Corona-Alltag: Das belastet Kinder und Eltern nun besonders

Salzburger Landeskorrespondenz, 17. April 2020

(LK)  Die Ausnahmesituation, in der wir gerade leben, ist für Kinder und Eltern sehr fordernd. Einsamkeit, Überlastung oder Stress-Situationen, je nach Personengruppe sind es andere nicht nur, aber auch psychische Belastungen. „Wir lassen niemanden allein. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft sowie die Elternberatung des Landes stehen auch in dieser Zeit für Beratungen und Betreuung zur Verfügung – und das kostenlos“, so Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn.

Kostenlos helfen die Elternberatung und die Kinder- und Jugendanwaltschaft, sowohl telefonisch als auch online. 

Home Office, die Kinder zu Hause, Ausgangsbeschränkungen, ein ganz anderer Alltag, das fordert zur Zeit die Salzburgerinnen und Salzburger. Kinder und Jugendliche sind aus ihrer gewohnten Struktur gerissen und häufig verunsichert. „In dieser Krisensituation sind Beratungsstellen und Expertinnen und Experten, die mit ihrer Lösungs- und Informationskompetenz zur Seite stehen, besonders wichtig. Bitte greifen Sie zum Telefon und wenden Sie sich mit Ihren Fragen und Problemen an sie, lassen Sie sich unkompliziert und kostenlos helfen,“ appelliert Sozialreferent Heinrich Schellhorn an Familien. Die Elternberatung des Landes Salzburg sowie die Kinder- und Jugendanwaltschaft sind hier wichtige Service-Stellen.

Diese Themen sind zur Zeit brisant

Das Landes-Medienzentrum (LMZ) hat mit Andrea Holz-Dahrenstaedt, von der Kinder- und Jungendanwaltschaft (kija) und mit Herbert Huka-Siller, von der Elternberatung gesprochen, welche Themen in der aktuellen Situation die brennendsten sind.

LMZ: Frau Holz-Dahrenstaedt, was sind die Hauptanliegen in diesen von Corona geprägten Zeiten?

Andrea Holz-Dahrenstaedt: Gerade am Beginn herrschte viel Unsicherheit darüber, wie viel Nähe innerhalb der Familie erlaubt ist. In einer sehr schwierigen Lage befanden sich auch etliche Jugendliche mit psychischen Belastungen, die aufgrund der Kontakteinschränkungen bei keinem Therapeuten andocken konnten. Geflüchtete Jugendliche hingegen reagierten vielfach mit extremer Beunruhigung auf die Ausgangsbeschränkungen oder sogar einer Retraumatisierung. Familien mit eingeschränkten Wohnraum wurden besonders hart von den Ausgangsbeschränkungen getroffen.

LMZ: Was belastet am meisten?

Andrea Holz-Dahrenstaedt: Der Verlust von wichtigen und schützenden Bezugspersonen im Alltag wie den Großeltern, der Wegfall der Tagesstruktur sowie die gestrichenen Kontakte zu der so wichtigen Peergroup, der eingeschränkte Bewegungsradius sowie Überforderung durch E-Learning und dauergestresste Eltern. In großer Sorge sind wir um die Kinder und Jugendlichen, die in einem hochstrittigen oder gewaltbelasteten Familienklima aufwachsen. Sie sind dieser Belastung nun verstärkt und ohne Unterbrechung ausgesetzt.

LMZ: Wie konnte und kann geholfen sowie unterstützt werden?

Andrea Holz-Dahrenstaedt: Manchmal ging es einfach darum, zuzuhören und die Kinder allein durch das Ernstnehmen ihrer Situation zu beruhigen und aufzubauen. Oft waren wir aber auch ganz konkret gefordert, zum Beispiel, wenn es darum ging, einen Laptop zu organisieren, einen ausständigen Krankenversicherungsbeitrag einzuzahlen, oder eine Therapeutin zu finden, die schon Online-Therapie durchführte.

LMZ: Herr Huka-Siller, was belastet Eltern in der Corona-Krise besonders?

Herbert Huka-Siller: Die Anliegen reichen von sozialrechtlichen Fragen wie dem Kinderbetreuungsgeld über die Geburt eines Kindes sowie Still- Pflege- und Ernährungsfragen bei den Kleinen über Erziehungsprobleme bei Kindern, Beziehungsprobleme in der Partnerschaft bis hin zu psychischen Krisen. Dazu kommen rechtliche Fragen zu Trennung, Besuchsrecht und Unterhalt.

LMZ: Wie viele Anfragen erhalten Sie aktuell?

Herbert Huka-Siller: Anfragen per Mail sind bei uns relativ selten, Anfragen am Telefon haben wir rund zehn bis 15 pro Tag. Für die Beratungen stehen alle Berufsgruppen wie Ärzte, Hebammen und Krankenschwestern, Psychologen und Sozialarbeiter zur Verfügung. Die Anliegen werden zentral aufgenommen und je nach Fragestellung an die Fachleute weitervermittelt.

LMZ: Wie vielen Familien können Sie helfen?

Herbert Huka-Siller: Wir halten zudem intensiv telefonischen Kontakt zu den Familien die auch schon vor der Krise laufend mit uns in Kontakt waren und vereinbaren Termine für ausführliche Telefonberatungen. Pro Woche werden auf diese Weise rund 250 Familien begleitet.

Die Beratungsangebote im Überblick

  • Kija-Beratungstelefon: Die Kinder- und Jugendberatung ist unter 0662-430550, Montag bis Donnerstag von 10 bis 18 Uhr und am Freitag von 10 bis 15 Uhr erreichbar. Für jene, die lieber chatten als zu telefonieren, gibt es per Discord-Chat die Möglichkeit Kontakt aufzunehmen.
  • Elternberatung des Landes: Die Elternberatung ist Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr und am Freitag von 8 bis 12 Uhr telefonisch unter 0662-8042-2888 erreichbar, am Mittwochabend von 19 bis 22 Uhr unter 0662-8042-2895. Sowie per E-Mail unter elternberatung@salzburg.gv.at
Corona-Hotline des Landes Salzburg im Bild: Julia Wurm Foto: Land Salzburg/Neumayr/Leopold 24.03.2020
Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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