AK Oberösterreich fordert eine wirksame „Jugendgarantie“ um Arbeitslosigkeit zu verhindern

Laut jüngsten Prognosen der Arbeiterkammer Oberösterreich und der Johannes-Kepler-Universität Linz spitzt sich die Arbeitsmarktlage für Jugendliche in der gesamten EU noch weiter zu. Die Zahl der Arbeitslosen bis 25 Jahre könnte innerhalb eines Jahres von 2,8 auf 4,8 Millionen steigen. „Dass Millionen junger Menschen keine Perspektive bekommen, dürfen wir nicht zulassen. Wir brauchen eine neue ,Europäische Jugendgarantie‘ im Ausmaß von 50 Milliarden Euro pro Jahr“, fordert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Die aktuelle Initiative der EU-Kommission zur Unterstützung der Jugendbeschäftigung ist positiv, aber nicht ausreichend.

Die gemeinsam von der Johannes-Kepler-Universität und der Arbeiterkammer Oberösterreich durchgeführte Analyse schätzt auf Basis der Erfahrungen der Finanz- und Wirtschaftskrise (2008), wie sich die Corona-Wirtschaftskrise auf junge Arbeitnehmer/-innen unter 25 Jahre auswirkt. Das Ergebnis des „mittleren“ Szenarios ist alarmierend: demnach steigt die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen in der EU innerhalb eines Jahres von 2,8 auf 4,8 Millionen (+71 Prozent) an. Die Jugendarbeitslosenquote wird sich von 15,1 im Vorjahr auf heuer 26,2 Prozent erhöhen. Dies bedeutet, dass jede/r vierte für den Arbeitsmarkt verfügbare Jugendliche keinen Job findet. Doch damit nicht genug: Rund 6,7 Millionen Jugendliche werden sich weder in Beschäftigung, Ausbildung noch in einer Trainingsmaßnahme befinden (2019: 4,9 Millionen).

„Die bestehende ,EU-Jugendgarantie‘ ist eine sinnvolle Maßnahme, ihre Umsetzung aber war viel zu zögerlich und mit zu geringem Budget ausgestattet“, kritisiert Kalliauer. Von 2014 bis 2020 wurden insgesamt 12,7 Milliarden Euro aus dem EU-Budget dafür zur Verfügung gestellt. Die tatsächlichen Kosten einer echten EU-weiten ,Jugendgarantie‘ erfordern aber zwischen 45 und 50,4 Milliarden Euro pro Jahr.

Der aktuelle Vorschlag der EU-Kommission sieht eine Ausweitung der „Jugendgarantie“ von 25 auf 29 Jahre vor. Zur Förderung von Jugendbeschäftigung empfiehlt die Kommission den Mitgliedsstaaten Investitionen in Höhe von 22 Milliarden Euro, wobei auf diverse EU-Töpfe zur finanziellen Unterstützung verwiesen wird. Damit sollen alle jungen Menschen, die arbeitslos sind oder eine Ausbildung abgeschlossen haben, innerhalb von vier Monaten garantiert ein Angebot für einen Job, eine Lehrstelle, ein Praktikum oder eine Weiterbildung erhalten.

Der AK-Präsident begrüßt die aktuelle Initiative der EU-Kommission, fordert aber mehr Mittel für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. „Neben dem Budget besteht die Herausforderung auch darin, europaweit sinnvolle Maßnahmen mit hohen Qualitätsstandards für junge Arbeitsuchende zu entwickeln. Die Sozialpartner sollten daher bei der Ausgestaltung der EU-Jugendgarantie auf nationaler und internationaler Ebene eingebunden sein“, so Kalliauer. Gerade Österreich hat in Bezug auf betriebliche bzw. überbetriebliche Lehrausbildung und mit der „Ausbildungsgarantie bis 18″ viel Erfahrung, die in anderen europäischen Ländern hilfreich sein kann.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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