Bellaflora senkt Wasserverbrauch um 30%

80 % weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt – das ist in mehreren Regionen Österreichs die besorgniserregende Bilanz des Frühjahrs 2020. Die Prognosen sagen einen trockenen Sommer voraus, Wasser wird zur strategischen Ressource. bellaflora, Österreichs größtes Gartencenter, hat diese Entwicklung früh erkannt und im Rahmen der nachhaltigen Unternehmensentwicklung den Wasserverbrauch trotz Trockenperioden und größerer Verkaufsflächen binnen fünf Jahren um 30 % gesenkt.  

Österreich war immer ein wasserreiches Land. Die Kosten für Trinkwasser sind entsprechend niedrig. 1,70 Euro zahlt man hierzulande durchschnittlich für einen Kubikmeter, also für 1000 l sauberstes Trinkwasser. Selbst bei einem Vierpersonen-haushalt mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 190 Kubikmeter fallen die Wasserkosten also nicht ins Gewicht. Entsprechend sorglos gehen wir damit um.

Die Zeichen stehen allerdings auf Veränderung, auf Klimaveränderung, um genau zu sein. Schon im April dieses Jahres haben einige Gemeinden in Niederösterreich ihre Einwohner aufgefordert, aufgrund der außergewöhnlichen Trockenheit sparsam mit Wasser umzugehen. Im oberösterreichischen Neuhofen an der Krems musste die örtliche Wassergenossenschaft die Versorgung sogar kurzfristig einstellen. Die beiden Hauptgründe waren der massive Mehrverbrauch durch das fast zeitgleiche Befüllen zahlreicher Pools und Schwimmteiche sowie die in den letzten Jahren zunehmende Trockenheit in der Gemeinde.

„Prognosen gehen davon aus, dass wir solche Warnungen und Versorgungsengpässe aufgrund der zunehmenden Trockenheit künftig öfter erleben werden. Auch wenn die Trinkwasserversorgung in Österreich sicher ist, sollten wir unseren Umgang mit Wasser von Grund auf überdenken“, erklärt bellaflora Geschäftsführer Mag. Franz Koll. Er fordert Unternehmen und Haushalte auf, ihr Potential zur Wassereinsparung zu analysieren und das Thema sportlich anzugehen. „Je weniger Wasser wir für die Produktion, im Handel und im privaten Haushalt verbrauchen, umso besser.“

Derzeit entfallen rund 56 % des österreichischen Gesamtverbrauchs von 2,35 km3 Wasser pro Jahr (2.350 Mrd. Liter) auf die Industrie. Überraschend gering ist der Verbrauch der Landwirtschaft, die für die Produktion von Lebensmitteln nur rund 5 % der Menge in Anspruch nimmt. 39 % des Wassers werden in Gewerbebetrieben und privaten Haushalten verbraucht (Quelle: ÖVGW).

bellaflora reduziert Wasserverbrauch um 30 %

Im Geschäftsjahr 2019/20 hat bellaflora in 27 Filialen mit rund 550 Mitarbeitern einen Gesamtumsatz von netto 86 Mio. Euro erwirtschaftet (83 Mio. in 2018/19). „Zwei Drittel unseres Umsatzes entfallen auf Pflanzen. Es liegt also auf der Hand, dass wir uns intensiv mit den Klimaveränderungen und deren Auswirkungen befassen“, betont Koll. „Wir schauen auf die gesamte Wertschöpfungskette, von den klimabedingten Herausforderungen für Gärtnereien und Bauern, unseren Lieferanten, über die Pflanzenpflege in unseren Filialen bis zum gesunden Wachstum der Pflanzen in den Gärten unserer Kunden.“

Schon 2010 hat bellaflora die Stabsstelle „Nachhaltige Entwicklung“ eingerichtet und in weiterer Folge kompromisslos auf ökologische Pflanzenschutzmittel und Dünger in den Standorten und in den Verkaufsregalen umgestellt. Es folgte ein Programm zur Reduzierung des Torfanteils in den Erdsubstraten, ein Pestizidreduktionsprogramm für das gesamte Pflanzensortiment und die Entwicklung eines für Lieferanten freiwilligen Nachhaltigkeitsstandards. Im Rahmen dieses Nachhaltigkeitsstandards verpflichten sich die teilnehmenden Gärtnereien unter anderem zu schonendem Umgang mit der Ressource Wasser. Über die Ergebnisse dieses Programms sowie der gesamten nachhaltigen Entwicklung des Unternehmens berichtet bellaflora regelmäßig in umfassenden Nachhaltigkeitsberichten. Der Jüngste erscheint im Juni 2020. Einen der größten Erfolge weist er für das so wichtige Wassermanagement des Unternehmens aus.

Trendwende 2015: Ein Gartencenter wie bellaflora benötigt naturgemäß viel Wasser für die Pflege der Pflanzen. An zahlreichen Standorten verfügt das Unternehmen über eigene Brunnen, andernorts deckt es den Bedarf über die öffentliche Wasserversorgung. In beiden Fällen will man den Verbrauch aus ökonomischen und ökologischen Gründen so gering wie möglich halten. Dennoch ist der Wasserverbrauch in den Filialen bis zum Jahr 2015 kontinuierlich gestiegen, allein in den Jahren 2013 bis 2015 um +12 %. Unzufrieden mit dieser Situation fasste man den Beschluss, den Wasserverbrauch in den folgenden Jahren um 5 % zu reduzieren. Die Bilanz nach vier Jahren zeigt: Gelungen ist eine Verbrauchsreduktion um 30 %. „Wir haben unser Ziel um das Sechsfache übertroffen“, ist Koll stolz auf das „sportliche Ergebnis.“ Bemerkenswert ist dieser Erfolg auch deshalb, weil die Verkaufsfläche in diesem Zeitraum mit neuen Filialen deutlich erweitert wurde. Grundlage dieses Erfolgs war die Implementierung neuer Bewässerungssysteme, sowie eine erhöhte Sensibilisierung der Mitarbeiter zum Thema Gießen.

Ebbe-Flut-Anlagen: Beim Neubau in Graz-Webling hat bellaflora 2014 erstmals eine Ebbe-Flut-Anlage errichtet. Wasser wird in einen Zwischentank gepumpt und von hier über Bewässerungsleitungen zu den Pflanztischen im Außenbereich geführt. Hier wird das Wasser für einen auf die jeweiligen Pflanzen abgestimmten Zeitraum angestaut, die Pflanzen bedienen sich selbst. Anschließend wird das überschüssige Wasser über die gleichen Leitungen wieder in den Zwischentank rückgeführt, gefiltert und für die Weiterverwendung bereitgestellt. Bisher sind diese Ebbe-Flut-Anlagen in den drei neu errichteten bellaflora Filialen Graz Webling, Graz St. Peter und Eisenstadt im Einsatz.
Aufgrund des baulichen Aufwands ist dieses System nur bei Neubauten möglich. Bei bestehenden Filialen wäre eine Nachrüstung mit unvertretbar hohen Kosten verbunden.
Mit Verzicht auf die Wiederaufbereitung des Gießwassers hat bellaflora allerdings in allen bestehenden Filialen die üblichen Präsentationstische durch die Anstautische aus dem Ebbe-Flut-System ersetzt. Das überschüssige Wasser wird nach dem Anstauen in den Boden ausgelassen. Im Vergleich zu den früher üblichen Sprinklersystemen sind diese Anstautische auch ohne Wasserwiederaufbereitung hocheffizient.

  • Die Bewässerung kann zu jeder Tageszeit erfolgen, also auch während der Öffnungszeiten.
  • Die Pflanzen werden schonend von unten bewässert.
  • Im Vergleich zu den üblichen Sprinklern verdunstet viel weniger Wasser.

Die Wasserbilanz 2019 im Detail: Mit Hilfe dieses Bewässerungssystems ist es trotz vermehrter und teilweise langanhaltender Trockenperioden im Berichtszeitraum gelungen, den Wasserverbrauch von 113.813m3 im Jahr 2015 auf 80.442 m3 im Jahr 2019 zu senken. Der spezifische Wasserverbrauch je Quadratmeter Verkaufsfläche war 2019 um rund 32 % niedriger als 2015.

„Grundsätzlich ist es unser Ziel, die Wasserversorgung aus eigenen Brunnen zu sichern“, erklärt Koll. „Bedauerlicherweise lässt sich das aufgrund der lokalen Gegebenheiten nicht immer umsetzen. An den beiden neu eröffneten Standorten in Eisenstadt und Graz St. Peter lag der Grundwasserspiegel für einen Brunnen einfach zu tief.“  

Bildquellen: Bellaflora

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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