Vorsicht: Hier wackelt der Kfz-Versicherungsschutz

Rückforderungsrecht der Versicherung bei Pflichtverletzungen

Hand aufs Herz: Wer hat sich schon einmal die Bedingungen der Kfz-Versicherung angesehen? Darin findet sich eine Reihe von Obliegenheiten. Das sind Pflichten, die man als Versicherungskunde beachten muss. Bei Missachtung drohen Konsequenzen bis zum Verlust des Versicherungsschutzes, warnen Oberösterreichs Versicherungsmakler.

Die gute Nachricht am Beginn: Bei einem Verkehrsunfall ist die Haftpflichtversicherung in jedem Fall verpflichtet, dem Verkehrsopfer bzw. dem Unfallgegner den entstandenen Schaden bis zur Versicherungssumme zu ersetzen. Die schlechte Nachricht: Bei bestimmten Obliegenheitsverletzungen hat der Haftpflichtversicherer die Möglichkeit, einen Teil des geleisteten Betrages auf dem Regressweg zurückzuverlangen. „Dieses Rückforderungsrecht ist mit 11.000 Euro je Obliegenheitsverletzung, höchstens mit 22.000 Euro begrenzt“, weiß der Fachgruppenobmann der oberösterreichischen Versicherungsmakler, Johann Mitmasser. Grund genug, einen Blick in die Musterbedingungen der Kfz-Versicherer zu werfen.

Regressgrund Nummer 1 ist Alkohol am Steuer. „Die Kfz-Haftpflichtversicherung des alkoholisierten Lenkers deckt zwar nach einem Unfall die berechtigten Ansprüche eines geschädigten Dritten, wird aber im Regressweg 11.000 Euro zurückfordern, wenn ein Gericht oder eine Behörde eine Alkoholisierung von mindestens 0,8 Promille festgestellt hat“, so Fachgruppenobmann-Stellvertreter Franz Waghubinger. Auch wer ohne eine Lenkerberechtigung zu besitzen mit einem Auto unterwegs ist und einen Unfall verursacht, muss damit rechnen, von der Haftpflichtversicherung zur Kasse gebeten zu werden.

Teuer werden können im Falle eines Unfalls auch Obliegenheitsverletzungen, welche die Unfallgefahr erhöhen: z.B. abgefahrene Reifen, Sommerreifen bei winterlichen Fahrbedingungen oder stark überhöhte Geschwindigkeit. Was viele nicht wissen: Versicherer achten nach einem Unfall auch darauf, ob das Fahrzeug widmungsgemäß verwendet wurde und die Anzahl der beförderten Personen dem Zulassungsschein entspricht.

Nach einem Unfall zählt es zu den Pflichten des Versicherten, verletzten Personen Hilfe zu leisten oder, falls sie dazu nicht fähig sind, unverzüglich für fremde Hilfe zu sorgen, bei Personenschäden die nächste Polizeidienststelle zu verständigen und dem Versicherer längstens innerhalb einer Woche ab Kenntnis den Versicherungsfall anzuzeigen. Informationspflicht besteht auch, wenn ein geschädigter Dritter Ansprüche erhebt und ein verwaltungsbehördliches oder gerichtliches Verfahren gegen den Versicherten eingeleitet wird.

„Richtig ins Geld gehen Obliegenheitsverletzungen, wenn der Kaskoschutz davon betroffen ist“, warnt Fachgruppenobmann Johann Mitmasser. War beispielsweise ein Lenker bei einem Unfall nachweislich alkoholisiert, sind Kaskoschäden nicht gedeckt und auch eine allfällig vorhandene Rechtschutzversicherung ist zur Gänze leistungsfrei. Dies gilt hier in der Regel bereits ab 0,5 Promille!

Die wichtigsten Pflichten in Versicherungsverträgen:

  • Melden und anzeigen: Bei Vertragsabschluss sind sämtliche risikorelevante Umstände bekanntzugeben. Sollte sich später daran etwas ändern, muss das dem Versicherer sofort gemeldet werden.
  • Auskunft geben: Jeder Schaden ist dem Versicherer bzw. dem Versicherungsmakler unverzüglich (ohne unnötigen Aufschub) zu melden und in bestimmten Fällen (z.B. Feuer oder Einbruch) bei der Polizei anzuzeigen. Der Versicherer kann jede Auskunft verlangen, die zur Aufklärung des Sachverhalts erforderlich ist. „Unterstützen Sie den Versicherer dabei und dokumentieren Sie den Schaden möglichst lückenlos“, rät Mitmasser.
  • Den Schaden abwenden oder mindern: Kunden müssen einen drohenden Schaden soweit möglich verhindern oder geringhalten. Dabei sind die Anweisungen des Versicherers zu befolgen. Die Kosten, die dabei entstehen, sind versichert.

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Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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