Corona in Österreich – von außen betrachtet

Michaela Petz-Michez von Salzburgs „Außenstelle“ berichtet über den Blick aus Brüsseler Perspektive

Salzburger Landeskorrespondenz, 20. April 2020

(LK)  Die Schlagzeilen aus Italien, Spanien und den USA dominieren die momentane Corona-Berichterstattung aus dem Ausland, gleichzeitig tickern die österreichischen Maßnahmen über die heimischen Bildschirme. Einen Blick von außen hat Michaela Petz-Michez vom Salzburger EU-Verbindungsbüro, sozusagen unserer Außenstelle im Herz der Europäischen Union.

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Salzburger Landeskorrespondenz
Michaela Petz-Michez vom EU-Verbindungsbüro in Brüssel arbeitet während der Corona-Zeit im Home-Office und verfolgt die Entwicklungen auf EU-Ebene.

Stefan Mayer vom Landes-Medienzentrum (LMZ) hat mit „unserer Frau in Brüssel“ über verschärfte Ausgangsbeschränkungen in Belgien, die Rolle der EU und die Sicht aus dem Ausland auf die österreichische und die Salzburger Situation gesprochen.

LMZ: Wie unterscheidet sich das öffentliche Leben in Belgien im Moment von dem in Österreich?

Petz-Michez: Seit 15. April wissen wir, dass die Sicherheitsmaßnahmen in Belgien auf alle Fälle bis 3. Mai verlängert werden. Dies bedeutet konkret noch keine Öffnung der Schulen, weiterhin Home Office, soweit es möglich ist. Baumärkte und Gartenzentren können unter den gleichen Bedingungen wie Lebensmittelgeschäfte ab morgen wieder öffnen. Die Sicherheitsabstände von eineinhalb Metern müssen jedoch weiterhin strikt eingehalten werden. Im Vergleich zu Österreich fehlen regelmäßige Analysen, Tests und auch die Quarantäne. In Krankenhäusern und Altersheimen wird nicht extra getestet. Und: Belgien hat nur ein Drittel der Fläche von Österreich, aber ein Viertel mehr Einwohner.

LMZ: Viele meinen, die EU hat in Sachen Corona versagt. Entspricht das Ihrer Wahrnehmung und was tun die europäischen Institutionen gegen die Krise?

Petz-Michez: Es ist einfach, der Europäischen Union den „schwarzen Peter“ zuzuschieben. Bei der Gesundheit hat die EU aber nur ergänzende und koordinierende Kompetenzen, entschieden wird in den Mitgliedstaaten. Zu den wichtigsten Maßnahmen der EU zählen derzeit vor allem die Koordinierung des Gesundheitswesens, 2,7 Milliarden Euro fließen in die Verteilung von Schutzausrüstung, die Verlegung von Patienten, die Rekrutierung von medizinischem Personal und die Entwicklung von Medikamenten und Testmethoden. Zusätzliche 300 Millionen Euro werden zur Aufstockung des „rescEU“-Vorrats, einem Katastrophenschutzinstrument der EU, und zur Verteilung medizinischer Ausrüstung bereitgestellt. Auch bei der Impfstoff-Forschung, ist die EU besonders aktiv. Am 1. April hat die Forschungsstelle der Kommission neues Kontrollmaterial für zuverlässige Coronavirus-Tests entwickelt. Damit lässt sich überprüfen, ob die Tests funktionieren, um falsche Negativbefunde zu vermeiden.

LMZ: Welche Rolle kommt der Kommission zu?

Petz-Michez:  Die Kommission hat die Initiative ergriffen, um jeden Euro im EU-Haushalt zu mobilisieren, um Menschenleben und Existenzen zu retten. Das neue Instrument heißt SURE und wurde im Eilverfahren vom Rat am 10. April 2020 gebilligt. SURE soll Arbeitsplätze erhalten und Familien unterstützen, bis zu 100 Milliarden Euro in Form zinsgünstiger Darlehen stehen zur Verfügung. Zugleich will die Kommission alle verfügbaren Strukturfonds-Gelder ausschließlich zur Bewältigung der Coronavirus-Krise umwidmen. Hilfe soll es auch für Landwirte und Fischer sowie für die am stärksten benachteiligten Menschen geben.

LMZ: Aber hat davon auch Salzburg etwas?

Petz-Michez: Mit meinem Brüsseler Team versuchen wir, vor allem diese Vielfalt von Informationen und Initiativen für Salzburg aufzubereiten und zu prüfen, wie diese auch tatsächlich bei uns „zu Hause“ angewendet werden können. Daher finden auch weiterhin regelmäßig Telekonferenzen und Teamcalls mit den anderen Verbindungsbüros sowie den EU-Institutionen statt.

LMZ: Wie sehen EU-Entscheidungsträger und die belgische Bevölkerung den Umgang Österreichs und Salzburgs mit der Covid-19-Krise?

Petz-Michez: Österreich und Salzburg sind ein wahres Vorzeigebeispiel für Belgien und andere EU-Mitgliedstaaten. Ich höre es beinahe täglich von Freunden und Kollegen aus anderen EU-Mitgliedstaaten, wie hervorragend unser Land die Krise meistert.

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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