wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ im Mai 1944 verhaftet und zum Tod verurteilt. Nach 200 Tagen in der Todeszelle des Gefangenenhauses Stadelheim bei München wurde er zum Wasserholen eingeteilt. Dabei gelang ihm durch ein kleines Eisentor die Flucht. Franz Draber gelangte zu Fuß bis Bad Hall, wo er in der Furtmühle versteckt wurde. Obwohl an jedes Gemeindeamt sein Steckbrief verteilt wurde, gelangte er im Frühjahr unter dem Namen Franz Gruber und mit einem gefälschten Bergwacht- Ausweis nach Hinterstoder, wo er bis zum Kriegsende als Schafhirte untertauchte. Nach der Befreiung kam er nach Steyr zurück und arbeitete am Aufbau der Gemeindeverwaltung Steyr-Ost mit. Franz Draber erhielt u.a. das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Fotos: Land OÖ/ Max Mayrhofer

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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