Schulschluss in Oberösterreich

Nach einem alles andere als normalen Schuljahr 2019/2020 freuen sich knapp 190.000 SchülerInnen in Oberösterreich auf die bevorstehenden Sommerferien.
Für das kommende Schuljahr haben sich in oö. Volksschulen 15.074 Kinder neu angemeldet – bedeutet, dass 675 Kinder mehr die erste Klasse besuchen werden als im vergangenen Jahr. Diese teilen sich auf die Oberösterreichischen Bezirke wie folgt auf:

Ein Schuljahr, das wir lange nicht vergessen werden

Das Schuljahr 2019/2020 wird wohl allen länger in Erinnerung bleiben. Die herausfordernde Zeit und die damit verbundene Umstellung auf das Distance-Learning haben die Geschehnisse des restlichen Schuljahres fast vergessen lassen. Wir fassen das Schuljahr für Sie nochmals zusammen. „Vorneweg möchte ich mich bei allen , Assistenz- und Unterstützungspersonal, über die Lehrerinnen und Lehrer sowie die Schulleitung und allen anderen, die an den Schulen tagtäglich dafür arbeiten, dass ein reibungsloser Schulalltag stattfinden kann, aber auch bei den Schülerinnen und Schülern sowie ihren Eltern – dafür bedanken, dass mit ihrem besonderen Engagement dieses herausfordernde Schuljahr so gut gemeistert wurde“, dankt Bildungsreferentin LH-Stellvertreterin Mag. Christine Haberlander.
Die Pädagoginnen und Pädagogen hatten mit der großen Aufgabe zu kämpfen, die Kinder und Jugendlichen von einem Tag auf den anderen im Distance-Learning zu unterrichten. Eine Herausforderung, die erst durch besonderen Einsatz stemmbar wurde.

„Aber auch die Schülerinnen und Schüler mussten in diesem Schuljahr eine beachtliche Verantwortung tragen. So mussten etwa die Matura sowie alle weiteren Abschlussprüfungen unter besonderen Bedingungen abgelegt werden. Sie mussten sich großteils den Lernstoff im Selbststudium verinnerlichen. Dabei bewiesen die Jugendlichen der Abschlussklassen eine hohe Flexibilität und Selbstständigkeit Fähigkeiten, die in der heimischen Wirtschaft besonders gefragt sind“, so Haberlander weiter.

„Unsere Schülerinnen und Schüler, ihre Eltern sowie Pädagoginnen und Pädagogen brauchen die Verlässlichkeit eines Schulsystems, das nicht durch das Auftreten von Verdachtsfällen praktisch jeden Tag in Frage gestellt werden kann. Ich teile die Sorgen der Eltern und Pädagoginnen sowie Pädagogen, wie der Unterricht im Herbst aussehen wird. Daher habe ich mich an die Bundesminister Heinz Faßmann und Rudi Anschober gewandt, mit dem Appell, eine praxistaugliche Strategie zu erstellen. Es braucht hier eine bundesweit gültige Checkliste, wie wir in Zukunft mit Corona-Fällen an Schulen umgehen. Zudem konstituiert sich in meinem Auftrag eine Expertinnen- und Expertengruppe, die in Abstimmung mit den verantwortlichen Bundesministerien den Weg für unsere Schulen im Herbst präzisieren wird. Es braucht ein Aufzeigen der Möglichkeiten, die ein normales Schulleben garantieren. Es soll klare Kriterien geben, wann ein Schulbesuch möglich ist. Etwa gehört mit der immer besser werdenden Kenntnis über das Virus geklärt, ob ein Schnupfen als Einzelsymptom einen Schulbesuch ausschließen muss“, so Haberlander.

Ergebnisse schriftliche Reife- und Diplomprüfung
Insgesamt 6.741 Kandidatinnen und Kandidaten traten heuer zur Reife-und Diplomprüfung an.

Mit der Reduzierung von 20 auf sechs Bildungsregionen vor einem Jahr startete man die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für die zentralen Büros. Mitte September 2019 konnte die Bildungsregion Steyr-Kirchdorf ihre Zentrale im Holzhaus in Adlwang beziehen. Die Bildungsregion Wels- Eferding-Grieskirchen zog im Mai 2020 in das alte Vermessungsamt in Wels. Zeitgleich fand die Übersiedlung in die neue Zentrale der Bildungsregion Gmunden-Vöcklabruck statt. Die neue Anlaufstelle befindet sich im Internatstrakt des BRG/BORG Schloss Traunsee.

„Die neuen Zentralen bieten Pädagoginnen und Pädagogen, Schülerinnen und Schüler, aber auch Eltern nun Anlaufstellen, wo sie ihre Anliegen einbringen können. Auch für die Teams der Bildungsregionen ist das Zusammenarbeiten an einem Ort eine Erleichterung“, erklärt Klampfer.

Für die Bildungsregion Mühlviertel werden auch schon intensive Gespräche geführt.

53 neue digi-TNMS-Standorte in Oberösterreich

Um oberösterreichische Schülerinnen und Schüler, die ihre Stärken, Neigungen und Fähigkeiten im Bereich der Technik und Naturwissenschaften sehen, verstärkt zu fördern und die Freude an diesen Fächern zu wecken, startete im Jahr 2014 die erfolgreiche Etablierung der Technischen Neuen Mittelschulen in Oberösterreich. Im Schuljahr 2019/2020 führte man mit der digi-TNMS einen weiteren wichtigen Schwerpunkt ein.

„Wir fördern das Interesse an Technik und Naturwissenschaften – um neue Anforderungen bewältigen und die Zukunft erfolgreich gestalten zu können. Denn die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Anforderungen entwickeln neue Zentralen der Bildungsregionen

NEU: digi-TNMS

sich in einem schnellen Ausmaß in Richtung MINT-Fähigkeiten. Dieser Trend soll mit der Erweiterung des Bildungsangebotes unterstützt werden. Denn wer gut für die Zukunft gerüstet sein will, braucht digitale Kompetenzen“, erklärt Haberlander.

Deshalb hat die Bildungsdirektion im Auftrag des Landes OÖ ein Konzept für eine digi-NMS entwickelt. Nach der Präsentation des Modells im Herbst 2019 rechnete man mit 20 Schulen, die Ende Jänner ein digi-NMS erhalten können.

„Wir haben uns zu Beginn 20 Schulen als Ziel gesetzt. Es freut mich, dass wir diese Zahl mehr als verdoppeln konnten. 53 Schulen wurden am 27. Jänner zur digi-NMS zertifiziert. Wir haben damit eine kleine Revolution im oö. Schulsystem gestartet“, so Haberlander weiter. „Das besondere an der digi– NMS ist, dass es sich hier nicht nur um zusätzliche Informatikstunden im Stundenplan geht, sondern um die Schaffung eines digitalen Lebens am Schulstandort. Es geht darum, digital zu denken, das Digitale zu verstehen“, erklärt Klampfer.

Kriterien der digi-NMS:

  •   Die Schule muss Mitglied im Projekt eEducation.at sein und hat ihre Aktivitäten im Bereich der Digitalisierung / unterrichtlichen Verwendung von Digitalen Medien im System dokumentiert.
  •   Der Gegenstand Informatik/IKT muss mit schulautonomen Lehrplan im Ausmaß von vier Einheiten in den vier Jahren unterrichtet werden. Die Lehrpläne (Schwerpunktsetzung) bestimmt das Kollegium entsprechend der Digitalen Schulentwicklungsstrategie
  •   Das Thema Datenschutz und Datensicherheit ist verpflichtend als Thema im Kollegium und im Unterricht zu behandeln. Seite 7
  •   Schwerpunkt soll auch auf das Thema „Digitale Ethik“ gelegt werden. Es geht hierbei um ein gutes Miteinander, auch im Web.
  •   Alle Schülerinnen und Schüler müssen auf dem Wissensstand „Digi.check8“ sein und diesen auch mit mittels dem „Digi.check8“ überprüfen.
  •   Für alle Pädagoginnen und Pädagogen gilt eine Fortbildungsverpflichtung im Bereich Digitalisierung und Fachdidaktik. Das Ausmaß ist von der Schulleitung und dem Schulentwicklungskonzept abzustimmen. Im gesamten Personalentwicklungskonzept des Schulstandortes muss eine Schwerpunktsetzung im Bereich Digitalisierung klar erkennbar sein.
  •   Schulweite Nutzung einer Lernplattform. Die digi-NMS qualifizierten sich auch gleichzeitig zur Zertifizierung als TNMS. Somit erhöht sich die Zahl der Technischen Neuen Mittelschulen in Oberösterreich auf 72. Erstmals Herbstferien im kommenden Schuljahr Im kommenden Schuljahr finden bundesweit zum ersten Mal Herbstferien statt. Von 26. Oktober bis 2. November haben die Schülerinnen und Schüler im nächsten Jahr frei. Gleichzeitig werden die Dienstage nach den Oster- und Pfingstferien zu Schultagen. Zusätzlich wird ein Teil der schulautonomen Tage für die Herbstferien verwendet.

72 TNMS in Oberösterreich

Die Herausforderungen aufgrund der Coronakrise

Das Coronavirus brachte auch im Bildungsbereich in den vergangenen Monaten große Herausforderungen mit sich: Mit 16. März wurde es still in den Schulen.

„Wir haben einen unglaublichen Zusammenhalt gespürt, ab dem ersten Tag. Es ist uns bewusst, dass diese Zeit nur gelingen konnte, weil alle an einem Strang gezogen haben. Angefangen von den Schülerinnen und Schülern, deren Eltern, über die Pädagoginnen und Pädagogen bis zu den Schulleiterinnen und Schulleitern das Distance-Learning konnte nur im Zusammenspiel aller funktionieren. Ich möchte mich an dieser Stelle auch nochmals bei allen bedanken“, so Haberlander.

„Die Umstellung vom Regelunterricht auf Distance-Learning überraschte uns alle. Quasi von heute auf morgen mussten die Pädagoginnen und Pädagogen sich überlegen, wie sie Unterricht aus der Distanz gestalten. Hier waren alle gefordert“, so Bildungsdirektor Klampfer.

Um Eltern bestmöglich unterstützen zu können, wurde an den Schulen selbst in den Osterferien Betreuung angeboten. Mehr als 6.100 Pädagoginnen und Pädagogen hatten sich hier für die Karwoche freiwillig gemeldet. „Ein starkes Zeichen und eine Zahl, die uns wirklich stolz macht“, betonen Haberlander und Klampfer.

Mit 5. Mai gingen die ersten 8.000 Schülerinnen und Schüler in Oberösterreich wieder in die Schule.

  •   6.750 Maturantinnen und Maturanten
  •   knapp 1.000 Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen Seite 9

Corona & Schule

Was nehmen wir mit?

Die Umstellung auf Distance-Learning hat uns wesentliche Dinge gezeigt:

  1. Das didaktisch-methodische Repertoire der Lehrerinnen und Lehrer ist vielfältig
  2. unser Schulsystem ist innovativer als von vielen angenommen
  3. Distance-Learning wird nie die Lernerfahrungen in der Schule ersetzen

Viele Pädagoginnen und Pädagogen aber auch Schülerinnen und Schüler haben sich in dieser Zeit ein großes digitales Wissen angeeignet. Die Stärkung der digitalen Kompetenz ist auf beiden Seiten durchaus spürbar.

„Wir haben aber vor allem gespürt, wie wichtig das Schulleben, das gemeinsame Lernen, der Austausch und die sozialen Kontakte sind“, so Haberlander und Klampfer.
Ein herausforderndes Schuljahr findet am 10. Juli 2020 sein Ende. Aus aktueller Sicht planen wir im Herbst einen Schulbeginn im Vollbetrieb.

„Nachdem sich aber das Coronavirus an keine Pläne hält, kann es natürlich wieder kurzfristig zu Änderungen kommen. Das können wir aktuell nicht ausschließen“, so die Bildungsreferentin und der Bildungsdirektor.

Sommerschule in Oberösterreich

Gerade für Schülerinnen und Schüler, die Aufholbedarf in der deutschen Sprache haben, waren die Wochen des Distance-Learnings eine besondere Herausforderung. Um eine Sprache zu erlernen, ist es unumgänglich, diese auch zu sprechen und zu üben. Oft reden diese Kinder und Jugendlichen zuhause aber kein Deutsch, weshalb sprachliche Defizite spürbarer wurden. Mit der Sommerschule soll nun genau diesen Schülerinnen und Schülern eine Möglichkeit geboten werden, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.

Was lernen wir aus der Zeit des Distance- Learnings?

„Die Vorbereitungen zur Sommerschule in der Bildungsdirektion laufen auf Hochtouren. An etwa 90 Schulstandorten wird dieses neue Angebot der Sprachförderung angeboten werden“, so die LH-Stellvertreterin und der Bildungsdirektor.

Die Zielgruppen sind Schülerinnen und Schüler der Volksschule und der Sekundarstufe I (VS, NMS und AHS Unterstufe) und zwar speziell:

  •   außerordentliche Schülerinnen und Schüler,
  •   Schülerinnen und Schüler mit einem nicht abgesicherten Genügend und einem Nicht genügend in Deutsch,
  •   Schülerinnen und Schüler, die im Fach Deutsch einen besonderen Aufholbedarf, auch aufgrund der Situation der letzten Monate, aufweisen Aktuelle Zahlen für Oberösterreich:
  •   knapp 3.500 Schülerinnen und Schüler haben sich für die Sommerschule angemeldet
  •   87 Standorten
  •   299 Pädagoginnen und Pädagogen sowie 157 Studentinnen und Studenten haben sich als Lehrende gemeldet „Wir sind überzeugt, dass mit der Sommerschule ein Angebot geschaffen wurde, um zielgerichtet jenen Schülerinnen und Schülern Unterstützung zu geben, die auf Grund der fast zehn Wochen im Distance-Learning einen besonderen Aufholbedarf haben“, so Haberlander und Klampfer. Seite 14

Ausblick auf das Schuljahr 2020/21

Ab dem kommenden Schuljahr wird die „Neue Mittelschule“ in Neue „Mittelschule“ umbenannt. Mit diesem Schuljahr werden die Schülerinnen Leistungsniveaus und Schüler ab der 6. Schulstufe in den Unterrichtsfächern Mathematik,
Deutsch und erste lebende Fremdsprache (Englisch) auf zwei
unterschiedlichen Leistungsniveaus unterrichtet und beurteilt – „Standard“
und „Standard AHS“. Beide Leistungsniveaus werden nach denselben
Lehrplaninhalten unterrichtet. Sie unterscheiden sich in den Anforderungen,
wobei „Standard AHS“ dem Leistungsniveau der AHS-Unterstufe entspricht.
Ziel dieser Änderungen ist einerseits eine Verbesserung der Förderung der
Schülerinnen und Schüler durch die Erweiterung der Möglichkeiten zur
Differenzierung und andererseits ein verständlicheres Notensystem.

„Abschließend möchte ich allen Schülerinnen und Schülern sowie Pädagoginnen und Pädagogen für den gemeinsamen Weg durch die turbulente Corona-Zeit danken und wünsche allen schöne Ferien“, erklärt Haberlander abschließend.

Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander und Bildungsdirektor Alfred Klampfer zum Thema „Rückblick auf das Schuljahr 2019/20
und Ausblick auf das Schuljahr 2020/21“
Fotos: LandOÖ/ Schaffner
Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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