Spannungsfeld Klassenzimmer in Zeiten von Corona

Schulsozialarbeit über Videokonferenz / Interview mit Thomas Schuster

Salzburger Landeskorrespondenz, 29. April 2020

(LK) Nicht vor Ort, aber trotzdem bei den Schülerinnen und Schülern präsent. So lässt sich in Zeiten von Corona die Schulsozialarbeit – jetzt über Videokonferenz – beschreiben. „Dieses Angebot gibt es auch in der derzeitigen Krise. Gerade Kinder, mit denen schon vorher intensiv gearbeitet worden ist, und deren Eltern, brauchen dieses auch jetzt. Es ist wichtig, dass eine enge Vernetzung zwischen Sozialarbeitern, Lehrern, Eltern und Schülern besteht“, betont Bildungs-Landesrätin Maria Hutter.

Schulsozialarbeit findet derzeit hauptsächlich über Videokonferenz statt. Im Vorjahr war es noch leichter mit persönlichen Kontakten. Hier im Archivbild LR Maria Hutter und Spektrum-Geschäftsführer Thomas Schuster bei einem Besuch der Kinderstadt.

„Schulsozialarbeit ist deshalb so wichtig, weil sie einen präventiven Ansatz verfolgt, damit Konflikte erst gar nicht entstehen. Das Bildungsressort hat die Gelder für diese erfolgreiche Präventionsarbeit in den vergangenen Jahren verneunfacht. Ein weiterer Ausbau ist geplant. „Jeder Euro, der hier investiert wird, erspart uns hohe Folgekosten“, ist Landesrätin Maria Hutter überzeugt.

700 Schüler und 400 Eltern beraten

In Salzburg gibt es dieses Angebot seit mehr als 20 Jahren. In den vergangenen fünf Jahren fand ein massiver Ausbau statt. 27 Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter aus verschiedenen Organisationen sind an den Salzburger Pflichtschulen im Einsatz. 28 Schulstandorte werden von den 13 Fachleuten des Vereins Spektrum betreut. In den vergangenen sechs Wochen haben diese insgesamt rund 700 Schülerinnen und Schüler und mehr als 400 Eltern telefonisch beraten oder über Soziale Medien erreicht.

Interview mit dem Experten

Das Landes-Medienzentrum (LMZ) hat sich bei Spektrum-Geschäftsführer Thomas Schuster erkundigt, wie sich die Arbeit durch die Covid-19-Situation geändert hat.

LMZ: Wie schaffen Sie es jetzt, die Kinder und Eltern zu erreichen?

Schuster: „Die Online-Präsenz auf Facebook, Instagram, Snapchat und so weiter ist für uns eine Eintrittskarte und dient zum Kontakthalten zur Zielgruppe. Wir posten kind- und jugendgerechte Infos zum Thema Corona oder die Nummern von Krisenhotlines, vor allem aber auch viele positive, lustige, kreative Sachen.“

LMZ: Kann dieser virtuelle Kontakt den persönlichen ersetzen? 

Schuster: „Seit Ostern gibt es vereinzelt auch wieder persönliche Kontakte, dies selbstverständlich unter Einhaltung der Hygienevorschriften und unter der Prämisse der Freiwilligkeit. Es wurden Care-Pakete mit Spielen und kleinen Aufmunterungen an die besonders schwer betroffenen Kinder geliefert. Besonders erfreulich ist auch, dass durch Spenden und Kooperationspartner wie etwa die Volkshilfe, Kija, das Kuratorium für Journalistenausbildung und andere an 27 Familien im ganzen Bundesland funktionstüchtige Laptops übergeben werden konnten, um das Distance Learning zu unterstützen.“

LMZ: Was sind derzeit die brennendsten Themen?

Schuster: „Die größten Sorgen und häufigsten Themen für die Schülerinnen und Schüler betreffen die (technische) Überforderung bei den Lerninhalten, Sorgen bei Übergängen von der Schule zum Beruf, Cyber-Mobbingfälle in WhatsApp Gruppen und Online-Spielen sowie das Vermissen sozialer Kontakte. Eltern und vor allem Alleinerziehende geben in den Beratungsgesprächen an, dass die Belastungen von Woche zu Woche steigen. Sie berichten, dass sie ihre Kinder kaum mehr für das Erledigen von Schulaufgaben motivieren können, die Lehrerinnen und Lehrer viel verlangen und sie deshalb an ihre Grenzen stoßen.“

LMZ: Woran erinnern Sie sich besonders in den vergangenen sechs Wochen?

Schuster: „Highlights der letzten Wochen waren neben den alltäglichen Aufgaben aufmunternde Briefe von Volksschulkindern für Seniorenbewohnerinnen und -bewohner, ein Stop-Motion LEGO-Film zum Thema Struktur im Alltag, Klassenratssitzungen über Zoom, Gruppenchats zu aktuellen Themen oder auch ein Beitrag in Radio Salzburg.“

LMZ: Blicken wir nach vorne. Was bringen die nächsten Monate?

Schuster: „Auch nach der Krise wird viel auf uns zukommen – das Bearbeiten der durch diese Zeit entstandenen neuen Problemlagen, die wir von den Schülerinnen und Schülern nur im persönlichen Kontakt erfahren werden. Obwohl die digitalen Medien jetzt von großem Nutzen sind, ersetzen sie aber niemals das Bedürfnis der Kinder, Jugendlichen und Eltern nach echter Beziehung und Gesehen-Werden. Wir haben die Kinderrechte im Blick und versuchen gemeinsam Lösungen zu finden.“ 

Bild: Landesrätin Maria Hutter und Spektrum-Geschäftsführer Thomas Schuster; CopyrightVerein Spektrum

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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